Stu­die­ren oh­ne Stu­di­en­ge­büh­ren

Rheinische Post Goch - - Hochschule - VON TO­BI­AS SCHOR­MANN

BERLIN Stu­di­en­ge­büh­ren wer­den der­zeit nur noch in fünf Län­dern er­ho­ben. Schul­ab­gän­ger kön­nen sie al­so durch ei­nen Um­zug um­ge­hen. Ei­ne Ge­büh­ren­flucht lohnt sich aber nicht un­be­dingt, wenn Be­wer­ber da­für ein Stu­di­um an ih­rer Wun­schu­ni auf­ge­ben müs­sen.

„Wenn ich vor der Fra­ge ste­he, wo ich stu­die­ren soll, wür­de ich das nicht nur von den Ge­büh­ren ab­hän­gig ma­chen“, sagt Ste­fan Grob vom Deut­schen Stu­den­ten­werk in Berlin. „Wenn ich ge­nau den Stu­di­en­gang ab­sol­vie­ren will und die Uni gu­te Be­din­gun­gen bie­tet, soll­te ich dort­hin ge­hen.“ Ein An­ge­bot zwei­ter Wahl an­zu­neh­men, nur weil es kei­ne Ge­büh­ren kos­tet, sei kei­ne gu­te Idee. Bis­her gibt es oh­ne­hin nicht vie­le, die sich von den Stu­di­en­ge­büh­ren ab­schre­cken las­sen, wie ei­ne Stu­die des Stif­ter­ver­ban­des in Es­sen zeigt. Dem­nach ist ei­ne mas­sen­wei­se Flucht aus den Ge­büh­ren­län­dern in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aus­ge­blie­ben. Die Zah­len der Stu­di­en­an­fän­ger be­leg­ten, dass aus ge­büh­ren­pflich­ti­gen Län­dern nicht ge­ne­rell mehr Stu­di­en­be­rech­tig­te ab­wan­dern als aus an­de­ren Län­dern. Ne­ga­ti­ve Ef­fek­te der Ge­büh­ren sei­en da­her nicht nach­weis­bar.

Da­bei ist es im Prin­zip nicht schwer, den Stu­di­en­ge­büh­ren zu ent­ge­hen. Ak­tu­ell wer­den sie im Erst­stu­di­um nur noch in Bay­ern, Ba­den-Würt­tem­berg, Ham­burg, Nie­der­sach­sen und Nord­rhein- West­fa­len fäl­lig. In Nord­rheinWest­fa­len will die rot-grü­ne Min­der­heits­re­gie­rung sie im kom­men­den Jahr ab­schaf­fen. Es gibt al­so ge­nug ge­büh­ren­freie Län­der, in die Stu­di­en­be­wer­ber „flüch­ten“ kön­nen.

Al­ler­dings bleibt die La­ge in Deutsch­land für sie schwer ab­schätz­bar. So ha­ben Hes­sen und das Saar­land in der Ver­gan­gen­heit Ge­büh­ren er­ho­ben, sie in­zwi­schen aber ab­ge­schafft. Wer vor­her weg­ge­zo­gen war, um Ge­büh­ren zu spa­ren, hat sich al­so ver­rech­net.

Wer ei­nen Um­zug in ein ge­büh­ren­frei­es Land er­wägt, soll­te da­bei auch den ost­deut­schen Hoch­schu­len ei­ne Chan­ce ge­ben, rät Grob. Dort sei das Stu­di­um nicht nur ge­büh­ren­frei, die Aus­stat­tung und die Be­treu­ungs­re­la­ti­on sei­en vie­ler­orts auch bes­ser. Et­li­che Be­wer­ber aus West­deutsch­land hät­ten aber im­mer noch Be­rüh­rungs­ängs­te mit den neu­en Län­dern. „Für vie­le Westa­b­itu­ri­en­ten ist Leip­zig im­mer noch wei­ter weg als Shang­hai.“

Fan­gen Schul­ab­gän­ger ein Stu­di­um in ei­nem Ge­büh­ren­land an, soll­ten sie sich zu Be­frei­ungs­mög­lich­kei­ten be­ra­ten las­sen, emp­fiehlt Grob. So ge­be es Aus­nah­men für Här­te­fäl­le und Son­der­re­geln wie in Ba­den-Würt­tem­berg, wo Stu­den­ten mit meh­re­ren Ge­schwis­tern un­ter Um­stän­den be­freit wer­den. www.la­en­der­check-wis­sen­schaft.de http://dpaq.de/zIV­ry

FO­TO: JAN WOI­TAS

Stu­die­ren, oh­ne Stu­di­en­ge­büh­ren zu zah­len: Blick in die Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek „Bi­b­lio­the­ca Al­ber­ti­na“ in Leip­zig

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