Was den Blut-Test ver­fälscht

Rheinische Post Goch - - Gesundheit -

DÜSSELDORF (zitt/wg) Darm­krebs ist zwar heim­tü­ckisch und ge­fähr­lich, doch die vor­beu­gen­de Ko­lo­sko­pie auf­wän­dig und nicht oh­ne Ri­si­ko. Vie­le Pa­ti­en­ten un­ter­zie­hen sich da­her lie­ber dem so­ge­nann­ten Hä­moc­cult-Test, bei dem sie le­dig­lich ih­ren Kot auf Blut un­ter­su­chen las­sen.

Doch die­sen „Kom­fort“ be­zah­len sie mit ei­ni­gen Un­si­cher­hei­ten. Das Pro­ce­de­re des Hä­moc­cult-Ver­fah­rens: Spe­zi­el­le Fil­ter­pa­pie­re wer­den mit den Pro­ben drei auf­ein­an­der­fol­gen­der Stuhl­gän­ge be­stri­chen und an­schlie­ßend mit Was­ser­stoff­per­oxid be­han­delt. Soll­ten nun Blut­spu­ren im Kot sein, ver­färbt de­ren Hä­mo­glo­bin das Fil­ter­pa­pier blau – und der Pa­ti­ent soll­te sich ei­ner Darm­spie­ge­lung un­ter­zie­hen, denn Stuhl­blut ge­hört zu den ty­pi­schen Darm­krebs­sym­pto­men.

Die Blut­spu­ren kön­nen aber auch an­de­re Ur­sa­chen ha­ben, wie et­wa Hä­mor­rhoi­den oder so­gar Na­sen-und Zahn­fleisch­blu­ten. Der Hä­moc­cult-Test macht hier je­doch kei­nen Un­ter­schied – ge­nau­so wie er auch nicht mensch­li­ches von tie­ri­schem Blut un­ter­schei­den kann.

„Der Ver­zehr gro­ßer Fleisch­men­gen kann da­her zu ei­nem fal­schen Po­si­tiv­be­fund füh­ren“, warnt Ge­rald Kon­rad vom Fa­mi­ly Me­di­cal Cent­re in Win­ni­peg, der kürz­lich ei­ne Stu­die zu den „diä­ti­schen Stör­fak­to­ren“ des Tests ver­öf­fent­licht hat. Un­klar sei je­doch, so der ka­na­di­sche Wis­sen­schaft­ler wei­ter, ab wel­cher Fleisch­men­ge das Er­geb­nis ver­fälscht wird, da ein Groß­teil des tie­ri­schen Blut­farb­stoffs beim Gang durch den Ver­dau­ungs­ap­pa­rat zer­legt wird.

Ein ernst­haf­tes Ri­si­ko be­steht wohl erst bei mehr als 350 Gramm täg­lich, was weit über den üb­li­chen Ver­zehr­men­gen liegt.

Al­ler­dings soll­te man si­cher­heits­hal­ber drei bis fünf Ta­ge vor dem Test kei­ne ex­zes­si­ven Grill­fes­te

Kurz­zei­tig kann es zu ei­ner Rot­fär­bung des Urins kom­men

fei­ern und auch kei­ne Blut­wurst es­sen. Fri­sches Obst und Ge­mü­se, vor al­lem aber Zwie­beln, Rü­ben, Meer­ret­tich und Me­lo­ne gal­ten lan­ge Zeit als Stör­quel­le für den Blut­stuhl­test, weil sie gro­ße Men­gen an Per­oxi­da­sen ent­hal­ten, die den Test­strei­fen ver­fär­ben kön­nen.

Beim Ko­chen wer­den die­se En­zy­me je­doch kom­plett zer­stört, und bei der Roh­kost wer­den sie im Ver­dau­ungs­ap­pa­rat in­ak­ti­viert. Es sei denn, dass man gleich­zei­tig viel trinkt, was ei­ni­ge Per­oxi­da­sen wie­der zum Le­ben er­we­cken könn­te.

Vor dem Hä­moc­cult-Test soll­te man al­so nicht gleich­zei­tig viel trin­ken und Roh­kost es­sen. Rot­wein hin­ge­gen stellt kei­ne Ge­fahr dar. Er sieht zwar aus wie Blut, ent­hält aber nichts, das den Hä­moc­cult-Test ver­fäl­schen könn­te.

Pro­ble­ma­ti­scher ist da Vit­amin C. Denn es kann die Re­ak­tio­nen am Test­strei­fen un­ter­drü­cken und da­durch ei­nen ne­ga­ti­ven Be­fund vor­täu­schen.

Al­ler­dings braucht man da­zu Do­sie­run­gen von über 500 Mil­li­gramm – und die er­zielt man nicht mit Zi­tro­nen oder Obst­saft. Vit­amin-Prä­pa­ra­te soll­te man vor dem Test je­doch un­be­dingt mei­den.

Die Fra­ge, ob Rot­wein ei­nen Test auf Blut im Urin ver­än­dern kann (weil die­ser im Ur­in­stix fälsch­lich ei­ne Mi­kro­hä­ma­tu­rie nach­wei­sen könn­te), ist leicht zu be­ant­wor­ten: Nein, das kann er nicht, auch wenn ge­wis­se In­ter­net­fo­ren das be­haup­ten und man­che Men­schen das glau­ben.

Al­ler­dings kann es, wie sich her­aus­ge­stellt hat, bei man­chen zu ei­ner kurz­zei­ti­gen Rot­fär­bung des Urins kom­men, oh­ne dass Blut durch ei­ne Wun­de oder Ent­zün­dung in den Harn ge­langt, wenn die Per­son näm­lich ver­mehrt Ca­ro­ti­ne oder Be­ta­nin (in Ro­te Be­te) auf­ge­nom­men hat.

FO­TO: KAI FUNCK/DPA

Si­che­rer als das Hä­moc­cult-Ver­fah­ren ist die Ko­lo­sko­pie, ei­ne en­do­sko­pi­sche Un­ter­su­chung mit­tels Vi­deo­schlauch: Darm­spie­ge­lung (En­do­sko­pie über Af­ter und Rek­tum). Das Ver­fah­ren dient zur Ent­de­ckung von Ge­schwü­ren und Krebs.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.