Sala­fis­ten: Mi­nis­ter prüft Ver­bot

Rheinische Post Goch - - Politik - VON RALF JÜN­GER­MANN UND JAN DREBES

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) hat ges­tern Abend ver­si­chert, dass sein Haus sorg­sam prü­fen wer­de, ob man den is­la­mis­ti­schen Ver­ein „Ein­la­dung zum Pa­ra­dies“ ver­bie­ten kön­ne. Die De­mo­kra­tie sei wehr­haft, ver­si­cher­te de Mai­ziè­re. In Mön­chen­glad­bach, un­weit der um­strit­te­nen Mo­schee, in der der sala­fis­ti­sche Ver­ein ei­ne Is­lam­schu­le er­rich­ten will, er­läu­ter­te er vor 300 Zu­hö­rern, dass seit 2001 vom In­nen­mi­nis­te­ri­um fünf re­li­giö­se Ver­ei­ne ver­bo­ten wor­den sei­en. Die­se Ver­bo­te hät­ten al­le auch Kla­gen stand­ge­hal­ten. „Über ein Ver­eins­ver­bot re­det man im Vor­feld nicht groß. Das lässt man, oder das macht man. Das ist aus­drück­lich in Ih­rem In­ter­es­se“, sag­te de Mai­ziè­re an die Adres­se der Zu­hö­rer, von de­nen vie­le in­zwi­schen in ei­ner Bür­ger­initia­ti­ve or­ga­ni­siert sind.

Der Staat las­se kei­ne To­le­ranz ge­gen­über In­to­le­ran­ten zu. „Wenn je­mand un­se­re frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­or­dung prin­zi­pi­ell in­fra­ge stellt, hört die To­le­ranz auf“, sag­te der In­nen­mi­nis­ter. Man wer­de „ge­zielt, prag­ma­tisch und ge­konnt mit al­len recht­li­chen Maß- nah­men, die es gibt, vor­ge­hen“. Je­der recht­li­che Schritt müs­se aber wohl über­legt sein. „Das muss sit­zen“, sag­te der Mi­nis­ter. Denn man ha­be es „bei den Rä­dels­füh­rern“ mit in­tel­li­gen­ten Men­schen zu tun. „Da wer­den im Zwei­fel so­fort die bes­ten Rechts­an­wäl­te der Re­pu­blik be­müht“, so der Mi­nis­ter wei­ter. De Mai­ziè­re, der spon­tan auf sei­ne ge­plan­te Re­de ver­zich­te­te und lie­ber un­ter an­de­rem mit ei­nem Spre­cher der Bür­ger­initia­ti­ve auf der Büh­ne dis­ku­tier­te, wur­de von den Zu­hö­rern am En­de mit ste­hen­dem Ap­plaus und rhyth­mi­schem Klat­schen ge­fei­ert.

Die Nach­richt, der Ver­ein wol­le nun doch nicht von Braun­schweig nach Mön­chen­glad­bach um­zie­hen, wer­te­te de Mai­ziè­re vor­sich­tig: „Ich traue dem Bra­ten noch nicht.“ Er lob­te aus­drück­lich den Pro­test der Bür­ger­initia­ti­ve. „Was Sie hier er­reicht ha­ben, ist ein gro­ßer Sieg der Frei­heit über die Angst. Las­sen Sie sich nicht ins Bocks­horn ja­gen“, so der Mi­nis­ter. Er lob­te vor al­lem, dass der Pro­test in Mön­chen­glad­bach dif­fe­ren­ziert sei. Es ge­he we­der um den Is­lam noch um In­te­gra­ti­on, son­dern um Ex­tre­mis­mus. Von den rund vier Mil­lio­nen Mos­lems sei­en in Deutsch­land rund 36 000 Is­la­mis­ten. De­mo­kra­ten hät­ten al­len Grund, selbst­be­wusst zu sein. „Der Rechts­staat ist stär­ker, wenn es zu­sätz­lich auch ein un­miss­ver­ständ­li­ches bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment gibt“, sag­te de Mai­ziè­re.

Der In­nen­mi­nis­ter be­ton­te, es sei die rich­ti­ge Ent­schei­dung ge­we­sen, nach den An­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 die Mög­lich­kei­ten des Ver­eins­ver­bots auch auf re­li­giö­se Grup­pie­run­gen aus­zu­deh­nen. Er wer­de da­für kämp­fen, dass dies auch wei­ter so blei­be. Das be­ste­hen­de Recht rei­che. Es müs­se nur im­mer wie­der prag­ma­tisch in­ter­pre­tiert wer­den.

FO­TO: ILGNER

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas Mai­ziè­re (CDU) in Gla­dabch.

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