„Wir wer­den wei­ter spa­ren“

Fi­nanz-Staats­se­kre­tär Stef­fen Kam­pe­ter über die ak­tu­el­le Haus­halts­la­ge, den rich­ti­gen Um­gang mit den Fol­gen der Fi­nanz­kri­se und Ge­halts­be­schrän­kun­gen für Ma­na­ger von staat­lich ge­stütz­ten Ban­ken

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft -

Die gu­te Kon­junk­tur spült Mil­li­ar­den­Mehr­ein­nah­men in die öf­fent­li­chen Kas­sen. Läuft die Haus­halts­kon­so­li­die­rung im Mo­ment, oh­ne dass Sie viel tun müs­sen? Kam­pe­ter Die Neu­ver­schul­dung des Bun­des wird dank gu­ter Kon­junk­tur schon 2010 un­ter der bis­her erst für 2011 ge­plan­ten Sum­me von 57,5 Mil­li­ar­den blei­ben. 2011 wer­den wir sie wei­ter deut­lich sen­ken. Aber die Haus­halts­la­ge ist im­mer noch schlech­ter als die Wirt­schafts­la­ge: Wir dür­fen uns nicht der Il­lu­si­on hin­ge­ben, schon bald wie­der mehr Geld aus­ge­ben zu kön­nen. Vie­le Fach­po­li­ti­ker un­ter­lie­gen be­reits die­ser Aus­ga­be-Il­lu­si­on. De­nen sa­ge ich: Der Kon­so­li­die­rungs­kurs wird oh­ne Ab­stri­che fort­ge­setzt. Die Län­der ma­chen nicht den Ein­druck, dass sie mit glei­chem Ehr­geiz spa­ren wol­len wie der Bund – sie­he NRW. Kam­pe­ter Die Haus­halts­po­li­tik in NRW ist ei­ne Ka­ta­stro­phe, ein Trau­er­spiel vor dem Hin­ter­grund der er­folg­rei­chen Fi­nanz­po­li­tik, die Helmut Lins­sen als CDU-Fi­nanz­mi­nis­ter durch­ge­setzt hat. Die Vor­ga­ben der Schul­den­brem­se, die auch die Län­der bis 2020 er­fül­len müs­sen, wer­den von Rot-Grün un­ter To­le­rie­rung der Lin­ken igno­riert. Was kommt auf die Steu­er­zah­ler zu, wenn die Ban­ken die staat­li­chen Ga­ran­ti­en zie­hen? Kam­pe­ter Nie­mand kann be­strei­ten, dass die Ban­ken­ret­tung die Steu­er­zah­ler ho­he Mil­li­ar­den­be­trä­ge kos­ten kann. Nicht­han­deln wä­re aber teu­rer ge­we­sen. Um­so wich­ti­ger ist, dass die Ban­ken­ab­ga­be in vol­lem Um­fang kommt. Die Bun­des­re­gie­rung lehnt Ab­schlä­ge für ein­zel­ne Grup­pen wie Spar­kas­sen oder Ge­nos­sen­schafts­ban­ken ab. Das wä­re we­der fair noch sach­ge­recht. Grie­chen­land ist in ei­ne tie­fe Re­zes­si­on ge­ra­ten. Kön­nen wir den Grie­chen des­halb mehr Zeit zur Rück­zah­lung von Hilfs­kre­di­ten ge­ben? Kam­pe­ter Das wä­re das fal­sche Si­gnal. Ich er­ken­ne die Be­mü­hun­gen der grie­chi­schen Re­gie­rung an, die Spar­auf­la­gen des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds und der EU um­zu­set­zen. Aber wer jetzt an­fängt, ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­run­gen zu lo- ckern, reißt um, was wir uns müh­sam er­ar­bei­tet ha­ben. Ein Man­ko ist, dass Ka­pi­tal­an­le­ger in Eu­ro­pa im­mer noch glau­ben, die Steu­er­zah­ler wer­den schon ein­sprin­gen, wenn ein Land plei­te­geht. Kam­pe­ter Vie­le är­gert zu Recht, dass pri­va­te In­ves­to­ren in der Fi­nanz­kri­se bis­her nicht aus­rei­chend zur Kas­se ge­be­ten wur­den. Des­halb Kam­pe­ter Die Ko­ali­ti­on ist zu Recht ver­är­gert dar­über, dass in Kri­sen­ban­ken, die mit Mil­li­ar­den ge­stützt wur­den, Bo­ni ge­währt oder Ver­gü­tun­gen über 500 000 Eu­ro ge­zahlt wer­den. Das Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den der Be­völ­ke­rung wird ver­letzt. Des­halb sind Pro­test­no­ten aus die­sen Ban­ken un­an­ge­bracht. Wir wer­den den Frak­tio­nen noch die­se Wo­che Vor­schlä­ge für schär­fe­re Ge­halts­re­geln vor­le­gen. Ent­schei­den wer­den die Frak­tio­nen. Bir­git Mar­schall und Georg Winters führ­ten das Ge­spräch

FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Stef­fen Kam­pe­ter ist seit der Bun­des­tags­wahl im ver­gan­ge­nen Jahr par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär im Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um.

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