Die äl­tes­te Vo­ba im Kreis

Statt­li­che 125 Jah­re alt wird die Volks­bank in Ue­dem, die auf den Spar- und Dar­le­hens­ver­ein zu­rück­geht. Hand­wer­ker und Bau­ern mach­ten al­les in Ei­gen­re­gie, und der ers­te Bank-Chef war ein Ho­te­lier.

Rheinische Post Goch - - Goch / Uedem - VON MICHAEL LEH­MANN

UE­DEM Das war ei­ne zu­kunfts­wei­sen­de Ent­schei­dung: 53 Land­wir­te und Hand­wer­ker aus Ue­dem grün­de­ten 1885 den Spar-und Dar­le­hens­ver­ein zu Ue­dem und leis­te­ten da­mit auf die­sem Ge­biet in der Um­ge­bung Pio­nier­ar­beit, denn es war die ers­te Volks­bank im Kreis Kle­ve. Sechs Mit­glie­der wur­den in den Vor­stand der Bank ge­wählt und ent­schie­den über Din­ge wie Kre­dit­ver­ga­ben. Ge­schäfts­füh­rer war Ja­kob Kerst­gens, der gleich­zei­tig Ei­gen­tü­mer des Ho­tels war. Das Ho­tel dien­te als ers­te Ge­schäfts­stel­le.

Mit Zin­sen zu­rück

Durch den Zu­sam­men­schluss konn­ten auch kom­pli­zier­te Geld­ge­schäf­te ab­ge­wi­ckelt wer­den. Meh­re­re Mit­glie­der fi­nan­zier­ten das Vor­ha­ben ei­nes an­de­ren und er­hiel­ten ih­re Gel­der mit Zin­sen zu­rück. Be­reits im ers­ten Jahr lag der Um­satz bei mehr als 100000 Mark. In die­ser Zeit wur­de der Grund­satz „Al­le für ei­nen und ei­ner für al­le“ ge­prägt.

Be­reits vier Jah­re spä­ter stieg die Mit­glie­der­zahl auf 60. 1897 wa­ren es 112 Mit­glie­der, da­von 49 Land­wir­te und 63 Hand­wer­ker. Der Um­satz hat­te sich ver­fünf­facht und be­trug mitt­ler­wei­le 540 000 Mark. 1913 ver­füg­ten Ue­de­mer Bür­ger auf 415 Spar­bü­chern über 828 000 Mark. Im ers­ten Welt­krieg wur­den Kriegs­an­lei­hen ver­kauft, je­doch über­stand die Volks­bank die­se schwe­re Zeit.

Die nächs­te gro­ße Her­aus­for­de­rung wa­ren die Kri­sen­jah­re 1922 und 1923 mit der In­fla­ti­on. Der Wert des Gel­des sank im­mer ra­scher. War ein nie­der­län­di­scher

Kri­sen­be­wäl­ti­gung

Gul­den im Ju­li 1922 nur 37 Mark wert, so muss­te man im Ok­to­ber 1922 be­reits 1000 Mark für ei­nen Gul­den, im Ja­nu­ar 7200 Mark, im Ju­ni 1923 schon 32 500 Mark und im Au­gust 2,1 Mil­lio­nen Mark zah­len.

In die­ser Zeit war es nö­tig, dass die Ge­mein­de mit den ört­li­chen Ban­ken im­mer wie­der neu­es Geld zur Ver­fü­gung stell­te. So gab die Volks­bank mit der Bür­ger­meis­te­rei Ue­dem und der Bank Kep­peln am 15. Au­gust 1923 Geld­schei­ne mit den Wer­ten 250 000 Mark, 500 000 Mark, ei­ne und zwei Mil­lio­nen Mark her­aus.

Aber auch die­se Kri­se meis­ter­te die Ue­de­mer Volks­bank. In der Ge­ne­ral­ver­samm­lung 1924 wur­de Guts­be­sit­zer Wil­helm Pa­e­ßens aus Ue­de­mer­feld als Vor­sit­zen­der auf­grund der gu­ten Kri­sen­be­wäl­ti­gung wie­der­ge­wählt.

Die Bank ent­wi­ckel­te sich sehr gut. Die Ge­schäfts­räu­me be­fan­den sich nun auf der Müh­len­stra­ße 24, und die Bank ver­füg­te in den 30er Jah­ren über fünf Ge­bäu­de in der Ge­mein­de, wo­zu auch der Kin­der­gar­ten an der Loh­stra­ße zähl­te. Die Mit­glie­der­zah­len klet­ter­ten auf über 300, der Jah­res­um­satz be­trug in den 30er Jah­ren 16 Mil­lio­nen Mark.

Nach dem Krieg fing die Ue­de­mer Bank bei Null an. Um das neue Ge­bäu­de im Ju­li 1948 zu be­zie­hen, hat­ten sich die Ge­nos­sen be­reit er­klärt, ei­ne Spen­de zu leis­ten. Bau­ern zahl­ten in Na­tu­ra­li­en. Die Ue­de­mer Bank wur­de nach dem Krieg durch zwei Na­men ge­prägt. Zum ei­nen durch Lei­ter Pe­ter Kuhl und durch den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den Gerhard Bod­den. Sie konn­ten auch die jet­zi­gen Ge­schäfts­räu­me im Jah­re 1959 am Ue­de­mer Markt in Be­trieb neh­men. Heu­te ist die Ue­de­mer Bank ei­ne Fi­lia­le der gro­ßen Volks­bank an der Niers.

RP-FO­TO: KLAUS-DIE­TER STADE

Das Ge­sicht von heu­te: Die Fi­lia­le der Volks­bank an der Niers am Ue­de­mer Markt.

FO­TO: PRI­VAT

Ori­en­ta­li­sches Flair wird dem­nächst in der Stadt­bü­che­rei Goch ver­brei­tet.

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