„Hartz-Re­form ist welt­fremd“

Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) über die Plä­ne zum Ar­beits­lo­sen­geld II

Rheinische Post Goch - - Politik -

Was bringt die Hartz-IV-Re­form den Trans­fer­emp­fän­gern? Schwe­sig Ein­deu­tig zu we­nig. Die Re­form ist ein bü­ro­kra­ti­sches Mons­ter und völ­lig un­aus­ge­wo­gen. Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin von der Ley­en hat die Chan­ce ver­spielt, im Kampf ge­gen Kin­der­ar­mut ent­schei­dend vor­an­zu­kom­men, die das Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts er­öff­net hat. An­statt Bund, Län­der und Kom­mu­nen an ei­nen Tisch zu ho­len und ein ge­mein­sa­mes Vor­ge­hen zu ver­ein­ba­ren, hat sie hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren wert­vol­le Zeit ver­strei­chen las­sen. Es gibt gu­te Bei­spie­le da­für, wie in der Kom­mu­ne mehr Bil­dungs­teil­ha­be für Kin­der or­ga­ni­siert wer­den kann. Of­fen­sicht­lich hat Frau von der Ley­en das Ge­spräch mit den Prak­ti­kern vor Ort nicht ge­sucht, sonst wä­ren ih­re Vor­schlä­ge an­ders aus­ge­fal­len. Die Job­cen­ter mit der Um­set­zung des Bil­dungs­pa­kets zu be­auf­tra­gen, ist völ­lig welt­fremd. Hier muss die Re­gie­rung nach­bes­sern. Die SPD war im­mer für Sach­leis­tun­gen. Sie müss­ten die Mi­nis­te­rin lo­ben. Schwe­sig Ich hal­te ei­nen Mix aus Geld und Sach­leis­tun­gen für wich­tig. Sach­leis­tun­gen sind für uns vor al­lem der freie Zu­gang zu ei­ner gu­ten Bil­dungs-und Frei­zeit­in­fra­struk­tur. Des­halb set­zen wir auf Ganz­tags­ki­tas und Ganz­tags­schu­len mit ei­nem ge­sun­den, war­men Mit­tag­es­sen, ver­knüpft mit An­ge­bo­ten aus der Kin­der-und Ju­gend­ar­beit, wie zum Bei­spiel Mu­sik und Sport. Be­dürf­ti­ge Kin­der mit Gut- schei­nen im Wert von ein paar Eu­ro ab­zu­spei­sen, geht gar nicht. Die­ses Sys­tem ist le­bens­fremd, weil bü­ro­kra­tisch und stig­ma­ti­sie­rend. Ist ein Ja der SPD noch mög­lich? Schwe­sig Wir wol­len ein ech­tes Bil­dungs­pa­ket, von dem auch Kin­der aus Ge­ring­ver­die­ner-Fa­mi­li­en pro­fi­tie­ren kön­nen. Das soll als ei­ne Art Bil­dungs­fonds bei den Kom­mu­nen an­ge­sie­delt wer­den, und die­se sol­len ei­ne ent­spre­chen­de fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung vom Bund be­kom­men. Und wir for­dern ein Bil­dungs­In­fra­struk­tur­pro­gramm des Bun­des: Schul­so­zi­al­ar­bei­ter an je­der Schu­le. Fi­nan­ziert wer­den kann dies durch den Ver­zicht auf das fa­mi­li­en­po­li­tisch völ­lig un­sin­ni­ge, zwei Mil­li­ar­den Eu­ro teu­re Be­treu­ungs­geld. Es ist ei­ne Fern­hal­te­prä­mie, denn es hält Kin­der von Chan­cen fern.

Michael Bröcker stell­te die Fra­gen.

FO­TO: DPA

Ma­nue­la Schwe­sig, SPD-Vi­ze.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.