Kölns Oper ist wie­der in Form

Rheinische Post Goch - - Kultur - VON RE­GI­NE MÜL­LER

KÖLN Mit zwei ful­mi­nan­ten Pre­mie­ren hat die Köl­ner Oper am Wo­che­n­en­de end­lich an ih­re lan­ge ver­miss­te Grö­ße An­schluss ge­fun­den. Und das in Zei­ten der Un­be­haust­heit. Denn das Köl­ner Sa­nie­rungs­cha­os macht die Oper der­zeit zur un­frei­wil­li­gen Wan­der­büh­ne. „Ta­pe­ten­wech­sel“ hat In­ten­dant Uwe Eric Lau­fen­berg des­halb die­se Spiel­zeit über­ti­telt, in der ne­ben dem Stamm­haus am Of­fen­bach­platz di­ver­se Aus­weich­spiel­stät­ten be­dient wer­den.

Die ers­te Pre­mie­re fand am Sams­tag im Ger­ling-Quar­tier statt, ei­nem En­sem­ble von Ver­wal­tungs­bau­ten des gleich­na­mi­gen Ver­si­che­rungs­kon­zerns, die seit ge­rau­mer Zeit leer ste­hen. Ei­ne kal­te Ar­chi­tek­tur, die nun zur idea­len Ku­lis­se von Mon­te­ver­dis „Krö­nung der Pop­pea“ wird. Mon­te­ver­dis spä­tes Meis­ter­werk er­zählt ei­ne pral­le, und er­schre­ckend ak­tu­el­le Ge­schich­te über Macht­wil­len, Skru­pel­lo­sig­keit und die fa­ta­le Ver­qui­ckung von Po­li­tik, Eros und Ver­bre­chen in Zei­ten der De­ka­denz.

Re­gis­seur Dietrich Hils­dorf zeigt heu­ti­ge Men­schen, die in ei­ner küh­nen Büh­nen­in­stal­la­ti­on von Die­ter Rich­ter un­ter der Kup­pel des Jahr­hun­dert­saals – der ehe­ma­li­gen Kan­ti­ne der Ver­si­che­rung – lie­ben, lei­den und In­tri­gen spin­nen. An bei­den En­den der Büh­nen­ste­ge ist je­weils ei­ne Hälf­te des Orches­ters po­si­tio­niert, das sich aus Al­te-Mu­sik-Spe­zia­lis­ten und Gür­ze­nichMu­si­kern re­kru­tiert. Lau­ten und Chi­tar­ro­nen, Zin­ke und Block­flö­ten be­stim­men das hin­rei­ßend trans­pa­ren­te Klang­bild, das Kon­rad Jung­hä­nel aus der von Mon­te­ver­di nur ru­di­men­tär über­lie­fer­ten Par­ti­tur ar­ran­giert hat.

In un­ge­heu­er kon­zen­trier­ter Per­so­nen­füh­rung zeigt Hils­dorf ein fes­seln­des Kam­mer­spiel, das eher ein Schau­spiel mit Mu­sik als ei­ne Oper ist. In der Mit­te der Büh­ne ist ein­zig ein gro­ßer Tisch in­stal­liert, ein Nach­bau des Schreib­ti­sches von Kon­zern­len­ker Hans Ger­ling, Wein­glä­ser las­sen ei­ne Par­ty ver­mu­ten, in de­ren Ablauf auch das al­le­go­ri­sche Göt­ter­vor­spiel zur Ins­ze­nie­rung Kai­ser Ne­ros wird. Die erst­klas­si­gen Sän­ger wer­den an­ge­führt von Fran­co Fa­gio­lis sen­gend in­ten­si­vem Coun­ter­te­nor, der Ne­ro mit kal­tem De­s­po­tis­mus aus­stat­tet. San­d­ri­ne Pi­aus ex­qui­si­tes So­pran­tim­bre schenkt der Ti­tel­hel­din vi­bi­rie­ren­de Sinn­lich­keit. Da­vid DQ Lee ist ein klang­schö­ner Ot­to­ne, Ro­mi­na Bosco­lo ei­ne flam­men­de Ot­ta­via. Ein ganz gro­ßer Wurf.

Tags dar­auf dann Richard Strauss’ „Elek­tra“ im Stamm­haus am Of­fen­bach­platz. Auch hier ist die mu­si­ka­li­sche Qua­li­tät be­zwin­gend: GMD Mar­kus Stenz sorgt im Gr­a­ben für ner­vös schil­lern­den Strauss-Klang, die Ti­tel­hel­din fin­det in Ca­the­ri­ne Fos­ters glei­ßen­dem, fle­xi­blem So­pran ei­ne Ide­al­be­set­zung. Von glü­hen­der In­ten­si­tät auch Edith Hal­lers Chry­so­the­mis, bal­sa­misch Sa­mu­el Youns Orest, ide­al­ty­pisch Da­lia Scha­ech­ters hys­te­ri­sche Klytäm­ne­s­tra. Ein fest­spiel­rei­fes Sän­ger­fest.

Ga­b­rie­le Rechs Re­gie fällt ge­gen Hils­dorfs atem­be­rau­ben­de Prä­zi­si­on zwar merk­lich ab, fin­det auf Matthias Schal­lers düs­ter ein­ge­kes­sel­ter Büh­ne in der Sum­me je­doch schlüs­si­ge, manch­mal über­deut­li­che Bil­der.

FO­TO: PAUL LE­CLAI­RE

Sze­ne aus Mon­te­ver­dis „Krö­nung der Pop­pea“.

FO­TO: KLAUS LEF­EB­V­RE

Richard Strauss’ „Elek­tra“, eben­falls in Köln.

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