Plei­te-Vor­sor­ge für Groß­ban­ken

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON AN­JA INGENRIETH

BRÜSSEL Die füh­ren­den Ban­ken Eu­ro­pas sol­len bei ei­ner Plei­te künf­tig oh­ne Mil­li­ar­den­be­las­tun­gen für die Steu­er­zah­ler ab­ge­wi­ckelt wer­den kön­nen. Da­für sol­len sie ent­spre­chend vor­sor­gen. Ent­spre­chen­de Plä­ne hat EU-Kom­mis­sar Mi­chel Bar­nier ges­tern vor­ge­stellt. „Kei­ne Bank soll­te für ei­ne In­sol­venz zu groß oder zu stark ver­floch­ten sein“, er­klär­te der Fran­zo­se in Brüssel. Bis­her ge­be es für ei­ne ge­ord­ne­te Plei­te kei­ne Re­geln, ob­wohl er sich gro­ße Sor­gen um ei­ne neue Ban­ken­kri­se ma­che. Die Staa­ten sei­en ak­tu­ell ge­zwun­gen, Kri­sen­ban­ken mit mil­li­ar­den­schwe­ren Pa­ke­ten zu ret­ten, soll­te de­ren Bank­rott das Fi­nanz­sys­tem ei­nes Lan­des be­dro­hen. Da­mit soll Schluss sein. „Ban­ken dür­fen sich nicht mehr dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass sie au­to­ma­tisch ge­ret­tet wer­den“, so Bar­nier.

Die De­tails ei­ner In­sol­venz­ord­nung sol­len bis 2012 ste­hen. Die Ban­ken müs­sen Ab­wick­lungs­plä­ne aus­ar­bei­ten für den Fall ei­ner fi­nan­zi­el­len Schief­la­ge.

Zu­dem sol­len die Geld­in­sti­tu­te über ei­ne Ab­ga­be an den Kos­ten künf­ti­ger Kri­sen be­tei­ligt wer­den. Bar­nier nann­te Deutsch­land als Vor­bild. Die Bran­che soll hier­zu­lan­de jähr­lich rund ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro in ei­nen Re­struk­tu­rie­rungs­fonds ein­zah­len– je nach Grö­ße und Ri­si­ko des Ge­schäf­tes. Kri­ti­ker fürch­ten je­doch, die Ban­ken könn­ten ih­re Kos­ten über hö­he­re Ge­büh­ren auf die Ver­brau­cher ab­wäl­zen und die Ab­ga­be von der Steu­er ab­set­zen.

Um den Plei­te­fall zu ver­mei­den, sol­len die na­tio­na­len Ban­ken-Auf­se­her künf­tig di­rekt in die Ge­schäf­te ei­ner ma­ro­den Bank ein­grei­fen dür­fen. Nach den Brüs­se­ler Plä­nen kön­nen sie ei­nem In­sti­tut vor­schrei­ben, ei­nen Sa­nie­rungs­plan um­zu­set­zen oder sich von ri­si­ko­rei­chen Ge­schäf­ten zu tren­nen. Auch die Aus­zah­lung von Di­vi­den­den dür­fen sie stop­pen so­wie die Ab­lö­sung des Vor­stan­des ver­lan­gen.

Sie kön­nen fer­ner die Über­nah­me ei­ner zah­lungs­un­fä­hi­gen Bank durch ein so­li­des In­sti­tut in die We­ge lei­ten und hät­ten das Recht, de­ren Ge­schäf­te auf ei­ne „Brü­cken­bank“ zu über­tra­gen, da­mit die Bank ih­re Di­enst­leis­tun­gen si­chern oder ge­ord­net ab­ge­wi­ckelt wer­den kann. Weil Groß­ban­ken über na­tio­na­le Gren­zen hin­weg ver­tre­ten sind, for­dert die Kom­mis­si­on dar­über hin­aus ei­ne eu­ro­päi­sche Ko­or­di­nie­rung, um die­se not­falls ab­zu­wi­ckeln, al­so zu schlie­ßen.

FO­TO: AFP

Mi­chel Bar­nier ist Bin­nen­markt-Kom­mis­sar der EU.

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