Sor­ge um Eu­ro – Wes­ter­wel­le greift Mer­kel an

In der Ko­ali­ti­on ist ein hef­ti­ger Streit um die Re­form des EU-Sta­bi­li­täts­pakts ent­brannt. FDP-Chef Gui­do Wes­ter­wel­le fühlt sich von der Kanz­le­rin über­gan­gen.

Rheinische Post Goch - - Vorderseite - VON MICHAEL BRÖCKER

BERLIN Die Li­be­ra­len sind ver­är­gert über den Al­lein­gang von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) bei der Re­form des Eu­ro-Sta­bi­li­täts­pakts. In un­ge­wöhn­li­cher Schär­fe griff Vi­ze­kanz­ler Gui­do Wes­ter­wel­le (FDP) ges­tern die Ei­ni­gung der Re­gie­rungs­che­fin mit dem fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Nicolas Sar­ko­zy an. Bei­de hat­ten sich am Mon­tag im fran­zö­si­schen De­au­vil­le dar­auf ge­ei­nigt, dass Län­der, die ge­gen den EU-Pakt ver­sto­ßen, ei­ne sechs­mo­na­ti­ge Gna­den­frist zur Kor­rek­tur ih­res Bud­get­de­fi­zits er­hal­ten, be­vor „au­to­ma­ti­sche“ Sank­tio­nen grei­fen. Über den Vor­stoß der Re­gie­rungs­che­fin war Wes­ter­wel­le nicht in­for­miert wor­den.

Der Vi­ze­kanz­ler sag­te, dass Sank­tio­nen ge­gen EU-Staa­ten, die sich nicht an die Schul­den­gren­zen hal­ten, nicht der „po­li­ti­schen Op­por­tu­ni­tät“ un­ter­wor­fen wer­den dürf­ten. „Wer sich dau­er­haft au­ßer­halb sei­ner Ver­ant­wor­tung stellt, muss wis­sen, dass das ge­wis­se Kon­se­quen­zen durch Sank­tio­nen hat; des­we­gen soll­ten die­se Sank­tio­nen ein­deu­tig sein“, sag­te Wes­ter­wel­le. Zu­dem warn­te der FDP-Chef vor ei­ner „Zer­reiß­pro­be“ in der EU, soll­te die Ge­mein­schaft nicht strik­te Sank­ti­ons­me­cha­nis­men be­schlie­ßen. In der Fi­nanz­kri­se der Eu­ro-Zo­ne im Früh­jahr konn­te Grie­chen­land nur mit ei­nem mil­li­ar­den­schwe­ren Ret­tungs­pa­ket vor dem Staats­bank­rott be­wahrt wer­den. Da­mals hat­ten sich Uni­on und FDP auf ra­di­ka­le Än­de­run­gen beim Sta­bi­li­täts­pakt ge­ei­nigt, dar­un­ter au­to­ma­ti­sche Sank­tio­nen ge­gen De­fi­zit­staa­ten.

Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung aus Re­gie­rungs­krei­sen hat sich Wes­ter­wel­le auch persönlich bei der Kanz­le­rin über den Kurs­wech­sel be­schwert. FDP-Ge­ne­ral­se­kre­tär Chris­ti­an Lind­ner er­klär­te, dass sei­ne Par­tei den Kom­pro­miss „mit Er­stau­nen“ zur Kennt­nis neh­me. Die FDP wer­de der EU-Re­form nur zu­stim­men, wenn es här­te­re Sank­tio­nen für De­fi­zit­sün­der ge­be, hieß es ges­tern.

Ei­nen Ko­ali­ti­ons­streit sieht Mer­kel den­noch nicht. Es ge­be ei­ne „ge­mein­sa­me deut­sche Re­gie­rungs­po­si­ti­on“, sag­te sie ges­tern. Die Vor­schlä­ge Frank­reichs und Deutsch­lands, die nun auch von den Eu­ro-Fi­nanz­mi­nis­tern be­schlos­sen wor­den sind, wür­den zü­gig um­ge­setzt. Nächs­te Wo­che soll der Gip­fel in Brüssel den Fahr­plan be­schlie­ßen.

Auch in der CDU herrscht Un­mut. „Ich hät­te au­to­ma­ti­sche Sank­tio­nen gut ge­fun­den“, sag­te Uni­ons-Frak­ti­ons­vi­ze Michael Meis­ter. Nun müs­se die Ko­ali­ti­on we­nigs­tens dar­auf drän­gen, dass bei Re­gel­ver­stö­ßen den EU-Staa­ten das Stimm­recht ent­zo­gen wer­den kann. Die EU-Kom­mis­si­on und die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank äu­ßer­ten eben­falls Kri­tik.

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