Das Er­be von Pi­na Bausch lebt

Kurz nach dem Tod von Pi­na Bausch 2009 wur­de ei­ne Stif­tung ge­grün­det, die al­le künst­le­ri­schen Ur­he­ber­rech­te der be­rühm­ten Cho­reo­gra­phin schützt. Es han­delt sich um vier­zig Wer­ke, die nur die Wup­per­ta­ler Com­pa­gnie auf­füh­ren darf. Jetzt wur­de ein Band mit B

Rheinische Post Goch - - Kultur - VON RE­GI­NE MÜL­LER

WUP­PER­TAL Für das Wup­per­ta­ler Tanz­thea­ter gibt es heu­te zwei Zeit­rech­nun­gen: Die Zeit mit Pi­na und die Zeit nach Pi­na. Als die ein­zig­ar­ti­ge Cho­reo­gra­phin Pi­na Bausch am 30. Ju­ni 2009 plötz­lich ver­starb, schien es zu­erst, als wür­de die Zeit für das Wup­per­ta­ler Tanz­thea­ter ste­hen blei­ben. Was soll­te nach Pi­na auch kom­men?

Schon bald wur­de ge­unkt, dass die Qua­li­tät oh­ne ihr un­be­stech­li­ches Au­ge nicht zu hal­ten sei und dass un­wei­ger­lich die Mu­sea­li­sie­rung des Tanz­thea­ters ein­set­zen müs­se. „Das Jahr eins nach Pi­na ist nun ab­ge­schlos­sen“ stell­te Pe­ter Papst jetzt aber zu­frie­den im Wup­per­ta­ler Opern­haus fest. Dort hat­te sich die Pi­na-Bausch-Ge­mein­de ver­sam­melt, um die Prä­sen­ta­ti­on ei­nes Bild­ban­des zu ver­fol­gen, der

Die Stim­mung in Wup­per­tal ist auf­ge­räumt – von Weh­mut kei­ne Spur

die 30-jäh­ri­ge künst­le­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit von Pi­na Bausch mit ih­rem Büh­nen­bild­ner Pe­ter Papst do­ku­men­tiert. Man traf sich aber auch, um zu fei­ern und die Wie­der­auf­nah­me von Bauschs Cho­reo­gra­phie „Dan­zon“ zu er­le­ben.

Die Stim­mung in Wup­per­tal ist tat­säch­lich auf­ge­räumt, von Trau­er kei­ne Spur, nicht ein­mal von Weh­mut. Denn der schöp­fe­risch spie­le­ri­sche Geist der Cho­reo­gra­phin scheint so prä­sent wie zu Leb­zei­ten zu sein. So hat­te selbst die Buch­vor­stel­lung den Cha­rak­ter ei­ner Ins­ze­nie­rung. Denn auf je­dem der Stüh­le lag ein kost­bar wir­ken­der, far­bi­ger Bo­gen aus dem na­gel­neu­en Buch, be­druckt mit Fo­tos von den Tanz­aben­den. „Darf man das mit­neh­men?“ frag­te man sich wis­pernd un­ter­ein­an­der. Und guck­te sich flugs ei­nen Stuhl aus, auf dem ein be­son­ders schmu­ckes Mo­tiv prang­te, das man dann stau­nend ent­fal­te­te und mit gro­ßen Au­gen mit dem der Nach­barn ver­glich.

Ein Spiel, das je­der Käu­fer des Buchs nach­in­sze­nie­ren kann, denn die mehr als 500 Bild­mo­ti­ve sind in ei­ner of­fe­nen Bin­dung mit Schrau­ben ge­fasst und nach Be­lie­ben zu sor­tie­ren. Sprin­gen­de For­ma­te und raf­fi­nier­te Fal­tun­gen über­ra­schen und weh­ren sich ge­gen ra­sches Blät­tern. „Pe­ter für Pi­na“ lau­tet der sch­lich­te Ti­tel, den Papst mit ei­nem mus­ter­gül­ti­gen freud­schen Ver­spre­cher in „Pi­na für Pe­ter“ ver­dreh­te und da­mit ein Licht auf die sym­bio­ti­sche künst­le­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit warf, die ein Ge­ben und Neh­men und oh­ne den je­weils an­de­ren über­haupt nicht zu den­ken war.

Tat­säch­lich war es Pi­na Bauschs Wunsch, ei­nen Bild­band über ih­ren Freund und Ver­trau­ten Pe­ter Pabst zu er­stel­len und sei­nen Büh­nen­bil­dern, die er für ih­re Stü­cke im Lau­fe von drei­ßig Jah­ren schuf, ein Denk­mal zu set­zen. Ihr Tod durch­kreuz­te den Plan, doch Pe­ter Pabst führ­te das Vor­ha­ben wei­ter und ver­wirk- lich­te das auf­wän­dig pro­du­zier­te Kunst-Buch. Das oh­ne ei­ne star­ke Mann­schaft im Hin­ter­grund und die Un­ter­stüt­zung der Dr.-Wer­nerJack­städt-Stif­tung nicht zu ver­wirk­li­chen ge­we­sen wä­re.

