Wie man sich jetzt vor Grip­pe schützt

Vie­le Men­schen in Nord­rhein-West­fa­len sind in den ver­gan­ge­nen Ta­gen be­reits an ei­ner Er­käl­tung er­krankt. Die Kran­ken­kas­sen ver­zeich­nen des­halb mehr Krank­mel­dun­gen. Ge­sund­heits­ex­per­ten des Ro­bert-Koch-In­sti­tuts ru­fen zur Grip­pe­imp­fung auf.

Rheinische Post Goch - - Land & Leute - VON STE­FAN BAR­TELS

DÜSSELDORF Wind, Re­gen, sin­ken­de Tem­pe­ra­tu­ren – mit dem Herbst hat auch die Er­käl­tungs­zeit be­gon­nen. Mo­men­tan su­chen täg­lich Dut­zen­de Pa­ti­en­ten mit Hus­ten, Schnup­fen oder Fie­ber die Arzt­pra­xen in Nord­rhein-West­fa­len auf. Auch im War­te­zim­mer der Düs­sel­dor­fer Gemeinschaftspraxis von Ralf Raß­mann, De­ni­se Fre­hen und Se­le­na

Durch die Grip­pe­imp­fung kann kei­ne Er­käl­tung

aus­ge­löst wer­den

Spierz­ak herrscht in die­sen Ta­gen Hoch­be­trieb.

Die Grip­pe­wel­le sei zwar noch nicht an­ge­rollt, „aber es kann je­der­zeit los­ge­hen“, warnt All­ge­mein­me­di­zi­ner Ralf Raß­mann. Nach An­ga­ben der Deut­schen An­ge­stell­tenKran­ken­kas­se (DAK) hat die Zahl der Krank­schrei­bun­gen auf­grund von Er­käl­tun­gen in­ner­halb der ver­gan­ge­nen Wo­chen be­reits um 25 Pro­zent zu­ge­nom­men – und die Ten­denz ist wei­ter stei­gend. Ge­sund­heits­ex­per­ten ra­ten des­halb drin­gend da­zu, sich be­reits jetzt ge­gen die Grip­pe imp­fen zu las­sen. Wie ge­fähr­lich ist die sai­so­na­le In­flu­en­za?

Die nor­ma­le Grip­pe wird von vie­len Men­schen un­ter­schätzt. Das Ber­li­ner Ro­bert-Koch-In­sti­tut (RKI) rech­net mit durch­schnitt­lich 8 000 bis 11 000 To­des­op­fern pro Jahr in Deutsch­land. „Wer ge­impft ist, schützt nicht nur sich selbst vor ei­ner schwe­ren In­flu­en­za-Er­kran­kung, son­dern ver­mei­det auch ei­ne An­ste­ckung an­de­rer“, be­tont RKIPrä­si­dent Rein­hard Bur­ger. Wer soll­te sich imp­fen las­sen?

Die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on des RKI emp­fiehlt die Imp­fung grund­sätz­lich al­len Per­so­nen ab 60 Jah­ren, chro­nisch Kran­ken, Me­di- zin­per­so­nal so­wie Per­so­nen, die Ri­si­ko­pa­ti­en­ten be­treu­en oder in Ein­rich­tun­gen mit viel Pu­bli­kums­ver­kehr ar­bei­ten. In die­sem Jahr wer­den zu­dem Schwan­ge­re (ab der 13. Wo­che) zur so­ge­nann­ten Ri­si­ko­grup­pe ge­zählt. Raß­mann rät auch al­len an­de­ren Per­so­nen zur Sprit­ze: „Die Grip­pe­imp­fung macht in je­dem Fall Sinn.“ Schützt der Impf­stoff auch vor der Schwei­ne­grip­pe?

