Ge­richt: „Schwarz­sur­fen“ ist kei­ne Straf­tat

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft -

WUP­PER­TAL/DÜSSELDORF (de­li) Wer in un­ver­schlüs­sel­ten frem­den WLANNet­zen „schwarz­surft“, macht sich nicht straf­bar. Das hat das Land­ge­richt Wup­per­tal ges­tern ent­schie­den und da­mit die Be­schwer­de der Staats­an­walt­schaft ge­gen ei­ne frü­he­re Ent­schei­dung zu­rück­ge­wie­sen. Wer sich in ein un­ge­schütz­tes Netz ein­wählt, ver­stößt da­mit we­der ge­gen Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­o­der Da­ten­schutz­vor­schrif­ten noch ge­gen das Straf­ge­setz­buch.

WLAN steht für Wi­re­less Lo­cal Area Net­work (draht­lo­ses lokales Netz­werk). Da­mit kön­nen sich In­ter­net­be­nut­zer oh­ne Ka­bel ins In­ter­net ein­wäh­len. Die Si­gna­le wer­den per Funk über­tra­gen. Die­se ma­chen nicht an der ei­ge­nen Woh­nungs­tür halt, auch an­de­re kön­nen sich dar­über oh­ne zu be­zah­len ins Netz ein­wäh­len – wenn der Zu­gang nicht per Pass­wort ge­schützt ist.

Der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walt Pe­ter Kaumanns, Ex­per­te für In­for- ma­ti­ons­recht, sieht von der Ent­schei­dung des Land­ge­richts ei­ne Si­gnal­wir­kung aus­ge­hen. „Jetzt kön­nen sich an­de­re Ge­rich­te nicht mehr dar­auf be­ru­fen, was das Amts­ge­richt am 3. April 2007 ent­schie­den hat“, sagt Kaumanns. Mit die­sem ers­ten von nun drei Ur­tei­len zum The­ma hat­te das Wup­per­ta­ler Ge­richt noch ent­schie­den, dass es straf­bar sei, sich in frem­de WLAN-Net­ze ein­zu­wäh­len. Spä­ter re­vi­dier­te das Amts­ge­richt sei­ne Mei­nung und wur­de dar­in nun vom Land­ge­richt be­stä­tigt. „Vie­le Ju­ris­ten fan­den 2007, dass das Ge­richt die Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons-und Da­ten­schutz­vor­schrif­ten sehr weit aus­ge­legt hat“, sagt Kaumanns. Denn wer sich in ein frem­des Netz ein­wählt, kön­ne we­der auf per­sön­li­che Da­ten zu­grei­fen (Da­ten­schutz­ge­setz), noch Nach­rich­ten ab­hö­ren (Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz). Er nutzt le­dig­lich den Zu­gang an­de­rer, oh­ne zu zah­len. Nut­zer von draht­lo­sem In­ter­net soll­ten ih­ren Zu­gang laut dem Bun­des­ver­band In­for­ma­ti­ons­wirt­schaft, Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on und neue Me­di­en den­noch per Pass­wort schüt­zen. Bei den meis­ten Rou­tern (Netz­werk­ge­rä­ten) sei die Ver­schlüs­se­lung di­rekt mög­lich, an­sons­ten hel­fe ein Blick ins Hand­buch. Der Ver­band schätzt, dass sich bun­des­weit 13 Mil­lio­nen In­ter­net­nut­zer draht­los ein­wäh­len, ein Teil da­von un­ver­schlüs­selt.

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