Char­man­tes Schlitz­ohr: Michael Bu­blé in Köln

Rheinische Post Goch - - Kultur - VON MAX-FLO­RI­AN KÜH­LEM

KÖLN Hin­ter dem über­di­men­sio­na­len Vor­hang in der Köl­ner Are­na tobt ein Schat­ten­or­ches­ter. Blä­ser tür­men sich auf. Strei­cher ma­len ei­ne dra­ma­ti­sche Ku­lis­se. Ein Pau­ker schlägt Alarm, als gin­ge es dar­um, den neu­es­ten Ja­mes-Bon­dBö­se­wicht schon mit der Ti­tel­mu­sik in die Flucht zu schla­gen. Doch als der Vor­hang fällt, steht da nur ein klei­ner Mann im grau­en An­zug mit sei­ner Jazz­band: Michael Bu­blé, das Schlitz­ohr, der Blen­der, der char­man­te Ga­no­ve mit der hin­rei­ßen­den Stim­me. 8000 Fans sind an die­sem Abend ge­kom­men. Die meis­ten von ih­nen wer­den die Zeit von Frank Si­na­tra und De­an Mar­tin nicht mehr ak­tiv mit­er­lebt ha­ben. Hier er­le­ben sie ei­ne mo­der­ni­sier­te Va­ri­an­te der ele­gan­ten, äu­ßerst char­man­ten, wit­zi­gen und im­mer ein we­nig an­züg­lich mo­de­rier­ten Abend­show mit Mu­sik. Der ka­na­di­sche Shoo­ting-Star prä­sen­tiert sich als per­fek­ter En­ter­tai­ner, der die Da­men­welt trotz der Nach­richt sei­ner Ver­lo­bung lo­cker um den Fin­ger wi­ckelt und die Män­ner­welt mit ei­nem mit­rei­ßen­den Sound­track über­zeugt. Ar­thur Ha­mil­tons „Cry Me A Ri­ver“, Brecht/Weills „Mack The Kni­fe“, die Ei­gen­kom­po­si­ti­on „All I Do Is Dream Of You“, ge­sun­gen mit der phan­tas­ti­schen A-Ca­pel­la-Band Na­tu­ral­ly 7. Die Mi­schung macht es bei Michael Bu­blé – und die Mi­schung ist gut. Da macht es auch nichts, wenn Co­ver­ver­sio­nen wie „Cra­zy Lo­ve“ von Van Mor­ri­son nicht an das Ori­gi­nal her­an­rei­chen. Ei­nem Mann, der ei­nen Song ab­bricht, um ra­bia­te Saa­l­ord­ner zu­rück­zupfei­fen, ver­zeiht man al­les. Sie woll­ten die Men­schen am Tan­zen vor der Büh­ne hin­dern.

FO­TO: STE­FAN WOR­RING

An­zug­trä­ger in Ek­s­ta­se: Michael Bu­blé in der Lan­xess Are­na.

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