Ja. Der sai­so­na­le Impf­stoff wird ge­mäß den Emp­feh­lun­gen der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) je­des Jahr neu zu­sam­men­ge­stellt. Er setzt sich aus den An­ti­ge­nen der ak­tu­ell welt­weit vor­kom­men­den Va­ri­an­ten zir­ku­lie­ren­der Vi­rus­ty­pen zu­sam­men. Da­zu zählt 2010 auch das H1N1-Vi­rus, bes­ser als „Schwei­ne­grip­pe“ be­kannt. Ei­nen se­pa­ra­ten Impf­stoff, der nur ge­gen die nor­ma­le In­flu­en­za wirkt, gibt es nicht. Sind Ne­ben­wir­kun­gen zu be­fürch­ten?

Nach An­ga­ben des Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums in NRW gibt es „kei­ne Be­den­ken“ ge­gen den Impf­stoff. Bun­des­weit wur­den 23,3 Mil­lio­nen Do­sen ver­schie­de­ner Her­stel­ler zu­ge­las­sen. Mög­lich sei­en al­ler­dings all­ge­mein auf­tre­ten­de Impf­re­ak­tio­nen wie ein di­cker Arm oder ei­ne ge­schwol­le­ne Ein­stich­stel­le – even­tu­ell auch leich­ter Schüt­tel­frost in der Nacht, so Raß­mann. Ei­ne Er­käl­tung kön­ne hin­ge­gen nicht durch die Sprit­ze aus­ge­löst wer­den: „Pa­ti­en­ten, die nach der Imp­fung Er­käl­tungs­sym­pto­me zei­gen, ha­ben vor­her schon Vi­ren im Kör­per ge­habt.“ Wo kann ich mich imp­fen las­sen und wer über­nimmt die Kos­ten?

Die Grip­pe­imp­fung wird von Haus-und Kin­der­ärz­ten so­wie Gy­nä­ko­lo­gen an­ge­bo­ten. Auch füh­ren re­gio­na­le Ge­sund­heits­äm­ter re­gel­mä­ßig Impf­ak­tio­nen durch. Für Pa­ti­en­ten, die zu den Ri­si­ko­grup­pen ge­rech­net wer­den, wer­den die Kos­ten von durch­schnitt­lich 17 Eu­ro pro Imp­fung von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men. Ei­ni­ge BKKs, die TK, die KKH Al­li­anz und die AOK Rhein­land (Ju­gend­li­che bis 18 Jah­re) zah­len al­len Ver­si­cher­ten die Imp­fung. Die Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­li­che Auf­klä­rung (BZ­gA) hat un­ter www.imp­fen-info.de ei­ne In­ter­net­sei­te zum The­ma ein­ge­rich­tet. Wann ist der rich­ti­ge Zeit­punkt für die Grip­pe­imp­fung?

„Je frü­her, des­to bes­ser“, sagt der All­ge­mein­me­di­zi­ner Ralf Raß­mann. Er­fah­rungs­ge­mäß sei mit der ers­ten Grip­pe­wel­le zwar erst En­de Ja­nu­ar zu rech­nen. Es kön­ne aber auch schon frü­her los­ge­hen. Nach der Sprit­ze kann es zehn bis 14 Ta­ge dau­ern, bis der Kör­per Ab­wehr­stof­fe ge­gen die Er­kran­kung ge­bil­det hat. Was kann ich au­ßer der Imp­fung tun, um ei­ne An­ste­ckung zu ver­mei­den?

Das Ro­bert-Koch-In­sti­tut rät im Rah­men der Kam­pa­gne „Wir ge­gen Vi­ren“ vor al­lem zu re­gel­mä­ßi­gem Hän­de­wa­schen, hy­gie­ni­schem Hus­ten (nicht in die Hand hin­ein hus­ten) und zu re­gel­mä­ßi­gem Lüf­ten der Woh­nun­gen und Ar­beits­stät­ten, um die In­fek­ti­ons­ge­fahr zu mi­ni­mie­ren. Zu­dem soll­te man sich den Tem­pe­ra­tu­ren ent­spre­chend warm an­zie­hen. In­ter­net Mehr zum The­ma Grip­pe un­ter www.rp-on­line.de/ge­sund­heit

FO­TO: HANS JÜR­GEN BAU­ER

Es ist nur ein klei­ner Stich – der Düs­sel­dor­fer Arzt Ralf Raß­mann impft ei­ne Pa­ti­en­tin ge­gen Grip­pe.

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