Wo­mit wir beim hand­fes­ten Teil der Zeit nach Pi­na wä­ren, der Or­ga­ni­sa­ti­on, Be­wah­rung und Er­hal­tung ih­res künst­le­ri­schen Nach­las­ses. Ganz of­fen­sicht­lich wird hier mit größ­ter Um­sicht ge­han­delt, denn be­reits we­ni­ge Wo­chen nach Bauschs Tod ist ei­ne Stif­tung ge­grün­det wor­den, de­ren wich­tigs­tes An­lie­gen die Auf­füh­rung und Ver­brei­tung ih­rer Wer­ke ist. Mit der Stif­tung sind die künst­le­ri­schen Ur­he­ber­rech­te ih­rer Wer­ke ge­schützt; Pi­nas Sohn Sa­lo­mon wacht als Vor­sit­zen­der dar­über. Sei­ner Ent­schei­dung ob­liegt es, ob je­mals ei­ne Bausch-Cho­reo­gra­phie mit ei­ner an­de­ren Com­pa­gnie als der Wup­per­ta­ler ge­zeigt wer­den darf.

Seit März 2010 wird das Tanz­thea­ter von drei Ge­schäfts­füh­rern ge­lei­tet, von de­nen zwei – Do­mi­ni­que Mer­cy und Ro­bert Sturm – auch künst­le­risch lei­tend tä­tig sind. Bei­de wa­ren en­ge Ver­trau­te von Pi­na Bausch und wur­den vom Bei­rat des Tanz­thea­ters be­ru­fen und bis 2013 ver­trag­lich ge­bun­den. Pro Sai­son wer­den je­weils drei Aben­de neu ein­stu­diert, die in drei­ßig Vor­stel­lun­gen im Wup­per­ta­ler Opern­haus und auf Gast­spiel­rei­sen ge­zeigt wer­den. Vier­zig Wer­ke von Pi­na Bausch ste­hen zur Aus­wahl, Stoff ge­nug für ei­ne lan­ge Ära nach Pi­na.

Ob und wie lan­ge das so wei­ter­ge­hen kann und soll, bleibt ab­zu­war­ten. „Wir kön­nen von Pi­nas un­ver­gleich­li­cher schöp­fe­ri­scher Kraft ru­hig noch ei­ne Wei­le pro­fi­tie­ren“ fin­det Pe­ter Papst. Auch Wolf­gang Hoff­mann, lang­jäh­ri­ges Mit­glied des Bei­rats ist zu­ver­sicht­lich: „Die Re­per­toire­pfle­ge hat bis jetzt un­heim­lich gut ge­klappt. Trotz Um­be­set­zun­gen lebt der Geist fort. Ir­gend­wann wird si­cher mal dis­ku­tiert wer­den, ob man das Re­per­toire durch neue Cho­reo­gra­phi­en er­wei­tert. Aber jetzt noch nicht.“ In­ter­net Die schö­nen Ins­ze­nie­run­gen der Pi­na Bausch un­ter www.rp-on­line.de/kul­tur VATIKANSTADT (kna) Zu Eh­ren von Papst Be­ne­dikt XVI. hat der deut­sche Di­ri­gent Enoch zu Gut­ten­berg – Va­ter von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg – mit der Ch­or­ge­mein­schaft Neu­beu­ern und dem Orches­ter „Die Klang­Ver­wal­tung“ jetzt in der Va­ti­kanAu­la das Ver­di-Re­qui­em auf­ge­führt. In sei­ner Dan­kes­re­de nach dem Kon­zert sprach Papst Be­ne­dikt XVI. von ei­nem „Au­gen­blick wah­rer Schön­heit“, der den mensch­li­chen Geist zu er­he­ben ver­mö­ge. Ver­di wer­fe in sei­nem 1873 kom­po­nier­ten Re­qui­em die Fra­gen nach der un­ab­wend­ba­ren Rea­li­tät des To­des und nach ei­nem jen­sei­ti­gen Le­ben auf, so der Papst. Der Papst dank­te zu Gut­ten­berg für das Kon­zert, „das er mir ge­mein­sam mit dem wun­der­ba­ren Orches­ter zum Ge­schenk ge­macht hat“.

FO­TO: ULLSTEIN

Bausch, Pi­na (1940–2009) – die gro­ße Cho­reo­gra­phin war auch ei­ne gro­ße Tän­ze­rin.

FO­TO: DPA

Enoch zu Gut­ten­berg in Rom.

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