Mal­ta – Schei­dungs­ver­bot vor Aus

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft - VON ULLI TÜCK­MAN­TEL

VAL­LET­TA Die Jung­frau Ma­ria er­scheint An­ge­lik Ca­rua­na und sei­nen An­hän­gern seit Jah­ren je­den Mitt­woch in Borg in Na­dur. Zur­zeit treibt sie laut Ca­rua­na vor al­lem ein The­ma um: Die dro­hen­de Ein­füh­rung des Ehe­schei­dungs­rechts auf Mal­ta. Dies sei, so Ca­rua­na, nach Auf­fas­sung der Mut­ter­got­tes „ei­ne Be­trü­ge­rei des Teu­fels“. Ne­ben dem EU-Land Mal­ta gibt es ge­setz­li­che Schei­dungs­ver­bo­te in Eu­ro­pa nur noch in An­dor­ra und im Va­ti­k­an­staat. Im Som­mer sprach sich ei­ne Mehr­heit der Mal­te­ser für die Ein­füh­rung der Schei­dung aus.

An­ge­lik Ca­rua­na ist auf Mal­ta ei­ne Me­di­en-Be­rühmt­heit, seit er ei­ne Ma­ri­en­fi­gur prä­sen­tier­te, die nach sei­nen An­ga­ben bis heu­te blu­ti­ge Trä­nen weint und Öl ab­son­dert. Drei­mal schon will Ca­rua­na die ab­leh­nen­de Mei­nung der Jung­frau Ma­ria zum Schei­dungs­the­ma emp­fan­gen ha­ben. Die mal­te­si­sche Ge­sell­schaft ist in der Schei­dungs­fra­ge ge­spal­ten. Bei ei­nem Be­such im April er­klär­te Papst Be­ne­dikt XVI. vor Ju­gend­li­chen: „Ihr soll­tet stolz dar­auf sein, dass Eu­er Land so­wohl die Un­ge­bo­re­nen schützt wie auch ein sta­bi­les Fa­mi­li­en­le­ben för­dert, in­dem es die Ab­trei­bung und die Ehe­schei­dung ab­lehnt.“

2008 war die Be­völ­ke­rungs­mehr­heit noch auf der Sei­te des Paps­tes, doch die Stim­mung kippt. Der kon­ser­va­ti­ve Mi­nis­ter­prä­si­dent La­wrence Gon­zi er­klär­te in die­ser Wo­che, er wol­le die Mal­te­ser 2011 in ei­nem Re­fe­ren­dum über die Schei­dung ab­stim­men las­sen. 98 Pro­zent der rund 400 000 Mal­te­ser sind ka­tho­lisch, der Ka­tho­li­zis­mus ist als Staats­re­li­gi­on in der Ver­fas­sung fest­ge­schrie­ben. Laut of­fi­zi­el­ler Sta­tis­tik le­ben sie­ben Pro­zent der Ver­hei­ra­te­ten ge­trennt von ih­rem Ehe­part­ner; tat­säch­lich sind es weit mehr. Und et­li­che Paa­re hei­ra­ten erst gar nicht mehr. Zwi­schen 1996 und 2007 stieg der An­teil nicht-ehe­lich ge­bo­re­ner Kin­der von un­ter drei auf rund 25 Pro­zent.

Im Ju­li 2010 sag­ten erst­mals 60 Pro­zent, sie sei­en für ein Schei- dungs­ge­setz – wenn sich Mal­ta da­bei am ka­tho­li­schen Ir­land ori­en­tie­re und Paa­re min­des­tens vier Jah­re ge­trennt leb­ten. Ein mal­te­si­scher An­walt will dem­nächst vor dem eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts-Ge­richts­hof ge­gen das Schei­dungs­ver­bot kla­gen. Sei­ne Man­dan­tin lebt seit 20 Jah­ren mit ei­nem frü­he­ren Mi­nis­ter zu­sam­men, bei­de ha­ben ein ge­mein­sa­mes Kind. Doch als Fa­mi­lie wer­den sie nicht an­er­kannt, da der Mann sich nicht schei­den las­sen darf.

Von der Mög­lich­keit ei­ner staat­li­chen Ehe-An­nul­lie­rung mach­ten seit 2005 nur 700 Paa­re Ge­brauch. Das Ver­fah­ren ist kom­pli­ziert, die Ge­trenn­ten dür­fen nicht wie­der hei­ra­ten. An­de­rer­seits er­kennt Mal­ta Schei­dun­gen sei­ner Staats­bür­ger an, wenn die Tren­nung im Aus­land voll­zo­gen wur­de. 109 Aus­lands­schei­dun­gen gab es in den bei­den letz­ten Jah­ren.

Das nächs­te Kon­flikt­feld ist die künst­li­che Be­f­ruch­tung: Sie soll auf Mal­ta we­der al­len Frau­en zu­gäng­lich ge­macht noch an die Ehe ge­bun­den wer­den. Er­laubt wer­den soll sie Frau­en, die in ei­ner „sta­bi­len Be­zie­hung“ le­ben. Und so ist zu er­war­ten, dass An­ge­lik Ca­rua­na sich auch wei­ter mit Ma­ri­en-Bot­schaf­ten zur mal­te­si­schen In­nen­po­li­tik zu Wort mel­det.

FO­TO: LUPI

An­ge­lik Ca­rua­na glaubt, dass ihm die Got­tes­mut­ter er­scheint.

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