In­ter­net-Por­tal soll Le­bens­mit­tel-Schwin­del auf­de­cken

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON CHRISTIN NÜNEMANN

BERLIN Bun­des­er­näh­rungs­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner (CSU) will Ver­brau­cher bes­ser vor Le­bens­mit­telSchwin­del schüt­zen. Im kom­men­den Früh­jahr soll ei­ne In­ter­net­sei­te star­ten, auf der Kon­su­men­ten ih­re Be­den­ken zu na­ment­lich ge­nann­ten Pro­duk­ten schil­dern und mit Her­stel­lern und Ex­per­ten dis­ku­tie­ren kön­nen. Mo­de­riert wer­den soll die Platt­form von den Ver­brau­cher­zen­tra­len.

„Die In­ter­net­sei­te soll dem Dia­log zwi­schen Ver­brau­chern und Wirt­schaft die­nen“, sag­te Ai­g­ner bei der Vor­stel­lung des Kon­zepts. Da­bei sol­le es zum ei­nen dar­um ge­hen, Ver­brau­cher über be­stimm­te Le­bens­mit­tel zu in­for­mie­ren. Bei­spiel: Kalbs­le­ber­wurst muss trotz ih­res Na­mens nicht un­be­dingt Kalb­fleisch ent­hal­ten. Zum an­de­ren sol­le be­rech­tig­te Kri­tik der Ver­brau­cher zu­sam­men mit ei­ner Stel­lung­nah­me des Her­stel­lers ver­öf­fent­licht wer­den. So et­wa, wenn für ein ver­meint­lich ge­sun­des Le­bens­mit­tel ge­wor­ben wird, das tat­säch­lich aber sehr viel Zu­cker ent­hält. Auf die­ser Grund­la­ge kön­ne sich ei­ne Dis­kus­si­on mit an­de­ren Ver­brau­chern ent­wi­ckeln.

Ai­g­ner will mit dem Por­tal auch mehr über die Er­war­tun­gen der Ver­brau­cher er­fah­ren. „Der Dia­log wird zei­gen, wor­über wir mit der EU-Le­bens­mit­tel­kom­mis­si­on dis­ku­tie­ren“, sag­te Ai­g­ner. Die Mi­nis­te­rin for­der­te au­ßer­dem die Lan­des­be­hör­den für Le­bens­mit­tel- über­wa­chung auf, bei Ver­stö­ßen kon­se­quen­ter und ent­schlos­se­ner ein­zu­schrei­ten. „Ein Rechts­sys­tem ist schließ­lich im­mer nur so gut wie sei­ne Kon­trol­le“, sag­te Ai­g­ner.

Die Grü­nen be­grü­ßen grund­sätz­lich den Vor­stoß der Mi­nis­te­rin, al­ler­dings reicht er ih­nen nicht weit ge­nug. „Das In­ter­net-Por­tal ist ein ers­ter Schritt. Bes­ser wä­re es aber, di­rekt per Ver­ord­nung zu re­geln, was auf den Ver­pa­ckun­gen ste­hen darf“, sag­te die ver­brau­cher­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-Bun- des­tags­frak­ti­on, Nicole Maisch, un­se­rer Zei­tung. Ai­g­ner scheue den di­rek­ten Kon­flikt mit der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie.

Auch die SPD for­dert mehr po­li­ti­sches En­ga­ge­ment. „Ge­gen Män­gel soll­te ge­setz­ge­be­risch vor­ge­gan­gen wer­den“, for­dert El­vi­ra Do­brins­kiWeiß, ver­brau­cher­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD. Au­ßer­dem sei es pro­ble­ma­tisch, dass nur Ver­brau­cher mit Zu­gang zum In­ter­net von der Dis­kus­si­on und den In­for­ma­tio­nen pro­fi­tie­ren könn­ten.

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