„Ge­walt bei Ul­tras nimmt zu“

Fan­for­scher Gun­ter A. Pilz (65) über Ran­da­le in der Bun­des­li­ga

Rheinische Post Goch - - Sport -

Herr Pilz, Frank­fur­ter Ul­tras ha­ben vor dem Du­ell in Kai­sers­lau­tern mit ih­rer An­kün­di­gung für Auf­re­gung ge­sorgt, dort ein „Schlacht­fest“ ver­an­stal­ten zu wol­len. Wie ge­fähr­lich sind sol­che Grup­pie­run­gen? Pilz Sie sind auf je­den Fall sehr ernst zu neh­men. In die­sem spe­zi­el­len Fall gab es ein gro­ßes Ge­tö­se in den Me­di­en, pas­siert ist glück­li­cher­wei­se nichts. Auch die Ul­tras sind so in­tel­li­gent, ernst­haf­te Vor­ha­ben nicht vor­ab ins In­ter­net zu stel­len. Wir re­gis­trie­ren al­ler­dings in der Tat ei­ne deut­li­che Zu­nah­me der Ge­walt­be­reit­schaft bei die­ser Grup­pe – spe­zi­ell bei Aus­wärts­spie­len ist re­gel­recht ei­ne ju­gend­li­che Even­tGe­walt­kul­tur ent­stan­den. Von der selbst er­klär­ten Fried­fer­tig­keit sind vie­le lei­der ab­ge­kehrt. Wo be­steht der Un­ter­schied zwi­schen ei­nem Ul­tra und ei­nem Hoo­li­gan? Pilz Ul­tras sind ganz stark fi­xiert auf ih­ren Ver­ein, sie un­ter­stüt­zen ih­ren Klub be­din­gungs­los und zei­gen Flag­ge. In ih­rem Gr­und­ver­ständ­nis sind sie ei­gent­lich ge­gen Ge­walt, doch in der Rea­li­tät sieht es oft­mals ganz an­ders aus. Hoo­li­gans da­ge­gen geht es ein­zig und al­lein um Kra­wal­le. Für die ist nicht das Spiel wich­tig, son­dern nur der Ort, an dem es die meis­te Ac­tion gibt. In deut­schen Sta­di­en gab es seit Jah­ren kei­ne grö­ße­ren Zwi­schen­fäl­le mehr. Al­so doch al­les gar nicht so schlimm? Pilz Die Sta­di­en in der Bun­des­li­ga sind ab­so­lu­te Hoch­si­cher­heits­trak­te. Da kann nicht viel pas­sie­ren. Al­les wird ge­nau­es­tens über­wacht. Aber da­durch wird die Ge­walt nur nach au­ßen ge­la­gert. Das Pro­blem ist da­mit kei­nes­wegs be­sei­tigt. Es ist für ei­ne brei­te Öf­fent­lich­keit nur nicht sicht­bar. Was muss pas­sie­ren, da­mit es hier zu Lan­de nicht zu Ge­walt­ex­zes­sen kommt? Pilz Die Mehr­heit der be­son­ne­nen Ul­tras muss sich von Ran­da­lie­rern dis­tan­zie­ren. So et­was er­reicht man nicht mit der Brech­stan­ge. Die Po­li­zei ist da in der Pflicht, nicht al­le in Sip­pen­haft zu neh­men. Es muss viel mehr dif­fe­ren­ziert wer­den. Bei­de Sei­ten müs­sen viel mehr mit­ein­an­der re­den. Viel­fach führt Un­wis­sen­heit zu fal­schen Re­ak­tio­nen. Wir ste­hen ge­ra­de am Schei­de­weg. Ich se­he al­ler­dings ei­ni­ger­ma­ßen ent­spannt in die Zu­kunft. Ei­nen Rück­fall in die dunk­len Zei­ten des Hoo­li­ga­nis­mus wird es nicht ge­ben. Gibt es po­si­ti­ve Bei­spie­le in der Li­ga? Pilz In Hannover wird ein her­vor­ra­gen­des Mo­dell prak­ti­ziert. Da gibt es so­ge­nann­te Kon­flikt­ma­na­ger bei der Po­li­zei, die zu­nächst das Ge­spräch mit den Fans im Block su­chen und sie auf Fehl­ver­hal­ten auf­merk­sam ma­chen. Das führt da­zu, dass sich nicht Grup­pen blind mit­ein­an­der so­li­da­ri­sie­ren, son­dern mit­un­ter ein­len­ken und sich von Ge­walt dis­tan­zie­ren.

Gianni Costa führ­te das Ge­spräch.

FO­TO: UNI HANNOVER

Er­forscht Ver­hal­ten von Fans: Pro­fes­sor Gun­ter A. Pilz.

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