Das schwe­re Wort dan­ke

Rheinische Post Goch - - Grenzland Post -

Das schwers­te Wort, so der Ruhr­ge­biets­dich­ter Jo­sef Re­ding, heißt nicht: Po­po­kate­petl – wie der Berg in Me­xi­ko. Oder: Chi­chi­kas­ta­nen­go – wie die Stadt in Gua­te­ma­la. Oder: Ou­wa­gadu­ga – wie der Fluss in Afri­ka. Das schwers­te Wort für vie­le heißt: dan­ke. Ern­te­dank, die­ses Mal der 20. Jah­res­tag der Über­win­dung der deut­schen Tei­lung, ver­kaufs­of­fe­ner Sonn­tag – kein Mensch kommt noch zum Nach­den­ken. Und dann noch die Top­spie­le der Bun­des­li­ga.

Dan­ken und Nach-den­ken hän­gen nicht nur sprach­lich zu­sam­men. Der Held des Bu­ches: „Nach Af­gha­nis­tan kommt Gott nur noch zum wei­nen“ ist ei­ne Frau: Shi­rinGol. Ihr küm­mer­li­ches, il­lu­si­ons­und kom­fort­frei­es Le­ben fin­det in Flücht­lings­la­gern statt: Zelt­städ­ten, de­ren Pla­nen und Si­cher­hei­ten Plas­tik­pla­nen sind. Er­staun­li­cher­wei­se denkt sie auch ans Dan­ken: Und wie? Ein Aus­schnitt aus ih­rem Buch: Das ist Got­tes Gna­de, denkt Shi­rin-Gol, und sie ge­wöhnt sich dar­an, Gott für je­den Tag, den er ihr schenkt, zu dan­ken. Sie dankt ihm für sei­ne Gna­de, sei­ne Gü­te, für ih­re ei­ge­ne Ge­sund­heit, die ih­rer Kin­der, die ih­res Man­nes. Da­für, dass ih­re Kin­der, sie sel­ber, Mo­rad auf kei­ne Mi­ne ge­tre­ten, kei­ne Ar­me und Bei­ne ver­lo­ren ha­ben.

Sie dankt Gott für das Fett, für den Reis, für den Tee, für den Wei­zen, für die klei­ne Lehmmau­er, die sie lang­sam, aber si­cher zu­sam­men mit ih­rem Mo­rad um das blaue Plas­tik­zelt her­um baut. Da­für, dass das Mäu­er­chen grö­ßer wer­den, ei­ne Tür, ein Fens­ter und ein Dach be­kom­men wird und Shi­rin-Gol schließ­lich das Zelt dar­un­ter ent­fer­nen und ei­nen rich­ti­gen Raum, ein rich­ti­ges Zu­hau­se ha­ben wird. Das Zelt wird sie ver­kau­fen und von dem Geld Wol­le und Far­be kau­fen. Sie wird Fä­den spin­nen, Far­be ko­chen, die Wol­le fär­ben, ei­nen klei­nen Tep­pich knüp­fen, ihn ver­kau­fen, Es­sen kau­fen, Fett, Tee, Reis, Wei­zen.

Shi­rin-Gol dankt Gott für die ge­sun­den, ge­schick­ten, flin­ken, kräf­ti­gen Hän­de, die er ihr ge­schenkt hat, mit de­nen sie kocht, ih­re Kin­der auf die Welt bringt, ih­re Klei­der näht, wäscht, auf dem Feld ar­bei­tet . . .

PFAR­RER B. WES­KAMP KATH. KIR­CHEN­GE­MEIN­DE ST. MA­RIÄ HIM­MEL­FAHRT KLE­VE KIR­CHE: ST. LAM­BER­TUS DONS­BRÜG­GEN

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