Der Pfle­ger als Teil­arzt

Der Kampf ge­gen den Me­di­zi­ner­man­gel: In der neu­en Bil­dungs­aka­de­mie für Ge­sund­heits­be­ru­fe der Ka­tho­li­schen Kli­ni­ken im Kreis kön­nen Pfle­ge­kräf­te und Be­rufs­ein­stei­ger ein Stu­di­um ab­sol­vie­ren.

Rheinische Post Goch - - Kreis Kleve – Regional - VON LUDGER DISTELKAMP

KREIS KLE­VE Die Zu­kunft der Me­di­zin hat im Kreis Kle­ve be­gon­nen. In der neu­en Bil­dungs­aka­de­mie für Ge­sund­heits­be­ru­fe (BAG) des Ver­bun­des der Ka­tho­li­schen Kli­ni­ken im Kreis kön­nen ex­ami­nier­te Pfle­ge­kräf­te und Be­rufs­ein­stei­ger in ei­nem dua­len Stu­di­en­gang aus Leh­re und Ar­beit ein Stu­di­um mit dem aka­de­mi­schen Ab­schluss „Ba­che­lor of Arts in Nursing“ er­wer­ben. Hier kön­nen in acht Se­mes­tern Kran­ken­pfle­ge-und Kin­der­kran­ken­pfle­ge­kräf­te ei­ne hö­he­re Qua­li­fi­ka­ti­on er­rei­chen und spä­ter so­gar die Pro­mo­ti­on ab­le­gen. Die BAG ist im Kle­ver Ti­chel­park in Tei­len der ehe­ma­li­gen Ge­bäu­de der Fir­ma Spec­tro er­öff­net wor­den.

Wich­ti­ger Im­puls

„Die­ser Schritt ist ein wich­ti­ger Im­puls für die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung in Deutsch­land. Denn nur an drei Stand­or­ten in der Bun­des­re­pu­blik gibt es die Mög­lich­keit die­ser Aus-und Wei­ter­bil­dung“, be­ton­te Pro­fes­sor Dr. Her­bert Hock­auf. Er ist ei­ner von vier Pro­fes­so­ren, die an der neu­en Aka­de­mie in Kle­ve un­ter­rich­ten. Hock­auf ist gleich­zei­tig In­sti­tuts­lei­ter der St­ein­beis-Hoch­schu­le Berlin. Be­reits seit 2009 sind die Ho­s­pi­tä­ler des Ver­bun­des der Ka­tho­li­schen Kli­ni­ken im Kreis „Aka­de­mi­sche Lehr­kran­ken­häu­ser“ der Hoch­schu­le. Bis­lang hät­ten sich nur ex­ami­nier­te Pfle­ge­kräf­te mit mehr­jäh­ri­ger Er­fah­rung aka­de­misch fort­bil­den kön­nen. Mit der Er­öff­nung der Kle­ver Ein­rich­tung könn­ten die­sen Weg auch Be­rufs­ein­stei­ger nut­zen, be­ton­te Hock­auf.

„Wir hof­fen, mit dem neu­en An­ge­bot der Zeit vor­aus zu sein. Wir brau­chen hoch qua­li­fi­zier­te Kräf­te und wol­len den Pfle­ge­be­ruf at­trak­ti­ver ma­chen, um ei­ne hö­he­re Ver­sor­gungs­qua­li­tät zu er­rei­chen“, sag­te Dr. Peters En­ders, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Kli­nik­ver­bun­des. Ein Grund da­für sei, dass die Po­li­tik nicht mehr Stu­di­en­plät­ze für Me­di­zi­ner schaf­fe. „Wir wol­len al­so auch dem Ärz­te­man­gel be­geg­nen“, so En­ders über die Zu­kunfts­pla­nun­gen.

Kon­zept an­ge­nom­men

Ziel und Wunsch sei es, dass die­se aka­de­mi­schen Pfle­ge­kräf­te auch Auf­ga­ben ei­nes „Teil­arz­tes“ über­neh­men soll­ten. In vie­len eu­ro­päi­schen Län­dern sei dies All­tag, hob Hock­auf her­vor. Die neu­en „Tei­l­ärz­te“ könn­ten dann bei­spiels­wei­se Auf­nah­me-Un­ter­su­chun­gen oder den Ul­tra­schall durch­füh­ren. „Die Me­di­zi­ner ha­ben zu­nächst mit ge­misch­ten Ge­füh­len auf die­se Än­de­rung re­agiert. Nun wird von ih­nen aber die­ses Kon­zept an­ge­nom­men“, be­rich­te­te der Haupt­ge- schäfts­füh­rer des Ka­tho­li­schen Kli­nik­ver­bun­des.

Zehn Stu­di­en­plät­ze pro Jahr fi­nan­ziert zu­nächst der Ver­bund. 80 Stu­den­ten, die be­reits auch aus der aka­de­mi­schen Fort­bil­dung kä­men, sei­en nun in Kle­ve, er­klär­te En­ders. Ein Pro­fes­sor be­treue 20 Teil­neh­mer, sag­te Hock­auf. Die­ser Bil­dungs­gang sei zu­dem für Ex­ter­ne ge­öff­net. 50 Stu­den­ten kä­men aus ganz Deutsch­land – aus Kiel, München oder Berlin.

„Von Berlin aus kommt man ja we­gen des Air­ports Nie­der­rhein in Wee­ze schnell in den Kreis“, so der Leh­rer über ein Mo­tiv, war­um Schü­ler aus der Haupt­stadt an den Nie­der­rhein kom­men. Die Stu­den­ten aus den Groß­städ­ten schät­zen üb­ri­gens auch die Ru­he, die sie in Kle­ve ge­nie­ßen könn­ten.

RP-FO­TO: EVERS

Vor der neu­en Bil­dungs­aka­de­mie (v.l.): Rai­ner Haas, Propst Theo­dor Mi­chel­brink, Andrea Huis­mann, Prof. Dr. Her­bert Hock­auf, Land­rat Wolf­gang Spreen , Dr. Ar­tur Le­en­ders und Haupt­ge­schäfts­füh­rer Dr. Pe­ter En­ders.

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