Alt­stadt­la­by­rinth an der Adri­aküs­te

Die süd­ita­lie­ni­sche Ha­fen­stadt Ba­ri blickt auf ei­ne jahr­tau­sen­de­al­te Ge­schich­te zu­rück. Die mit­tel­al­ter­li­che Alt­stadt prä­sen­tiert sich frisch sa­niert und stellt mit ih­ren vie­len schma­len Gas­sen ein wah­res La­by­rinth dar. Die­ses be­inhal­tet un­ter an­de­rem ein

Rheinische Post Goch - - Grenzland Post – Schwerpunkt - VON MAR­TIN VAN DER PÜTTEN

WEE­ZE/BA­RI Drei­mal in der Wo­che star­tet ein Flie­ger vom Flug­ha­fen Wee­ze ins süd­ita­lie­ni­sche Ba­ri. Für ei­nen Kurz­trip in die Haupt­stadt der Re­gi­on Apu­li­en bleibt bei­spiels­wei­se, zwi­schen der Lan­dung an ei­nem Don­ners­tag­nach­mit­tag und dem Ein­che­cken zum Rück­flug am Sams­tag­vor­mit­tag, der kom­plet­te Frei­tag Zeit, an dem man von früh mor­gens bis spät abends die vie­len Fa­cet­ten der Alt­stadt ent­de­cken kann. Wer ei­nen län­ge­ren Auf­ent­halt plant, der soll­te zu­sätz­lich die wei­te­re Um­ge­bung mit ei­nem Miet­wa­gen er­kun­den.

Die An­kunft am Don­ners­tag

Ba­ris in­ter­na­tio­na­ler Flug­ha­fen liegt zum Glück ganz in der Nä­he vom Stadt­zen­trum. Er ist nur et­wa elf Ki­lo­me­ter ent­fernt und mit dem Bus ist man für we­ni­ger als ei­nen Eu­ro in ei­ner hal­ben St­un­de in der Ci­ty. Von der zen­tra­len Hal­te­stel­le am Haupt­bahn­hof sind die meis­ten Ho­tels be­quem zu Fuß zu er­rei­chen. So auch das Ho­tel Vic­tor, das ein­fach, aber für Ba­ris Ver­hält­nis­se re­la­tiv preis­güns­tig ist. Nach dem Ein­che­cken bleibt am Don­ners­tag dann noch ge­nug Zeit ei­nen klei­nen Spa­zier­gang zu un­ter­neh­men und sich ei­nen Stadt­plan zu be­sor­gen.

Frei­tag, 8.30 Uhr Nach ei­nem ge­müt­li­chen und aus­gie­bi­gen Früh­stück im Ho­tel kann die Er­kun­dung Ba­ris be­gin­nen. Der Fuß­weg zur his­to­ri­schen Alt­stadt ver­läuft zu­nächst im­mer ge­ra­de­aus, denn die Neu­stadt aus dem 19. Jahr­hun­dert ist nach dem Schach­brett­prin­zip, das heißt al­le Stra­ßen recht­wink­lig zu­ein­an­der, an­ge­legt.

10 Uhr Nach ei­ner knap­pen hal­ben St­un­de an der Adri­aküs­te an­ge­kom­men, fällt der Blick au­to­ma­tisch auf ei­ne ge­wal­ti­ge Fe­s­tungs­an­la­ge. Das „Ca­s­tel­lo Nor­man­no Sve­vo“ (das nor­man­nisch-schwä­bi­sche Ka­s­tell) ist ei­nes der Wahr­zei­chen Ba­ris. 1132 vom nor­man­ni­schen Kö­nig Ro­ger II. er­rich­tet, wur­de es im Lau­fe sei­ner Ge­schich­te oft ver­än­dert, zer­stört und aus­ge­baut. Die äl­tes­ten Tei­le des Ka­s­tells lie­gen im In­ne­ren der An­la­ge. Die­se sind von spät­mit­tel­al­ter­li­chen Fe­s­tungs­mau­ern und ei­nem ge­wal­ti­gen Gr­a­ben um­ge­ben, der frü­her ein­mal in di­rek­ter Ver­bin­dung zum Meer mit Was­ser ge­füllt war. In der Neu­zeit wur­de das Ge­bäu­de zu­nächst noch als Ge­fäng­nis und Ka­ser­ne ge­nutzt, ehe es zu ei­nem Mu­se­um um­ge­wan­delt wur­de. Für zwei Eu­ro Ein­tritt las­sen sich ei­ni­ge Aus­stel­lun­gen so­wie ei­ne klei­ne Kir­che im Fun­da­ment be­wun­dern, die bei Aus­gra­bun­gen in den 1980er Jah­ren ent­deckt wur­de. Nur der Auf­stieg auf ei­nen der Tür­me ist lei­der nicht mög­lich.

