Schal­ke steckt im Ab­stiegs­kampf

Beim 2:2 ge­gen Stutt­gart hat der Vi­ze­meis­ter so­gar noch Glück, weil der Schieds­rich­ter ei­nem Gäs­te-Tor die An­er­ken­nung ver­wei­gert. Angst macht sich breit, dass der Klub so tief stürzt wie Berlin in der ver­gan­ge­nen Sai­son.

Rheinische Post Goch - - Sport - VON FRIED­HELM KÖRNER

GELSENKIRCHEN No­vem­ber 2010. Der FC Schal­ke ver­liert in Wolfs­burg. Fa­zit: Das Team spielt bes­ser als in den Wo­chen zu­vor, rutscht aber auf den vor­letz­ten Platz ab.

De­zem­ber 2010. Im Kel­ler­der­by zu Hau­se ge­gen Köln reicht es am letz­ten Spiel­tag der Hin­run­de nur zu ei­ner Null­num­mer. Den­noch glaubt je­der: Ir­gend­wann muss der Kno­ten doch ein­mal plat­zen.

März 2011. Trotz der Nie­der­la­ge am 25. Spiel­tag in Stutt­gart hält sich im­mer noch hart­nä­ckig die Über­zeu­gung: Die­se Schal­ker Mann­schaft kann doch nicht ab­stei­gen!

Mai 2011. Beim Sai­son­fi­na­le in Köln reicht es wie­der nicht zum Sieg. Jetzt ist der Ab­stieg des Re­vier­klubs tat­säch­lich be­sie­gelt.

Wie bei die­sem Alb­traum muss es für den FC Schal­ke nicht kom­men – aber so ähn­lich kann es dem Vi­ze­meis­ter er­ge­hen, wird die Mann­schaft von ei­nem Sog in die Tie­fe ge­ris­sen wie Her­tha BSC in der ver­gan­ge­nen Sai­son, als die Ber­li­ner von ei­nem Ti­tel­an­wär­ter zum Ab­stei­ger mu­tier­ten. Die Dy­na­mik des Miss­er­folgs. Zwar klet­ter­ten die Gel­sen­kir­che­ner nun trotz des 2:2 im Kel­ler­du­ell ge­gen den VfB Stutt­gart am 1. FC Köln vor­bei auf Rang 16, doch sie tre­ten – sport­lich – auf der Stel­le. Die Be­frei­ungs­schlä­ge las­sen wei­ter auf sich war­ten.

Was wä­re pas­siert, hät­te Schieds­rich­ter Flo­ri­an Mey­er nach ei­nem Hin­weis sei­nes As­sis­ten­ten nicht ei­nem re­gu­lä­ren Tor der Gäs­te durch Ca­cau die An­er­ken­nung ver­wei­gert? So hat­ten die Gast­ge­ber, die zwei­mal in Rück­stand ge­rie­ten, weil die Schwa­ben un­ter ih­rem neu­en Chef­trai­ner Jens Kel­ler („Ich ha­be sie heiß­ge­macht“) auch mit neu­em Schwung agier­ten, so­gar noch viel Glück. Chris­toph Met­zel­der ver­such­te erst gar nicht, die dra­ma­ti­sche Si­tua­ti­on zu be­schö­ni­gen. „Stand heu­te ste­cken wir na­tür­lich im Ab­stiegs­kampf“, sag­te der Ab­wehr­chef und un­ter­strich in An­spie­lung auf den sport­li­chen Nie­der­gang der Ber­li­ner: „Das zeigt, wie Mann­schaf­ten un­ter ih­rer Qua­li­tät spie­len und dann in ei­nen Ab- wärts­stru­del ge­ra­ten. Dann wird es Wo­che für Wo­che pre­kä­rer.“

Fe­lix Ma­gath räum­te eben­falls ein: „Mo­men­tan spie­len wir so wie je­mand, der ge­gen den Ab­stieg kämpft.“ Beim Fern­seh­sen­der Sport1 ver­tei­dig­te der Schal­ker Trai­ner und Ma­na­ger er­neut den ra­di­ka­len per­so­nel­len Um­bruch, den er vor­ge­nom­men hat, und er­klär­te: „Wenn ich das Ziel ha­be, Meis­ter zu wer­den, muss ich ein Ri­si­ko ein­ge­hen.“ Auf die Fra­ge, ob er dar­an den­ke, bei ei­nem wei­te­ren Miss­er­folg auf­zu­ge­ben, sag­te er: „Ich blei­be bis zur Meis­ter­schaft.“

Ma­nu­el Neu­er er­lebt der­zeit zwei to­tal ver­schie­de­ne Fuß­ball­wel­ten. Bei sei­nen letz­ten zehn Ein­sät­zen in der Na­tio­nal­elf, die Be­geg­nun­gen bei der WM in Süd­afri­ka ein­ge­schlos­sen, muss­te der Schal­ker Schluss­mann ins­ge­samt nur vier­mal hin­ter sich grei­fen. In den ers­ten acht Bun­des­li­ga­spie­len die­ser Sai­son da­ge­gen kas­sier­te er sta­tis­tisch je­des Mal zwei Tref­fer. Die Ab­wehr bleibt die größ­te Bau­stel­le. Im Of­fen­siv­spiel hakt es je­doch eben­falls, zu­mal Jo­sé Ma­nu­el Ju­ra­do in sei­nem Spiel ne­ben star­ken An­sät­zen auch im­mer noch sehr vie­le Schwä­chen hat und Su­per­star Raúl im Ab­schluss das Glück fehlt, um wie zu sei­nen Glanz­zei­ten bei Re­al Ma­drid ein erst­klas­si­ger Tor­jä­ger sein zu kön­nen. „Er hat wie­der viel ge­ar­bei­tet und war auch ge­fähr­lich“, sag­te Ma­gath über die Leis­tung des Spa­ni­ers. „Scha­de, dass ihm kein Tor ge­lun­gen ist. Ich bin si­cher, dass er wie­der mehr trifft, wenn er mehr Si­cher­heit hat.“

FO­TO: FIRO

Wie­der ei­ne Ent­täu­schung für Schal­ke 04 in der Bun­des­li­ga: Chris­toph Mo­ritz (am Bo­den) und Klaas-Jan Hun­te­laar.

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