Fuchs­ber­gers Sohn er­trun­ken

Der 53-jäh­ri­ge Tho­mas Fuchs­ber­ger ist tot in ei­nem Bach ge­fun­den wor­den. Die Um­stän­de sei­nes To­des sind rät­sel­haft. Hin­wei­se auf ein Fremd­ver­schul­den gibt es nicht. Die Po­li­zei geht von ei­nem tra­gi­schen Un­fall aus.

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft - VON JÖRG ISRINGHAUS

KULM­BACH Tho­mas Fuchs­ber­ger, der Sohn des Schau­spie­lers Joa­chim Fuchs­ber­ger, ist tot. Po­li­zis­ten fan­den die Lei­che des 53-Jäh­ri­gen im Mühl­bach im ober­frän­ki­schen Kulm­bach. Ei­ne so­fort an­ge­ord­ne­te Ob­duk­ti­on er­gab, dass der Jour­na­list, Buch­au­tor und Kom­po­nist er­trun­ken ist. Die Um­stän­de sei­nes To­des sei­en aber un­klar, so die Er­mitt­ler. Dass Tho­mas Fuchs­ber­ger Op­fer ei­nes Ver­bre­chens ge­wor­den ist, wird eben­so aus­ge­schlos­sen wie die Mög­lich­keit, dass er Selbst­mord be­gan­gen ha­ben könn­te. Es sei da­von aus­zu­ge­hen, sag­te die Staats­an­walt­schaft, dass der Mu­sik­pro­du­zent durch ei­nen tra­gi­schen Un­fall ums Le­ben ge­kom­men sei.

Tho­mas Fuchs­ber­ger war am Mitt­woch­abend Gast beim „1. Aka­de­mie­ge­spräch“ der Kulm­ba­cher Aka­de­mie für Neue Me­di­en. Dort plau­der­te er dar­über, dass sein be­rühm­ter Va­ter für ihn Fluch und Se­gen zu­gleich war, er­zähl­te von sei­nem Da­sein als Rei­se­jour­na­list und be­rich­te­te, wie man als Dia­be­ti­ker ein ge­nuss­vol­les Le­ben füh­ren kann. Da­nach ging der 53-Jäh­ri­ge mit ei­ni­gen Teil­neh­mern in ein Lokal und ver­ab­schie­de­te sich ge­gen 1 Uhr. Als An­ge­stell­te des Ho­tels „Kron­prinz“ am nächs­ten Mor­gen nur ein lee­res Zim­mer vor­fan­den, alar­mier­ten sie die Po­li­zei, die so­fort ei­ne Such­ak­ti­on ein­lei­te­te. Ge­gen 22 Uhr wur­de die Lei­che im rund zwei Me­ter tie­fen Mühl­bach ge­fun­den. Für Joa­chim Fuchs­ber­ger war die Nach­richt vom Tod sei­nes ein­zi­gen Kin­des ges­tern zu viel: Der 83-Jäh­ri­ge brach zu­sam­men, muss­te ärzt­lich ver­sorgt wer­den.

Ob der Tod des Mul­ti­ta­l­ents et­was mit sei­ner Zu­cker­krank­heit zu tun hat, ist noch of­fen. Fuchs­ber­ger litt seit 1977 an Dia­be­tes, ging aber of­fen da­mit um. So schrieb er zwei Koch­bü­cher für Dia­be­ti­ker und be­rich­te­te für das Dia­be­tes-Jour­nal „feel-free“ von sei­nen Rei­sen um die Welt. Für den Viel­flie­ger war es wich­tig, sich das Le­ben nicht von der Krank­heit dik­tie­ren zu las­sen. Al­ler­dings muss­te Fuchs­ber­ger auch an­de­re ge­sund­heit­li­che Kri­sen meis­tern: So er­litt er mit 46 ei­nen schwe­ren Darm­vor­fall und muss­te sich 20 Ope­ra­tio­nen un­ter­zie­hen. Nur sein star­ker Le­bens­wil­le und sei­ne Stur­heit hät­ten ihn am En­de ge­heilt, er­zähl­te der 53-Jäh­ri­ge noch am Mitt­woch­abend.

Tho­mas Fuchs­ber­gers Le­bens­ge­fähr­tin, die Schau­spie­le­rin Cor­ne- lia Cor­ba, schrieb auf ih­rer Web­sei­te: „Ich bin so ver­zwei­felt und trau­rig, trau­rig, trau­rig. Zehn Jah­re wa­ren wir uns so nah, lie­ber Tom­my, wo bist du?“ Fuchs­ber­ger hat­te au­ßer­dem ein en­ges Ver­hält­nis zu sei­nem Va­ter, der ihn schon früh zu Dreh­ar­bei­ten und auf Rei­sen mit­nahm. Der Sohn ent­schied sich je­doch zu­nächst ge­gen das Fern­se­hen und stu­dier­te Mu­sik. 1979 pro­du­zier­te er sei­ne ers­te Plat­te in Nash­ville, 1981 und 1982 be­tei­lig­te er sich am Vor­ent­scheid für den Eu- ro­vi­si­on Song Con­test. Ins­ge­samt ver­öf­fent­lich­te Fuchs­ber­ger zehn Al­ben und 35 Singles, dar­un­ter mit „Black & Whi­te“ ei­nen Top-Ten-Hit. Ir­gend­wann hol­ten ihn der Na­me Fuchs­ber­ger und das Fern­se­hen den­noch ein: Der Münch­ner kom­po­nier­te Film­mu­si­ken, dreh­te Wer­be­fil­me, mo­de­rier­te und führ­te Re­gie. Ne­ben­bei ar­bei­te­te er als Fo­to­graf, brach­te auch ein Buch her­aus, ge­mein­sam mit sei­nem Va­ter, „In 47 Ta­gen rund um Aus­tra­li­en“. Auch die Lie­be zum fünf­ten Kon­ti­nent teil­ten Va­ter und Sohn.

Um­so schwe­rer wiegt jetzt der Ver­lust für Joa­chim Fuchs­ber­ger und sei­ne Frau Gun­du­la. „Es ist in un­se­rem ho­hen Al­ter ei­ne bru­ta­le Be­en­di­gung der Le­bens­freu­de – der Freu­de, die wir noch hat­ten. Wir ha­ben das Wert­volls­te ver­lo­ren, was wir be­sit­zen“, sag­te der 83-Jäh­ri­ge der Münch­ner Zei­tung „tz“. Auch der Stu­di­en­lei­ter der Kulm­ba­cher Aka­de­mie, Tho­mas Na­gel, fühl­te mit der er­schüt­ter­ten Fa­mi­lie. Am Mitt­woch hat­te Tho­mas Fuchs­ber­ger dort noch gut ge­launt über sei­ne Plä­ne ge­spro­chen. Er ge­be die Hoff­nung nicht auf, sag­te er, dass ihm mit ei­ner Me­lo­die ei­nes Ta­ges ein Ever­green ge­lin­gen wer­de.

FO­TO: DPA

Der Schau­spie­ler Joa­chim Fuchs­ber­ger (l.) und sein Sohn Tho­mas bei ei­ner Pre­mie­ren­fei­er im Baye­ri­schen Hof in München.

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