Zei­tung­le­sen macht klug

Ei­ne Stu­die be­stä­tigt, dass Ju­gend­li­che durch täg­li­ches Le­sen ei­ner Zei­tung klü­ger wer­den. Da­durch schnei­den sie in Eig­nungs­tests bes­ser ab und ha­ben grö­ße­re Chan­cen auf ei­nen Aus­bil­dungs­platz. Zu­dem ver­ste­hen sie po­li­ti­sche Dis­kus­sio­nen bes­ser und in­form

Rheinische Post Goch - - Jugend Denkt Zukunft - VON LUD­WIG JO­VA­NO­VIC

Sie ist aus­ge­ruht und hat zu­min­dest für ei­nen Tag Be­stand. Sie hat Tief­gang und bil­det mehr als nur die rei­ne Nach­richt ab: Sie ana­ly­siert, be­wer­tet und sucht nach Re­le­vanz aus. Und sie steckt vol­ler Wis­sen: die Zei­tung, die je­den Mor­gen im Brief­kas­ten oder am Ki­osk liegt. Für Ju­gend­li­che kann sie so­gar noch mehr sein: Die Zei­tung ver­bes­sert die Chan­cen auf ei­nen Ar­beits­platz – und macht täg­lich ein we­nig klü­ger. Das klingt nach ei­nem ho­hen An­spruch. Ei­ne Un­ter­su­chung der Uni­ver­si­tät Ko­blenz-Lan­dau zu­sam­men mit al­len rhein­land-pfäl­zi­schen Zei­tungs­ver­la­gen und der „Saar­brü­cker Zei­tung“ zeigt nun, dass die Zei­tung die­sem An­spruch tat­säch­lich ge­recht wird.

Für die Stu­die er­hiel­ten 1023 Aus­zu­bil­den­de ein Jahr lang kos­ten­los ei­ne Ta­ges­zei­tung. So­wohl vor der Un­ter­su­chung als auch wäh­rend und vor al­lem nach­her führ­ten die For­scher un­an­ge­kün­dig­te Tests zum All­ge­mein­wis­sen durch. Da­bei wur­den Fra­gen zu Po­li­tik, Geo­gra­fie, Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Kul­tur und Sport ge­stellt. Al­le­samt The­men al­so, die in der Ta­ges­zei­tung wäh­rend der Stu­di­en­pha­se im Rah­men der Be­richt­er­stat­tung zu le­sen wa­ren.

Im Schnitt konn­ten die jun­gen Zei­tungs­le­ser nach dem Pro­jekt elf Pro­zent mehr Fra­gen be­ant­wor­ten als vor­her. Deut­lich zu­ge­nom­men hat­te da­bei ihr Kul­tur­wis­sen: Der An­teil rich­tig be­ant­wor­te­ter Fra­gen stieg um 18 Pro­zent­punk­te von 34 auf 52 Pro­zent. Auch bei Po­li­tik und Wirt­schaft hat­ten sie um 15 und zwölf Pro­zent­punk­te über­durch­schnitt­lich stark zu­ge­legt.

Um das tat­säch­lich auf die täg­li­che Lek­tü­re der Zei­tung zu­rück­füh­ren zu kön­nen, gab es für die Stu­die auch ei­ne gleich­alt­ri­ge Kon­troll­grup­pe – der kei­ne Zei­tung zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den wa­ren. De­ren Mit­glie­der ge­hör­ten zu den ty­pi­schen Ju­gend­li­chen im Al­ter zwi­schen zwölf und 19 Jah­ren, die nach ei­ner Be­fra­gung des me­di­en­päd­ago­gi­schen For­schungs­ver­bun­des Süd­west nur zu 40 Pro­zent nach ei- ner Zei­tung grei­fen – zu 90 Pro­zent aber re­gel­mä­ßig Fern­se­hen schau­en und im In­ter­net sur­fen. Im Ver­gleich mit den „Zei­tungs­le­sern“ zeig­te sich im Test vor und nach der Stu­die kaum ein Wis­sens­zu­wachs. Die Zahl der rich­ti­gen Ant­wor­ten stieg bei den „Nicht­le­sern“ der Kon­troll­grup­pe nur um vier Pro­zent. Im Ge­gen­satz zu den elf Pro­zent der Zei­tungs­le­ser, für die sich im Lauf der Stu­die auch der Um­gang mit Me­di­en im All­ge­mei­nen ver­än­dert hat.

