Mer­kel gibt im Eu­ro-Streit nach

Es gibt nun doch kei­ne au­to­ma­ti­schen Sank­tio­nen ge­gen De­fi­zit­sün­der in der EU. Da­mit hat die Bun­des­re­gie­rung ei­ne For­de­rung nicht durch­set­zen kön­nen. Die EU-Kom­mi­si­on kann auch künf­tig nicht al­lein über Stra­fen ent­schei­den.

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON AN­JA INGENRIETH

BRÜSSEL Die EU-Staa­ten wol­len Schul­den­sün­der här­ter be­stra­fen als bis­her. Doch Deutsch­land lässt auf fran­zö­si­schen Druck sei­ne For­de­rung nach au­to­ma­ti­schen und so­for­ti­gen Sank­tio­nen beim Über­schrei­ten der Drei-Pro­zent-De­fi­zit­gren­ze fal­len. Im Ge­gen­zug er­hält Berlin Rü­cken­de­ckung aus Paris für Än­de­run­gen der EU-Ver­trä­ge und po­li­ti­sche Stra­fen wie ei­nen vor­über­ge­hen­den Stimm­rechts­ent­zug für hart­nä­cki­ge De­fi­zit­län­der. Dies ga­ben der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent Nicolas Sar­ko­zy und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ges­tern in De­au­vil­le be­kannt. Sie ver­wäs­sern da­mit die Vor­schlä­ge der EU-Kom­mis­si­on. Bis­lang war für Sank­tio­nen ge­gen Schul­den­staa­ten ei­ne Zwei­drit­tel­mehr­heit der Mit­glieds­staa­ten not­wen­dig – doch die kam nie zu­stan­de. Des­halb sind al­le Ver­stö­ße ge­gen die EU-Sta­bi­li­täts­pak­tRe­geln in der Ver­gan­gen­heit straf­frei ge­blie­ben.

Künf­tig woll­te die Kom­mis­si­on al­lein dar­über ent­schei­den. Die Mit­glie­der hät­ten dies nur bin­nen zehn Ta­gen durch ei­ne qua­li­fi­zier­te Mehr­heit stop­pen kön­nen. Frank­reich so­wie schul­den­ge­plag­te Süd­län­der wehr­ten sich da­ge­gen. Berlin un­ter­stütz­te die Brüs­se­ler Po­si­ti­on bis­her ge­mein­sam mit Skan­di­na­vi­ern und Nie­der­lan­den.

In ei­ner Er­klä­rung heißt es nun, die Staa­ten selbst und nicht die Kom­mis­si­on müss­ten mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit Sank­tio­nen be­schlie­ßen. Ist ein Ver­fah­ren je­doch er­öff­net, soll der Rat au­to­ma­ti­sche Sank­tio­nen mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit ge­gen je­den Mit­glied­staat ver­hän­gen, der die not­wen­di­gen Kor­rek­tiv-Maß­nah­men bin­nen ei­ner Sechs-Mo­nats-Frist nicht um- ge­setzt hat. So­wohl für den Start ei­nes De­fi­zit­ver­fah­rens ist ei­ne Rats­ent­schei­dung not­wen­dig, als auch für die Ver­hän­gung von Sank­tio­nen. „Die Sank­ti­ons­ver­fah­ren sol­len kür­zer und ef­fek­ti­ver ge­stal­tet wer­den“, sag­te Sar­ko­zy. „Aber wir wol­len, dass der eu­ro­päi­sche Rat der Staa­ten wei­ter sei­ne ent­schei­den­de Rol­le spielt. Er ist es, der mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit ent­schei­den muss.“

Noch vor dem Tref­fen hat­te EUWäh­rungs­kom­mis­sar Ol­li Rehn be­tont: „Jetzt ist der Mo­ment der

FO­TO: DPA

Staats­prä­si­dent Nicolas Sar­ko­zy und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ei­nig­ten sich im fran­zö­si­schen De­au­vil­le.

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