Gro­ße Nach­fra­ge nach Wer­ken von Var­gas Llosa

Rheinische Post Goch - - Kultur - VON LOTHAR SCHRÖDER

DÜSSELDORF Der Li­te­ra­tur­no­bel­preis ist ei­ne Sa­che größ­ter Eh­re und zu­gleich ein prak­ti­scher Dy­na­mo für das Rä­der­werk im Li­te­ra­tur­be­trieb. Dies­mal konn­te hier­zu­lan­de der Suhr­kamp-Ver­lag Fahrt auf­neh­men: Zu sei­nem Glück ist er im Li­zenz­be­sitz al­ler Wer­ke von Ma­rio Var­gas Llosa, der vor we­ni­gen Ta­gen aus Stock­holm über die ho­he Aus­zeich­nung un­ter­rich­tet wur­de. Auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se hat­te Suhr­kamp aber nur eins sei­ner Buch griff­be­reit. Dass dar­auf­hin die ve­he­men­te Ver­le­ge­rin Ul­la Un­sel­dBer­kéwicz (61) mit dem Ro­man „Das bö­se Mäd­chen“ po­sie­ren muss­te, kam zwei Dut­zend Fo­to­gra­fen auch nicht un­ge­le­gen.

Die Ver­füg­bar­keit hat sich seit­her ver­bes­sert. Die Nach­fra­ge sei enorm, heißt es aus dem neu­en Ber­li­ner Suhr­kamp-Do­mi­zil, zu­mal mit Var­gas Llosa ein in Deutsch­land schon ein­ge­führ­ter und be­kann­ter Au­tor den schwe­di­schen Lor­beer tra­ge. Al­so wur­de hur­tig nach­ge­druckt – 200 000 Ex­em­pla­re ins­ge­samt, da­von je 50 000 von den Spit­zen­ti­teln. Das sind in Deutsch­land der­zeit „Tan­te Ju­lia und der Kunst­schrei­ber“, „Das Fest des Zie­gen­bocks“ und „Tod in den An­den“.

Da­mit die­ser Trend nicht all­zu schnell ver­flacht, wird jetzt wer­be­wirk­sam nach­ge­legt, et­wa mit den Wor­ten von Da­ni­el Kehl­mann, der einst bei Suhr­kamp an­fing, dann aber zu Ro­wohlt wech­sel­te. Den­noch ist sein Zi­tat über den neu­en No­bel­preis­trä­ger hoch will­kom­men: „Ei­ne bes­se­re Wahl wä­re nicht mög­lich ge­we­sen“. Et­was heim­li­cher ju­belt der­zeit ein an­de­rer Au­tor. Mar­tin Mo­se­bach – der für den No­bel­preis ein Vor­schlags­recht hat – ver­riet uns, dass er sich für Var­gas Llosa ent­schie­den hat­te.

Viel Zu­stim­mung al­so hier­zu­lan­de, doch auf ei­nen Deutsch­land­Be­such vom Ge­kür­ten wer­den sei­ne Le­ser nach Ver­lags­aus­kunft vo­r­erst nicht hof­fen dür­fen. Da­für ver­sorgt der Pe­rua­ner sei­ne Fans mit Be­rich­ten über je­ne ma­gi­schen Mi­nu­ten zwi­schen dem An­ruf aus Stock­holm und der welt­wei­ten Ver­laut­ba­rung. Schein­bar das hal­be Le­ben ist im Schnell­durch­gang an ihm vor­bei ge­rauscht, wie er in der „FAZ“ no­tiert: Er denkt ans Haus sei­ner Kind­heit in Cochabam­ba, an On­kel Lucho, den För­de­rer, an glück­se­li­ge Pa­ri­ser Jah­re, an Bor­ges und Pa­blo Ne­ru­das „Zwan­zig Lie­bes­ge­dich­te“. Vi­el­leicht ka­men ihm aus die­sem Buch im Au­gen­blick des Tri­um­phes je­ne Ver­se in den Sinn:

„Dass ich stär­ker bin, / weil ich in mir / nicht mein klei­nes Le­ben, / son­dern al­les Le­ben tra­ge, / und si­cher schrei­te ich vor­wärts, / weil ich tau­send Au­gen ha­be, / mein Schlag hat die Schwe­re des St­ein­blocks, / weil ich tau­send Hän­de ha­be, / und mei­ne Stim­me hört man / an den Ufern al­ler Län­der“. In­ter­net No­bel­preis­trä­ger 2010 im Über­blick un­ter www.rp-on­line.de/wis­sen

FO­TO: AFP

Ma­rio Var­gas Llosa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.