NRW will Hoch­tief hel­fen

Die Lan­des­re­gie­rung hat sich ent­schie­den: Über ei­ne Initia­ti­ve im Bun­des­rat sol­len feind­li­che Über­nah­men er­schwert wer­den. NRW hat ein Schnell­ver­fah­ren aus­ge­tüf­telt, da­mit der ACS-An­griff noch ab­ge­wehrt wer­den kann.

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON THO­MAS REISENER

ES­SEN Zwei gu­te Nach­rich­ten für Hoch­tief. Ers­tens: NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) meint es gut mit dem Es­se­ner Bau­kon­zern. Sie sei zwar „ge­gen Pro­tek­tio­nis­mus“, sag­te sie ges­tern im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung. Aber wie fast al­le Ex­per­ten kommt auch die Lan­des­re­gie­rung an­läss­lich der Über­nah­me­schlacht um Hoch­tief zu dem Er­geb­nis, dass der Schutz von Un­ter­neh­men und Klein­ak­tio­nä­ren vor feind­li­chen Über­nah­men in Deutsch­land im Ver­gleich zu an­de­ren EU-Län­dern sehr schwach ist. Des­halb will NRW in der kom­men­den Wo­che bei der nächs­ten Sit­zung des Bun­des­ra­tes auf ei­ne Ver­schär­fung des recht­li­chen Rah­mens für feind­li­che Über­nah­men ein­wir­ken, wie Kraft ges­tern an­kün­dig­te. Nach­dem Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) dem Es­se­ner Bau­kon­zern in die­ser Wo­che die kal­te Schul­ter ge­zeigt hat­te, wird Hoch­tief-Chef Her­bert Lüt­ke­strat­köt­ter die neue Nach­richt aus Düsseldorf ger­ne hö­ren.

Zwei­tens: Die Lan­des­re­gie­rung hat so­gar ei­nen Weg ge­fun­den, das Pro­jekt ra­sant zu be­schleu­ni­gen. Und zwar so ent­schei­dend zu be­schleu­ni­gen, dass ne­ben künf­tig be­trof­fe­nen Kon­zer­nen auch Hoch­tief selbst noch da­von pro­fi­tie­ren könn­te. Denn den Es­se­nern läuft die Zeit da­von. Zwar ist die spa­ni­sche ACS bei ih­rem Über­nah­me­ver­such, wie be­rich­tet, auf Schwie­rig­kei­ten ge­sto­ßen, wes­halb sich das An­ge­bot an die Hoch­tie­fAk­tio­nä­re um Wo­chen ver­zö­gert. Aber bis zur Rechts­kraft ei­nes neu­en Über­nah­me-Ge­set­zes wür­de trotz­dem noch we­sent­lich mehr Zeit ver­ge­hen.

Des­halb will die NRW-Re­gie­rung über den Bun­des­rat auch kein neu­es Ge­setz ein­brin­gen, son­dern statt­des­sen ein im Bun­des­rat zu­fäl- lig oh­ne­hin zur Be­ra­tung an­ste­hen­des Ge­setz so ver­än­dern, dass es den­sel­ben Zweck er­füllt. Näm­lich den Re­gie­rungs­ent­wurf zur Stär­kung des An­le­ger­schut­zes und zur Ver­bes­se­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Ka­pi­tal­mark­tes, der am 5. No­vem­ber zur Be­ra­tung im ers­ten Durch­gang an­steht. „Die­ser Ent­wurf sieht in sei­nem Ar­ti­kel 2 oh­ne­hin be­reits ei­ne Än­de­rung des Wert­pa­pie­rer­werbs-und Über­nah­me­ge­set­zes vor, die der Ver­bes­se­rung der Trans­pa­renz im Rah­men von Über­nah­me­ver­fah­ren die­nen soll“, heißt es da­zu in ei­nem in­ter­nen Pa­pier der Düs­sel­dor­fer Staats­kanz­lei, das un­se­rer Zei­tung vor­liegt.

Un­ter­des­sen be­kommt Hoch­tief im Ab­wehr­kampf ge­gen den spa­ni­schen Bau­rie­sen ACS nicht die er- hoff­te Schüt­zen­hil­fe von der aus­tra­li­schen Bör­sen­auf­sicht. Mit­hil­fe der Be­hör­de woll­te Hoch­tief er­rei­chen, dass ACS für die aus­tra­li­sche Toch­ter Leigh­ton ein ge­son­der­tes An­ge­bot ab­ge­ben muss – was die Über­nah­me er­heb­lich ver­teu­ert hät­te. Hoch­tief kün­dig­te ges­tern an, sich nun an die nächs­te In­stanz in Aus­tra­li­en zu wen­den – das „Take­overs Pa­nel“. Laut Hoch­tief fällt die­ses Gre­mi­um sei­ne Ent­schei­dun­gen in der Re­gel in­ner­halb von zwei bis drei Wo­chen. Die In­stanz be­steht aus über 50 ne­ben­be­ruf­li­chen Mit­glie­dern, un­ter an­de­rem An­wäl­te und In­vest­ment­ban­ker.

ACS teil­te ges­tern mit, dass die An­nah­me­frist für das An­ge­bot an die Hoch­tief-Ak­tio­nä­re vor­aus­sicht­lich En­de No­vem­ber be­gin­ne. Die Spa­nier wol­len sich vor der Ab­ga­be ih­res Über­nah­me­an­ge­bo­tes bei der deut­schen Bör­sen­auf­sicht von ih­ren Ak­tio­nä­ren noch ei­ne mil­li­ar­den­schwe­re Ka­pi­tal­er­hö­hung ge­neh­mi­gen las­sen, um auf ein even­tu­el­les Pflicht­an­ge­bot für Leigh­ton vor­be­rei­tet zu sein.

FO­TO: AFP

Die Mit­ar­bei­ter von Hoch­tief leh­nen die Über­nah­me des Kon­zerns durch die spa­ni­sche ACS ab.

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