Ei­nig­keit am grü­nen Tisch

Rheinische Post Goch - - Sport / Roman -

Frü­her war die Welt ein­fach, aber nicht gut. Do­ping­sub­stanz im Kör­per hieß zwangs­läu­fig: zwei Jah­re Sper­re. Di­mi­trij Ovt­cha­rov kam jetzt zu­gu­te, dass die­ser Au­to­ma­tis­mus seit 1. Ja­nu­ar 2009 über­holt ist. Das neue Ver­fah­ren wer­tet je­de Do­pingan­ge­le­gen­heit ge­treu ih­rer Um­stän­de und strebt da­mit das ho­he Gut der Ein­zel­fall­ge­rech­tig­keit an. Das ist bes­ser für die Ath­le­ten – und an­stren­gen­der für al­le, die ein en Fall be­wer­ten und dann ein Ur­teil fäl­len müs­sen.

Die Be­weis­ket­te mag im Fall Ovt­cha­rov durch­gän­gig und ein­deu­tig sein, ein Bei­ge­schmack bleibt den­noch. Denn glaub­wür­di­ger als ein Frei­spruch durch den ei­ge­nen Ver­band (der höchs­tes In­ter­es­se et­wa an der Olym­pia-Teil­nah­me Ovt­cha­rovs hat) wä­re das Ur­teil ei­ner un­ab­hän­gi­gen In­sti­tu­ti­on über die Qua­li­tät der In­di­zi­en ge­we­sen. Der Deut­sche Tisch­ten­nis­Bund ko­ope­riert zwar mit dem un­par­tei­ischen Sport­schieds­ge­richt, Doch das greift erst in zwei­ter In­stanz ein, falls sich ein Ath­let ge­gen das DTTB-Ur­teil weh­ren möch­te. Im ak­tu­el­len Fall aber gab es kei­nen Kon­flikt: Denn Ver­band und Ovt­cha­rov fin­den ja bei­de gut, dass Deutsch­lands Num­mer zwei wie­der an den Tisch darf. Und zwar nicht an den grü­nen Tisch der theo­re­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung, son­dern an den mit dem Netz drauf.

MAR­TIN BEILS

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.