Die Köl­ner Mu­se­ums­in­sel

Nach 15 Jah­ren Pla­nung und fünf Jah­ren Bau­zeit wird heu­te Abend das Köl­ner Kul­tur­quar­tier er­öff­net. Der fast 20 000 Qua­drat­me­ter gro­ße Bau be­her­bergt das Rau­ten­strauch-Joest-Mu­se­um und das Sch­nüt­gen-Mu­se­um. In Köln schwärmt man be­reits von ei­ner Mu­se­umsin

Rheinische Post Goch - - Land & Leute - VON MO­NI­KA SALCHERT

KÖLN In Berlin ist sie längst ei­ne In­sti­tu­ti­on – nun soll die „Mu­se­ums­in­sel“ auch die Kunst-und Kul­tur­sze­ne in Köln be­le­ben. Vor der Ein­wei­hung des Kul­tur­quar­tiers mit Rau­ten­strauch-Joest-Mu­se­um und Sch­nüt­gen-Mu­se­um, die heu­te Abend mit ei­nem Fest­akt be­gan­gen wird, sprach man­cher Köl­ner schon stolz von ei­ner „Mu­se­ums­in­sel“, „ei­ner In­sel zwi­schen Schnell­stra­ßen, U-Bahn-Bau­stel­len und Bü­ro­häu­sern“ zwar – aber, im­mer­hin, ei­ner In­sel.

Fest steht: Mit dem neu­en Kul­tur­quar­tier hat die Stadt die Schmach des „Köl­ner Lochs“ aus­ge­löscht. Die­ses Schmäh­wort hall­te einst durch die Re­pu­blik, nach­dem die al­te Kunst­hal­le ab­ge­ris­sen wor­den war, aber zwei Jah­re lang nicht ge­baut wer­den konn­te, weil kein Geld da war. Die Bau-und Pla­nungs­kos­ten für das von dem Ar­chi­tek­tur­bü­ro Schnei­der und Sen­del­bach er­rich­te­te Haus be­lie­fen sich auf 66,7 Mil­lio­nen Eu­ro. Da­von ka­men 24 Mil­lio­nen Eu­ro als Zu­schuss vom Land NRW. 13,7 Mil­lio­nen Eu­ro zahl­te die Stadt für die Ein­rich­tung des Kom­ple­xes – der nun, nicht nur durch sei­nen Ver­gleich mit der haupt­städ­ti­schen Mu­se­ums­in­sel – für jun­ge, welt­of­fe­ne Kul­tur in Köln ste­hen soll.

So hat sich das Rau­ten­strauchJoest-Mu­se­um mit dem Um­zug ins Kul­tur­quar­tier von der al­ten Be­zeich­nung „Völ­ker­kun­de­mu­se­um“ ver­ab­schie­det. Künf­tig trägt es den Zu­satz „Kul­tu­ren der Welt“. Statt der üb­li­chen Ein­tei­lung in geo­gra­fi­sche Groß­räu­me wer­den The­men auf­ge­grif­fen, die Men­schen über­all auf der Welt be­we­gen. Die Pro­jekt­lei­te­rin und stell­ver­tre­ten­de Mu­se­ums­lei­te­rin Jutta En­gel­hard hat die 3600 Qua­drat­me­ter gro­ße Aus­stel­lungs­flä­che in The­men­par­cours ein­ge­teilt. So geht es bei­spiels­wei­se, ein­ge­rahmt von ei­nem opu­lent in­sze­nier­ten Ga­me­lan-Mu­sik­in­stru­men­ten-En­sem­ble von der In­sel Ja­va in In­do­ne­si­en, um den Kom­plex „Die Welt er­fas­sen.“ Ein an­de­rer Be­reich wid­met sich dem The­ma „Die Welt ge­stal­ten“ mit Un­ter­grup­pen wie „Der in­sze­nier­te Ab­schied: Tod und Jen­seits“, „Der Kör­per als Büh­ne: Klei­dung & Schmuck“ oder „Viel­falt des Glau­bens: Re­li­gio­nen“. Ziel ist es, die Be­su­cher für das Be­son­de­re an­de­rer Kul­tu­ren zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Ein­ge­stimmt wer­den die Gäs­te be­reits im Foy­er. In dem groß­zü­gi­gen Licht­hof er­hebt sich ein his­to­ri­scher Reis­spei­cher von der In­sel Su­la­we­si in In­do­ne­si­en. Der 7,50 Me­ter ho­he Spei­cher ist das größ­te Ex­po­nat des Rau­ten­strauch-Joe­s­tMu­se­ums und gilt be­reits als Wahr­zei­chen des Kul­tur­quar­tiers.

Zum neu­en Aus­stel­lungs­kon­zept ge­hört ein in­ter­ak­tiv aus­ge­rich­te­tes „Ju­niormu­se­um“, das sich in ers­ter Li­nie an Kin­der und Ju­gend­li­che wen­det. Es be­han­delt das The­ma „So­zia­li­sa­ti­on und In­itia­ti­on“. Da­zu wird der All­tag von fünf jun­gen Men­schen in ih­ren je­wei­li­gen Hei­mat­län­dern dar­ge­stellt und ver­gli­chen.

Als ge­lun­ge­nes ar­chi­tek­to­ni­sches Bau­kas­ten­sys­tem prä­sen­tiert sich das neue Mu­se­um Sch­nüt­gen, das in we­ni­gen Ta­gen sein 100-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­ert. Ne­ben dem Herz­stück, der Ba­si­li­ka der ro­ma­ni­schen Kir­che St. Cäci­li­en, ste­hen der ge­ne­ral­sa­nier­te An­bau aus dem Jahr 1956 und zwei Aus­stel­lungs­sä­le im Neu­bau zur Ver­fü­gung. Zum En­sem­ble ge­hört fer­ner der neu an­ge­leg­te Cäci­li­en­gar­ten. Auf 1900 Qua­drat­me­tern wird die mit Kost­bar­kei­ten reich ge­spick­te Mit­tel­al­ter­samm­lung ge­zeigt. Her­aus­ra­gend sind die St­ein­skulp­tu­ren und Glas­ma­le­rei­en, eben­so die Tex­til­kunst und wert­vol­len Hand­schrif­ten. Ei­ni­ge Schät­ze aus dem Fun­dus kön­nen nun erst­mals aus­ge­stellt wer­den. Da­zu zäh­len das Kreu­zi­gungs­fens­ter aus der ehe­ma­li­gen Rats­ka­pel­le Köln, das gro­ße St­ein­re­lief mit der Au­fer­ste­hung des La­za­rus und der ge­sam­te Al­ten­ber­ger Or­nat.

FO­TO: BRU­NO

Im Foy­er er­hebt sich ein his­to­ri­scher Reis­spei­cher von der In­sel Su­la­we­si in In­do­ne­si­en. Das größ­te Ex­po­nat des Rau­ten­strauch-Joest-Mu­se­ums gilt be­reits als Wahr­zei­chen des Kul­tur­quar­tiers.

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