Kur­ze Ge­schich­te des Trak­tors auf Ukrai­nisch

Rheinische Post Goch - - Sport / Roman -

du, ist sie weg­ge­rannt, als ich vor­schlug, ei­nen Va­ter­schafts­test ma­chen zu las­sen?”

„Ach, Ve­ra”, sagt Va­ter, „du bist schon im­mer ei­ne Au­to­kra­tin ge­we­sen, die in al­les ih­re Na­se ste­cken muss.” Er gießt Milch über sei­ne Shred­ded-Wheat-Flakes und häuft ei­nen Berg Zu­cker dar­auf. „Lass mich in Ru­he. Fahr zu­rück nach London, bit­te.”

Sei­ne Hän­de zit­tern. Trotz­dem ver­sucht er sich den Mund voll­zu­stop­fen, bis er hus­ten muss und Ge­trei­de­flo­cken wie klei­ne Ge­schos­se über den gan­zen Tisch spuckt.

„Ver­such bit­te, dich ein­mal in dei­nem Le­ben wie ein er­wach­se­ner Mann zu ver­hal­ten. Was ist denn mit dei­nem Ver­stand pas­siert? Du bist nicht der Kinds­va­ter, du bist sel­ber ein Kind. So wie du dich be­nimmst – du bist völ­lig in­fan­til ge­wor­den!”

„In­fan­ti­le Stö­rung – ha­ha.” Er wirft sei­nen Löf­fel auf den Tisch. „Du wirst von Tag zu Tag mehr wie Le­nin.”

„Ein Va­ter­schafts­test ist wirk­lich kei­ne schlech­te Idee”, sa­ge ich. „Weil du dann nicht nur weißt, ob du tat­säch­lich der Va­ter bist oder nicht, son­dern auch, ob es ein Jun­ge wird oder ein Mäd­chen.”

„Ah.” Er hört ab­rupt auf zu hus­ten. „Gu­te Idee. Jun­ge oder Mäd­chen. Gu­te Idee.”

Ve­ra wirft mir ei­nen an­er­ken­nen­den Blick zu.

Sta­nis­lav und Du­bov sind drau­ßen im Vor­gar­ten da­mit be­schäf­tigt, sich un­ter der ge­öff­ne­ten Mo­tor­hau­be kum­pel­haft über das In­nen­le­ben des Rolls-Roy­ce aus­zu­tau­schen. Mi­ke schläft noch im­mer im vor­de­ren Zim­mer, ist al­ler­dings vom So­fa auf den Bo­den ge­fal­len. Ve­ra, Va­ter und ich sit­zen im hin­te­ren Zim­mer, das jetzt als Ess­zim­mer und als Va­ters Schlaf­zim­mer dient, beim Früh­stück. Durch die schmut­zi­gen Fens­ter fal­len schrä­ge Son­nen­strah­len. Va­ter trägt noch sein Nacht­hemd, ein selt­sa­mes, selbst zu­sam­men­ge­schnei­der­tes Stück, be­ste­hend aus ei­nem al­ten ka­rier­ten Holz­fäl­ler­hemd, an das er un­ten zur Ver­län­ge­rung mit schwar­zem Zwirn in gro­ßen Sti­chen ei­nen brei­ten Stoff­strei­fen mit Pais­ley­mus­ter an­ge­näht hat, der vorn mit brau­nen Schuh­bän­dern zu­sam­men­ge­hal­ten wird. Die Knöp­fe am Hals ste­hen of­fen, so dass wir, wenn er spricht, sei­ne al­te Nar­be un­ter den silb­ri­gen Brust­haa­ren auf und ab hüp­fen se­hen.

„Aber . . .” Arg­wöh­nisch wan­dert sein Blick zwi­schen Ve­ra und mir hin und her. „Ein Va­ter­schafts­test kann erst nach der Ge­burt des Kin­des ge­macht wer­den. Und dann weiß man doch schon, ob es ein Jun­ge oder ein Mäd­chen ist.”

„Nein, nein, man kann auch schon vor der Ge­burt ei­nen Va­ter­schafts­test ma­chen las­sen”, be­ru­higt Ve­ra ihn. „In ute­ro.” Sie fängt mei­nen Blick auf. „Na­dia und ich be­zah­len das.”

„Hmm.” Er sieht im­mer noch miss­trau­isch aus, als über­le­ge er, ob wir vi­el­leicht ver­su­chen, ihn her­ein­zu­le­gen. (Als wenn wir das je tun wür­den!)

(Fort­set­zung folgt) © 2006 dtv München; aus dem Eng­li­schen von El­fi Har­ten­stein

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