Die Ju­gend­li­chen ga­ben an, dass ihr täg­li­cher Nach­rich­ten­kon­sum ge­ne­rell ge­stie­gen sei. Sie in­for­mier­ten sich im­mer öf­ter und im­mer ge­ziel­ter übers Fern­se­hen oder im In­ter­net. Zum ei­nen, weil das Zei­tung­le­sen Lust auf mehr ge­macht und das In­ter­es­se ge­weckt hat­te. Zum an­de­ren, weil sie die vie­len schnel­len On­line-In­for­ma­tio­nen nun bes­ser ein­ord­nen und in ei­nem grö­ße­ren Kon­text stel­len konn­ten. Die Azu­bis ga­ben an, dass sie nun ein weit­aus grö­ße­res In­ter­es­se am Zeitgeschehen hät­ten und die po­li­ti­schen Dis­kus­sio­nen sehr viel bes­ser ver­ste­hen wür­den.

Die Idee zu die­ser Un­ter­su­chung stammt da­bei von ei­nem Lan­dau­er Un­ter­neh­men. In Ein­stel­lungs­test stell­te man dort über die Jah­re im­mer grö­ße­re Wis­sens­lü­cken fest. Und das ist kei­ne ex­klu­si­ve Fest­stel­lung nur ei­ner Per­so­nal­ab­tei­lung: Auch laut ei­ner Um­fra­ge des Deut­schen In­dus­trie und Han­dels­kam­mer­ta­ges sind bei je­dem fünf­ten Be­wer­ber Sprach-und Wis­sens­män­gel vor­han­den. Teil­wei­se so gro­ße, dass man die Be­wer­bung für ei­nen Aus­bil­dungs­platz ab­leh­nen muss­te – weil Be­ga­bung und Be­fä­hi­gung al­lei­ne bis­wei­len eben nicht aus­rei­chen. Wer in Wis­sens­test zu we­nig Punk­te er­zielt oder im Be­wer­bungs­ge­spräch zu ak­tu­el­len Mel­dun­gen kei­ne Mei­nung hat oder nicht Stel­lung be­zie­hen kann, fällt durch. Schließ­lich muss man auch im Kun­den­ge­spräch be­ste­hen kön­nen. Und wer durch Nicht­wis­sen pein­li­che Si­tua­tio­nen her­auf­be­schwört, sorgt für ein ne­ga­ti­ves Image des ge­sam­ten Be­trie­bes oder der Fir­ma. Denn wenn man bei so et­was Sim­plem nicht mit­re­den kann, wie soll der Kun­de dann der Fir­ma Kom­pe­tenz in an­de­ren Be­rei­chen zu­trau­en?

Die Azu­bis, die an der Stu­die teil­nah­men, konn­ten da­ge­gen nach dem Jahr in Kun­den­ge­sprä­chen sehr viel bes­ser mit­re­den. Et­was, das in Be­wer­bungs­ge­sprä­chen auch Ge­schäfts­füh­rer, Chefs und Lei­ter ei­ner Per­so­nal­ab­tei­lung be­ein­dru­cken kann. Wer Zei­tung liest, ver­bes­sert so al­so sei­ne Chan­cen – auf ei­nen Aus­bil­dungs­platz und ei­ne be­ruf­li­che Zu­kunft.

Und eben das könn­te Ju­gend­li­che mo­ti­vie­ren, zur Zei­tung zu grei­fen. Denn auch das war ein Er­geb­nis der Stu­die: Ju­gend­li­che wür­den nur sel­ten et­was tun, nur weil El­tern oder Leh­rer es von ih­nen er­war­ten wür­den. Dann wird es nur zu noch ei­ner gän­geln­den Pflicht der „Al­ten“, die man nicht un­be­dingt ernst neh­men muss. Wenn sie da­von aber ei­nen kon­kre­ten Nut­zen hät­ten, ei­nen rea­len Vor­teil, dann sei­en wä­ren sie auf ein­mal sehr mo­ti­viert – auch da­zu, Zei­tung zu le­sen.

FO­TO: BUSCH

Beim Pro­jekt „Schü­ler le­sen Zei­tung“ be­schäf­ti­gen sich Kin­der und Ju­gend­li­che mit der Zei­tung und be­kom­men bei vie­len The­men den Durch­blick.

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