Welt­ver­band im Zwie­licht

Rheinische Post Goch - - Sport -

Der Schuld­be­weis ist noch nicht ab­schlie­ßend ge­führt. Aber die In­di­zi­en sind er­drü­ckend. Und selbst wenn die bei­den Fi­fa-Funk­tio­nä­re sich wahr­schein­lich da­mit her­aus­re­den wer­den, sie hät­ten le­dig­lich Geld für Pro­jek­te, nicht für sich selbst her­aus­schla­gen wol­len, steht der Welt­ver­band in ei­nem ganz üb­len Licht da.

Wenn zwei füh­ren­de Mit­glie­der des so­ge­nann­ten Exe­ku­tiv­ko­mi­tees of­fen­kun­dig sehr be­reit­wil­lig ih­re Stim­men meist­bie­tend auf den Markt brin­gen, dann klin­gen so­gar die fins­ters­ten Ver­mu­tun­gen plötz­lich ziem­lich rea­lis­tisch. So hat­te das Sa­ti­re-Blatt „Ti­ta­nic“ un­ter dem Ge­läch­ter der Re­pu­blik be­haup­tet, durch ein ge­ziel­tes Be­ste­chungs­an­ge­bot die Ver­ga­be der WM 2006 nach Deutsch­land auf den Weg ge­bracht zu ha­ben. Rich­tig laut ge­lacht wird seit dem Wo­che­n­en­de nicht mehr.

Dass die Fi­fa-Sta­tu­ten den Funk­tio­nä­ren un­ter­sa­gen, ihr Ab­stim­mungs­ver­hal­ten ge­ra­de­zu aus­zu­han­deln, scheint zu­min­dest die zwei nun am Pran­ger ste­hen­den Ko­mi­tee-Mit­glie­der nicht son­der­lich ge­stört zu ha­ben. In Hin­ter­grund-Ge­sprä­chen will die „Sun­day Ti­mes“ von ho­hen Wür­den­trä­gern des Ver­bands er­fah­ren ha­ben, dass Be­ste­chungs­gel­der die Chan­cen ei­ner Kan­di­da­tur be­trächt­lich er­hö­hen.

Für die­se Art von Ge­schäfts­po­li­tik trägt Prä­si­dent Sepp Blat­ter die Ver­ant­wor­tung. Aber der Schwei­zer, der sich gern als Wohl­tä­ter der Mensch­heit dar­stellt, wird nun si­cher dank­bar „rück­halt­lo­se Auf­klä­rung“ ver­lan­gen und den Schwar­zen Pe­ter be­reit­wil­lig den bei­den so fehl­ba­ren Kol­le­gen zu­schie­ben. Ver­ant­wort­lich fühlt er sich nur für Er­fol­ge.

RO­BERT PETERS

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