Erz­bi­schof Marx wird Kar­di­nal

Rheinische Post Goch - - Politik - VON REIN­HOLD MICHELS

MÜNCHEN An­fang 2008, als die ka­tho­li­sche Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz in Würzburg ei­nen Nach­fol­ger für ih­ren lang­jäh­ri­gen Vor­sit­zen­den, Kar­di­nal Karl Leh­mann, such­te, rich­te­ten sich vie­le Bli­cke er­war­tungs­froh auf Rein­hard Marx. Der da­ma­li­ge Mitt­fünf­zi­ger, bers­tend vor Vi­ta­li­tät, war so­eben von Papst Be­ne­dikt XVI. zum Erz­bi­schof von München und Frei­sing er­nannt wor­den. Lag es da nicht na­he, dem neu­en Me­tro­po­li­ten der ne­ben Köln be­deu­tends­ten deut­schen Diö­ze­se ei­ne zu­sätz­li­che Füh­rungs­auf­ga­be zu ge­ben?

Marx, ein nicht nur geist­li­ches, son­dern auch kör­per­li­ches Schwer­ge­wicht aus dem west­fä­li­schen Ge­se­ke, hät­te in Würzburg nicht Nein ge­sagt. Der Wil­le zum „Ge­stal­ten“, wie Po­li­ti­ker das ger­ne nen­nen, quillt dem Pro­fes­sor für christ­li­che Ge­sell­schafts­leh­re aus al­len Po­ren. Marx wur­de aber nicht ge­wählt, son­dern der da­mals 69 Jah­re al­te Ro­bert Zol­litsch, Erz­bi­schof von Frei­burg. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand raun­ten die Zol­litsch-Freun­de, Marx sol­le und kön­ne war­ten, er müs­se nicht so­fort al­les ha­ben: Erz­bi­schofs-Wür­de, Bi­schofs­kon­fe­renz-Vor­sitz und bald doch ge­wiss auch den Kar­di­nal­spur­pur.

Es dau­er­te nur gut zwei Jah­re, bis Marx von Be­ne­dikt XVI. in das nach dem Papst höchs­te Eh­ren­amt der rö­mi­schen Welt­kir­che be­ru­fen wur­de. Seit Be­ginn des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts wer­den Erz­bi­schö­fe von München und Frei­sing (das Bis­tum geht auf den Hei­li­gen Kor­bi­ni­an im 8. Jahr­hun­dert zu­rück) tra­di­tio­nell auch Kar­di­nä­le, oder sa­lopp: „Kron­prin­zen“ der „Sanc­tae Ro­ma­nae Eccle­siae“, weil nur sie im Kon­kla­ve das ak­ti­ve (bis zum 80. Le­bens­jahr) und pas­si­ve Papst-Wahl­recht ha­ben, al­so nur den be­rühm­ten Herz­schlag vom Stuhl Pe­tri ent­fernt sind. Als Be­ne­dikt XVI. noch Jo­seph Ratz­in­ger hieß und 1977 in München Erz­bi­schof wur­de, dau­er­te es nicht ein­mal ei­nen Mo­nat, bis Jo­han­nes Paul II. ihn zum Kar­di­nal „kre­ierte“, wie es va­ti­ka­nisch kor­rekt heißt.

Marx er­hält beim au­ßer­or­dent­li­chen Kon­sis­to­ri­um am 20. No­vem­ber das ro­te Bi­rett, den Ring, die Ur­kun­de so­wie ei­ne rö­mi­sche Ti­tel­kir­che, die Kar­di­nal Marx auch zu ei­nem rö­mi­schen Pfar­rer macht. Aus der Ex­zel­lenz wird ei­ne Emi­nenz, die zu­min­dest in Rom noch üb­li­che An­re­de „Emi­nen­za“ wird auch ei­nem nüch­ter­nen, zur Selbst­iro­nie fä­hi­gen Kar­di­nal Marx ins­ge­heim ge­fal­len.

Sei­ne Chan­cen, 2014 Zol­litsch im Vor­sitz der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz zu fol­gen, sind ge­stie­gen.

FO­TO: DAPD

Rein­hard Marx ges­tern vor sei­ner Re­si­denz in München.

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