Schmut­zi­ger Kon­gress-Wahl­kampf in den USA

Rheinische Post Goch - - Politik - VON FRANK HERR­MANN

WASHINGTON Noch nie sind ame­ri­ka­ni­sche Po­li­ti­ker so bru­tal mit­ein­an­der um­ge­sprun­gen wie vor die­sen Kon­gress­wah­len. Es geht am 2. No­vem­ber dar­um, die Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Par­la­ment um­zu­keh­ren. Da scheint je­des Mit­tel recht. Seit das Obers­te Ge­richt die Re­geln lo­cker­te, ha­ben Un­ter­neh­men freie Hand, um In­ter­es­sen­grup­pen – die sich oft nur für ein be­stimm­tes The­ma ein­set­zen – Geld zu spen­den. Und zwar an­onym. Rund drei Mil­li­ar­den Dol­lar wer­den für Wahl­wer­bung aus­ge­ge­ben. Auch des­halb wird die Schlamm­schlacht er­bit­ter- ter ge­führt. Am häu­figs­ten schla­gen die Re­pu­bli­ka­ner un­ter die Gür­tel­li­nie.

John Den­nis hat kaum Chan­cen, der de­mo­kra­ti­schen Mehr­heits­füh­re­rin Nan­cy Pe­lo­si ih­ren Par­la­ments­sitz in San Fran­cis­co strei­tig zu ma­chen – da­zu ist die Stadt am Pa­zi­fik zu ein­deu­tig ei­ne Hoch­burg der Links­li­be­ra­len. Des­halb ver­sucht es der Au­ßen­sei­ter mit ei­nem Fern­seh­spot, der sämt­li­che Re­geln des An­stands ver­letzt. Ein klei­nes Mäd­chen fürch­tet sich vor der Wirt­schafts­kri­se. Ei­ne He­xe – Nan­cy Pe­lo­si – schwebt her­bei und macht al­les noch schlim­mer. Zum Glück ist ein tap­fe­rer Rit­ter zur Stel­le, der das He­xen­weib mit ei­nem kräf­ti­gen Schwall Was­ser zum Schwei­gen bringt: John Den­nis, der Rä­cher der Ent­rech­te­ten.

In Co­lo­ra­do, wo nicht nur über Kan­di­da­ten ent­schie­den wird, son­dern auch über den Vor­schlag, selbst ver­ge­wal­tig­ten Frau­en die Ab­trei­bung zu un­ter­sa­gen, geht es ge­gen Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma. Un­ter­malt von düs­te­rer Mu­sik wer­den all die „Bö­se­wich­ter“ ein­ge­blen­det, die das Ab­trei­ben im Lau­fe von 40 Jah­ren er­mög­licht ha­ben. Zum Schluss tritt ein Sen­sen­mann auf – der Prä­si­dent. „Und mit ihm folgt die Höl­le“, steht un­ter dem To­des­en­gel.

Aber auch die De­mo­kra­ten sind nicht ge­ra­de zim­per­lich, wenn es dar­um geht, den Ri­va­len ma­dig zu ma­chen. Da ist Pat Quinn, der Gou­ver­neur des Bun­des­staats Il­li­nois. Er un­ter­stellt sei­nem kon­ser­va­ti­ven Her­aus­for­de­rer Bill Bra­dy, dass er Hun­de und Kat­zen in Gas­kam­mern zu schi­cken ge­denkt. War­um? Bra­dy hat­te ein Ge­setz be­für­wor­tet, das Tier­hei­men mehr Spiel­raum beim Ein­schlä­fern chro­nisch ag­gres­si­ver Vier­bei­ner gibt.

In Ken­tu­cky führ­te die Ne­ga­tiv­schlacht neu­lich zu ei­nem auf­se­hen­er­re­gen­den Eklat. Dort war der De­mo­krat Jack Con­way dem Re­pu­bli­ka­ner Rand Paul beim Se­nats- du­ell über­aus an­griffs­lus­tig in die Pa­ra­de ge­fah­ren. Wie­so, woll­te er in ei­nem düs­te­ren Film­chen wis­sen, war Paul Mit­glied ei­nes Ge­heim­bunds, der die hei­li­ge Bi­bel als Schwin­del be­zeich­ne­te? „War­um hat Rand Paul ei­ne Frau ge­fes­selt, ihr be­foh­len nie­der­zu­kni­en, und dann ge­sagt, dass sein Gott Aqua Bud­dha ist?“ Die bi­zar­re Epi­so­de liegt 27 Jah­re zu­rück, wahr­schein­lich ir­gend­ein Stu­den­ten­streich, je­den­falls be­teu­ert das die an­geb­lich ge­fes­sel­te Frau. „Gos­sen­po­li­tik vom Al­ler­schlimms­ten“, kon­tert Paul, ein Au­gen­arzt, der Wert auf sein Image als from­mer Chris­ten­mensch legt.

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