12.30 Uhr Nach kur­zem Ent­lang­schlen­dern der re­la­tiv schlich­ten Strand­pro­me­na­de zieht es ei­nen au­to­ma­tisch in die Alt­stadt. Die­se ent­puppt sich schnell als ein wah­res La­by­rinth, ist aber glück­li­cher­wei­se nicht be­son­ders groß. Ei­ne der Se­hens­wür­dig­kei­ten in­ner­halb der Alt­stadt mit ei­nem Stadt­plan zu su­chen, emp­fiehlt sich für Orts­frem­de je­den­falls nicht. Zu ver­win­kelt und schmal sind die Gas­sen. Viel­mehr bie­tet es sich an, sich trei­ben zu las­sen; dann tau­chen die Mo­nu­men­te von ganz al­lein hin­ter der nächs­ten Ecke auf.

13.20 Uhr So lang­sam ma­chen auch die ers­ten Re­stau­rants auf. (In Ita­li­en ist man mit­tags frü­hes­tens um 13 Uhr, abends frü­hes­tens um 20 Uhr). Auf dem weit­räu­mi­gen Piaz­za Mer­can­ti­le sind die Re­stau­rants auf Tou­ris­ten ein­ge­stellt. Ei­nen gro­ßen Tel­ler Pas­ta mit ei­nem Ge­tränk gibt es be­reits ab sie­ben Eu­ro.

15 Uhr Die wohl be­rühm­tes­te Se­hens­wür­dig­keit in Ba­ri ist die „Ba­si­li­ca di San Ni­co­la“ (die Ba­si­li­ka von Sankt Ni­ko­laus). Das Bau­werk be­wahrt die Re­li­qui­en des Hei­li­gen Ni­ko­laus auf. Die Ba­si­li­ka wur­de ei­gens zu die­sem Zweck ge­baut und im Jahr 1197 fer­tig­ge­stellt, nach­dem See­leu­te aus Ba­ri den Leich­nam des Mär­ty­rers et­wa 100 Jah­re zu­vor in die Stadt ge­bracht hat­ten. Auch die or­tho­do­xen Chris­ten ver­eh­ren den Hei­li­gen Ni­ko­laus und vie­le von ih­nen pil­gern des­halb nach Ba­ri. Da­von zeugt auch Sta­tue des Hei­li­gen auf dem Vor­platz der Ba­si­li­ka, denn sie ist ein Ge­schenk aus Russ­land.

16.40 Uhr Die Alt­stadt von Ba­ri ist über­säht von christ­li­chen Mo­nu­men­ten. Vie­le klei­ne­re Kir­chen und Klös­ter gibt es in den Gas­sen zu ent­de­cken. Hin­weis­ta­feln sind für Tou­ris­ten da­bei an al­len his­to­ri­schen Ge­bäu­den an­ge­bracht und er­klä­ren auf Ita­lie­nisch und Eng­lisch (ei­ni­ge we­ni­ge so­gar auf Deutsch) die je­wei­li­gen Be­son­der­hei­ten.

18.30 Uhr Die „Cat­te­dra­le di San San Sa­bi­no“ (Ka­the­dra­le des Hei­li­gen Sa­bi­no) schließ­lich, ist die zwei­te der bei­den gro­ßen Kir­chen Ba­ris. Auf den Über­res­ten ei­nes al­ten by­zan­ti­ni­schen Doms im 12. und 13. Jahr­hun­dert er­rich­tet, ist sie ein wich­ti­ges Bei­spiel des ro­ma­ni­schen Stils aus Apu­li­en. Doch auch die­se Ka­the­dra­le glich in ih­rer lan­gen Ge­schich­te oft ei­ner Bau­stel­le, so­dass sich ein bun­ter Mix aus vie­len ver­schie­den Epo­chen und Bausti­len an ihr ab­le­sen lässt.

20 Uhr Zum Abend­es­sen gibt es Bru­schet­ta, ei­ne Piz­za Marg­he­ri­ta und ein Glas Weiß­wein für un- schlag­ba­re acht Eu­ro. Im An­schluss la­den vie­le Ca­fés und Bars noch zu ei­nem Be­such ein. Mit den Ba­re­sern – wie die Ein­woh­ner der Stadt kor­rekt be­zeich­net wer­den – kommt man da­bei schnell ins Ge­spräch. Ge­ra­de vie­le der jun­gen Er­wach­se­nen ver­fü­gen über Eng­lisch­kennt­nis­se, denn Ba­ri ist ei­ne Uni­ver­si­täts­stadt, in der et­wa 70 000 Stu­den­ten ein­ge­schrie­ben sind (Im Ver­gleich: die deut­schen Pri­mus­se München und Köln kom­men auf et­wa 40 000 Stu­den­ten).

Die Abrei­se am Sams­tag Mit ge­pack­ten Ruck­sä­cken bleibt noch et­was Zeit für die Er­kun­dung des Ge­bie­tes zwi­schen Ho­tel und Bahn­hof. Die ein oder an­de­re ru­hi­ge Bank in ei­nem der klei­nen Stadt­parks lädt da­bei ein, die letz­ten Son­nen­strah­len zu ge­nie­ßen, ehe es zum Flug­ha­fen und dann zu­rück nach Wee­ze geht. Ba­ri bleibt der­weil als ein Ziel in Er­in­ne­rung, das sich auch für ei­nen Kurz­trip als loh­nens­wert er­wie­sen hat. In­ter­net Wei­te­re Zie­le der „Ein Tag in...“-Se­rie un­ter www.rp-on­line.de/keve­la­er

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