Po­dol­ski: Sol­do ist ein Su­per­typ

Der Star in der Köl­ner Mann­schaft steht zu sei­nem Trai­ner – auch nach der un­glück­li­chen 1:2-Nie­der­la­ge ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund. Bei den Fans steht der Fuß­ball­leh­rer al­ler­dings in der Kri­tik.

Rheinische Post Goch - - Sport -

KÖLN Lu­kas Po­dol­ski re­det wie er schießt. Voll­spann und oh­ne Schnör­kel. Wie bei sei­nem Tref­fer zum 1:1, der sei­nem 1. FC Köln im Bun­des­li­ga­spiel ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund nicht zum Punkt­ge­winn lang­te. Er spricht oh­ne Ne­ben­sät­ze und Ver­zie­run­gen, Voll­spann und oh­ne Schnör­kel eben. Das klingt dann so wie nach der 1:2-Nie­der­la­ge in ei­ner be­we­gen­den Par­tie am Frei­tag­abend: „Der Trai­ner ist ein Su­per­typ.“

Zvon­i­mir Sol­do, der „Su­per­typ“, hat Bei­stand sol­cher Art nö­tig. Die fünf­te Nie­der­la­ge im ach­ten Sai­son­spiel hat die Po­si­ti­on des Coa­ches zwar nicht dra­ma­tisch ver­schlech­tert, weil der Mann­schaft we­der der gu­te Wil­le noch dem Trai­ner der tak­ti­sche Plan ab­zu­spre­chen war. Doch Sol­do, den die Fans sei­nes Klubs mit Pfif­fen be­grüß­ten, steht seit Be­ginn sei­nes En­ga­ge­ments vor knapp 16 Mo­na­ten in der Kri­tik. Der Kul­tur­schock war für die Sym­pa­thi­san­ten des drei­ma­li­gen Meis­ters wohl ein biss­chen groß: vom lau­ten, schril­len, ef­fekt­ha­schen­den Chris­toph Daum zum wort­kar­gen Sol­do, dem nicht zu­ge­traut wird, ei­ne Mann­schaft mit so viel Gier aus­zu­stat­ten, dass sie in den Schluss­mi­nu­ten nach Dort­mun­der Art auf ei­nen Sieg drän­gen kann.

Je­de zwei­te Stel­lung­nah­me fängt der Kroa­te mit „Ja, okay“ an. „Okay“ ist bei den Köl­nern aber mal wie­der we­nig. Das fällt ge­ra­de im Kon­trast zu Bo­rus­sia Dort­mund, dem neu­en Ta­bel­len­füh­rer, auf. Die West­fa­len ha­ben in Jür­gen Klopp ei­nen Trai­ner, der nicht nur von ein­zel­nen Spie­lern, son­dern lan­des­weit als „Su­per­typ“ an­ge­se­hen wird. Sie ha­ben ei­ne Mann­schaft aus Ta­len­ten ent­wi­ckelt, spie­len mit­rei­ßen­den Fuß­ball und be­wie­sen zu­letzt mehr­fach Ge­schick auf dem Trans­fer­markt. All das fehlt den Rhein­län­dern, de­ren Ta­len­ten der Durch­bruch nicht ge­lin­gen will und de­ren Rou­ti­niers sicht­lich ab­bau­en.

Hin­zu kommt ein durch die Ver­stim­mun­gen um den zu­min­dest vor­über­ge­hend aus­sor­tier­ten Tor­hü­ter Fa­ryd Mon­dra­gon und Lu­kas Po­dols­kis Ge­ne­ral­kri­tik ver­gif­te­tes Bin­nen­kli­ma. „Ich ha­be mei­ne Mei­nung ver­tre­ten, da­zu ste­he ich“, be­ton­te der auch auf dem Feld ag­gres­siv wie lan­ge nicht auf­tre­ten­de Stür­mer. Zu mög­li­chen Kon­se­quen­zen moch­ten sich we­der Sol­do noch der an­ge­grif­fe­ne Ma­na­ger Michael Mei­er äu­ßern. Vi­el­leicht auch, weil ei­ne Stra­fe für den Na­tio­nal­spie­ler bei den Fans schlecht an­kä­me. Po­dols­kis In­ter­view-Aus­sa­gen („Hier fehlt die Stra­te­gie“) ent­spre­chen der See­len­la­ge bei gro­ßen Tei­len der An­hän­ger­schaft, wie auf Spruch­bän­dern zu le­sen war. „Pol­dis Wor­te ernst neh­men“ war auf der Süd­tri­bü­ne zu le­sen. Und: „Wie oft wollt ihr noch ver­lie­ren? Hier muss end­lich was pas­sie­ren!“

Klopp über­trieb, als er sag­te: „Für Köln ging es um al­les.“ So weit ist es am ach­ten Spiel­tag noch nicht. Doch Köln kämpft schon jetzt ge­gen den Ab­stieg. Die Nie­der­la­ge ge­gen den BVB ließ den FC auf den vor­letz­ten Rang stür­zen. Be­droh­lich er­scheint die La­ge ins­be­son­de­re des­halb, weil die der­zei­ti­gen Ta­bel­len­nach­barn Schal­ke und Stutt­gart über deut­lich mehr Po­ten­zi­al ver­fü­gen und in den ent­schei­den­den Ta­gen kaum noch in die­ser Re­gi­on an­zu­tref­fen sein wer­den. Auf der an­de­ren Sei­te ha­ben schwä­cher ein­zu­schät­zen­de Kon­kur­ren­ten wie der FC St. Pau­li, der SC Frei­burg oder Hannover 96 aber schon deut­lich mehr an­ge­spart als die Köl­ner.

In der ver­gan­ge­nen Sai­son taug­te noch ein Auf­takt­pro­gramm, das Po­dol­ski als „ham­mer­hart“ be­zeich­nen wür­de, als Er­klä­rung für den er­trags­ar­men Herbst. Die­se Er­klä­rung gibt es die­ses Mal nicht.

FO­TO: DAPD

Da kann auch er nicht mehr hin­se­hen: Kölns Trai­ner Zvon­i­mir Sol­do vor ei­nem leich­ten Tritt an die Ban­de.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.