Frei­spruch trotz po­si­ti­ver Pro­be

Bei Tisch­ten­nis-Pro­fi Di­mi­trij Ovt­cha­rov wur­de die ver­bo­te­ne Sub­stanz Clen­bu­te­rol nach­ge­wie­sen. Der Ver­band sperrt ihn aber nicht, weil er da­von aus­geht, dass be­las­te­tes Fleisch für den Be­fund ver­ant­wort­lich ist.

Rheinische Post Goch - - Sport / Roman - VON GIANNI COSTA

DÜSSELDORF Mann­schafts-Eu­ro­pa­meis­ter Di­mi­trij Ovt­cha­rov ist durch den Deut­schen Tisch­ten­nis­Bund (DTTB) vom Do­ping­ver­dacht frei­ge­spro­chen wor­den. Es ist das ers­te Mal im deut­schen Sport, dass nach po­si­ti­ver A-und B-Pro­be kein sport­ge­richt­li­ches Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wur­de. Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zu dem Fall.

War­um hat der Ver­band Ovt­cha­rov frei­ge­spro­chen?

Der DTTB stützt sich auf die Ana­ly­se des Köl­ner An­ti-Do­ping-Ex­per­ten Wil­helm Schän­zer. Der Wis­sen­schaft­ler schätzt die Ver­mu­tung von Ovt­cha­rov, ver­un­rei­nig­tes Es­sen wäh­rend ei­ner China­rei­se im Au­gust ha­be zu dem po­si­ti­ven Fund des ver­bo­te­nen Wirk­stof­fes ge­führt, als glaub­wür­dig ein. Der Ein­satz von Clen­bu­te­rol in der Tier­mast in Asi­en sei „be­kannt“. Ei­ne nach­träg­lich von Ovt­cha­rov ab­ge­ge­be­ne Haar­pro­be war ne­ga­tiv, was ein Be­leg da­für ist, dass die Kon­zen­tra­ti­on des Stof­fes nur sehr ge­ring ge­we­sen sein kann. Eben­falls ent­las­tend: In den Pro­ben von vier wei­te­ren Na­tio­nal­spie­lern, die wie er in Chi­na wa­ren, wur­den nach­träg­lich eben­falls Spu­ren von Clen­bu­te­rol ge­fun­den. Was spricht noch für Ovt­cha­rov? Un­ter­stützt wird der 22-Jäh­ri­ge vom Do­ping­ex­per­ten Werner Franke. „Die häu­figs­te Ne­ben­wir­kung von Clen­bu­te­rol-Do­ping ist ein un­kon­trol­lier­tes Zit­tern der Glie­der“, er­klärt der 70-Jäh­ri­ge im Ge­spräch mit die­ser Zei­tung. „Es wä­re ge­ra­de­zu aber­wit­zig, wenn ein Tisch­ten­nis­spie­ler das Zeug neh­men wür­de. Der müss­te schon mehr als däm­lich sein.“ Der be­kann­tes­te Fall von Clen­bu­te­rol im deut­schen Sport ist der von Ka­trin Kr­ab­be. Die zwei­fa­che Sprint-Welt­meis­te­rin war 1992 der Ein­nah­me über­führt wor­den. Der Wirk­stoff un­ter­stützt den Auf­bau von Mus­keln. Bei ent­spre­chend ho­her Do­sie­rung ver­lang­samt die Sub­stanz den Ab­bau von Mus­kel­ge­we­be.

Ist für Ovt­cha­rov das Ver­fah­ren be­en­det?

Sehr wahr­schein­lich. Die Na­tio­na­le An­ti-Do­ping-Agen­tur (Na­da) hät­te zwar noch die Mög­lich­keit, Pro­test ge­gen die Ent­schei­dung des DTTB ein­zu­le­gen, doch da­mit ist nicht zu rech­nen, da es vor Be­kannt­ga­be des Ur­teils ei­nen re­gen Aus­tausch zwi­schen den Or­ga­ni­sa- tio­nen gab. Theo­re­tisch könn­te sich noch die Welt-An­ti-Do­ping-Agen­tur (Wa­da) ein­mi­schen, doch da­mit wird nicht ge­rech­net.

Was muss sich der DTTB vor­wer­fen las­sen?

Do­ping­ex­per­te Werner Franke wirft dem Ver­band gro­be Fahr­läs­sig­keit vor und las­tet ihm die Haupt­schuld an. „Man kann Sport-

Deutsch­lands Top­star Ti­mo Boll: „Ich freue mich für mei­ne ge­sam­te Sport­art. Ich ha­be im­mer an die Un­schuld von Di­ma ge­glaubt.“ Wie geht es für Ovt­cha­rov wei­ter? En­de des Mo­nats trifft sich die Tisch­ten­nis-Eli­te zum World Cup in Magdeburg. Di­mi­trij Ovt­cha­rov ist eben­falls für den Wett­kampf ge­mel­det – und start­be­rech­tigt.

FO­TO: DPA

Wie­der vol­le Kon­zen­tra­ti­on an der Plat­te: Di­mi­trij Ovt­cha­rov.

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