Deut­sche fürch­ten Na­tur­ge­wal­ten

Über­schwem­mun­gen, Erd­be­ben, Vul­kan­aus­brü­che: Zwei Drit­tel der Deut­schen ha­ben gro­ße Angst vor Na­tur­ka­ta­stro­phen. Doch die wah­ren Le­bens­ge­fah­ren lau­ern im All­tag. Das zeigt die To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik.

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft - VON STE­FAN BAR­TELS

WIESBADEN Noch nie war die Angst vor Na­tur­ge­wal­ten in Deutsch­land so groß wie in die­sem Jahr. Ei­ner Stu­die der R+V Ver­si­che­rung zu­fol­ge fürch­ten sich 64 Pro­zent der Bür­ger vor Ka­ta­stro­phen wie Vul­kan­aus­brü­chen oder Über­schwem­mun­gen. Auch der Ge­dan­ke an be­vor­ste­hen­de Ter­ror­an­schlä­ge mit vie­len To­ten, ei­nen Flug­zeug­ab­sturz oder Krieg be­rei­tet vie­len Men­schen schlaf­lo­se Näch­te.

Aber sind die­se Ängs­te wirk­lich be­grün­det? Folgt man der To­desur-

Drei Vier­tel al­ler töd­li­chen Un­fäl­le pas­sie­ren im ei­ge­nen

Heim und in der Frei­zeit

sa­chen­sta­tis­tik, die Zah­len für das ver­gan­ge­ne Jahr wer­den heu­te in Wiesbaden ver­öf­fent­licht, lau­tet die Ant­wort Nein. 2008 sind ins­ge­samt 19 089 Men­schen bei Un­fäl­len ums Le­ben ge­kom­men. Fast drei Vier­tel der To­des­fäl­le (13 970) pas­sier­ten im ei­ge­nen Heim, beim Sport oder in der Frei­zeit. Nach An­ga­ben der Ge­sund­heits­be­richt­er­stat­tung des Bun­des sind Stür­ze die häu­figs­te Ur­sa­che für Un­glü­cke in Haus­halt und Frei­zeit. Da­bei stürt­z­ten Kin­der eher aus der Hö­he, äl­te­re Per­so­nen eher in der Ebe­ne. Un­fäl­le durch Feu­er so­wie durch Na­tur-und Um­welt­ein­flüs­se hät­ten ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen Ein­fluss.

Zu­sam­men­stö­ße im Stra­ßen­ver­kehr for­der­ten im Jahr 2008 ins­ge­samt 4663 Op­fer. Da­bei star­ben 1490 Fah­rer ei­nes Pkw. Zum Ver­gleich: Im sel­ben Zei­t­raum ver­un­glück­ten „nur“ 46 Pas­sa­gie­re im Luf­t­raum. Da­ge­gen ver­star­ben 854 Pa­ti­en­ten in Kli­ni­ken durch Kom­pli­ka­tio­nen bei chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen und me­di­zi­ni­scher Be­hand­lung, 597 Per­so­nen er­lit­ten töd­li­che Ver­gif­tun­gen durch Arz­nei­mit­tel, Dro­gen oder bio­lo­gisch ak­ti­ve Sub­stan­zen.

In sei­nem kürz­lich er­schie­ne­nen „Le­xi­kon der Ge­fah­ren“ hat sich der Au­tor Alexander Mar­gu­ier dem The­ma Angst ge­wid­met. Auf Ba­sis ak­tu­el­ler wis­sen­schaft­li­cher Er­kennt­nis­se ana­ly­siert er Ge­fah­ren von A wie „Al­ko­hol“ bis Z wie „Ze­cke“. Am En­de je­des Ka­pi­tels be­wer­tet er die Ge­fahr mit To­ten­kopfSym­bo­len.

Dass der ex­ten­si­ve Ge­nuss von Hoch­pro­zen­ti­gem (neun von zehn To­ten­köp­fen) bei bun­des­weit rund 16 000 Al­ko­hol-To­ten ge­fähr­lich ist, er­staunt die we­nigs­ten. Glei­ches gilt fürs Rau­chen (zehn To­ten­köp­fe). Über­ra­schen­der ist da das The­ma Hit­ze (acht To­ten­köp­fe). Laut Mar­gu­ier steht die Hit­ze­wel­le des Som­mers 2003 un­ter den Top Ten der Na­tur­ka­ta­stro­phen in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen 100 Jah­ren un­an­ge­foch­ten an der Spit­ze. Ins- ge­s­amt 9355 Men­schen sind da­mals an den Fol­gen von Tem­pe­ra­tu­ren über 40 Grad ge­stor­ben – deut­lich mehr als bei der dra­ma­ti­schen Sturm­flut 1962 in Ham­burg und Bre­men. Kli­ma­wan­del und Er­der­wär­mung las­sen grü­ßen!

Nicht zu un­ter­schät­zen­de Ge­fahr birgt auch Stress (sie­ben To­ten­köp­fe) – vor al­lem im Be­ruf. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on zählt Stress zu den größ­ten Ge­sund­heits­ge­fah­ren im 21. Jahr­hun­dert. Min­des­tens 20 Pro­zent der Deut­schen füh­len sich nach An­ga­ben der Kran­ken­kas­sen dau­er­haft ge­stresst. Die Fol­gen: Blut­hoch­druck, Ar­te­ri­en­ver­kal­kung, Herz­in­farkt. Laut of­fi­zi­el­ler Sta­tis­tik fan­den im Jahr 2008 üb­ri­gens 444 Men­schen an ih­rem Ar­beits­platz den Tod.

FO­TO: DPA

Na­tur­ka­ta­stro­phen, wie das Hoch­was­ser im Jahr 2002 im Os­ten Deutsch­lands, ge­hö­ren zu den größ­ten Ängs­ten der Bun­des­bür­ger. In Sach­sen gab es da­mals auf­grund der Über­schwem­mun­gen ins­ge­samt 21 To­te.

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