Die Agen­tin, die zu viel zeig­te

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft -

MOS­KAU (hei) Als Agen­tin war sie ein ziem­li­cher Rein­fall. Als Mo­del macht sie jetzt Kar­rie­re. An­na Ch­ap­man (28), we­gen ih­rer Ma­ße auch „Agen­tin 90-60-90“ ge­nannt, po­siert leicht be­klei­det für die neus­te Aus­ga­be des rus­si­schen Män­ner­ma­ga­zins „Ma­xim“. Die rot­haa­ri­ge Rus­sin war im Som­mer zu­sam­men mit neun an­de­ren Un­der­co­ver-Agen­ten in den USA ent­tarnt und spä­ter aus­ge­tauscht wor­den. Sie ar­bei­te­te für den rus­si­schen Aus­lands­ge­heim­dienst SWR.

Als Co­ver-Girl von „Ma­xim“ macht die at­trak­ti­ve An­na kei­nen Hehl dar­aus, was sie au­ßer ei­nem In­tel­li­genz­quo­ti­en­ten von 162 noch zu bie­ten hat. Per­fek­te Kur­ven, lan­ge Bei­ne, ver­füh­re­ri­sches Lä­cheln. Der schwar­ze Agen­ten-Trench­coat ver­hüllt we­nig, die Fin­ger mit den rot la­ckier­ten Nä­geln um­klam­mern das küh­le Me­tall ei­ner Pis­to­le. Ein an­de­res Bild zeigt die mo­der­ne „Ma­ta Ha­ri“ in hoch­ha­cki­gen Pumps. „Nein, Du träumst nicht und Dein Blick täuscht Dich nicht“, wirbt das Ma­ga­zin für Ch­ap­man und kürt die Ex-Agen­tin gleich zu ei­ner der 100 se­xies­ten Frau­en Russ­lands. Da­zu heißt es: „Sie hat für un­se­ren Na­tio­nal­stolz mehr ge­tan als die rus­si­sche Fuß­ball­mann­schaft und die Atom­ra­ke­te Bu­la­wa.“

Im Innenteil plau­dert die Toch­ter ei­nes KGB-Ge­ne­rals über ih­re An­sich­ten zu Ge­fühls­the­men. Ver­füh­rung, Freund­schaft und Lie­be sei­en über­all gleich – ob nun in Russ­land, Groß­bri­tan­ni­en oder Ame­ri­ka. Der Mann, der ihr Herz er­obern will, muss al­les bes­ser kön­nen als sie. Das kommt dann doch recht alt­ba­cken-rus­sisch da­her.

Über ih­re Agen­ten­tä­tig­keit in den USA frei­lich schweigt Ch­ap­man sich aus. Vi­el­leicht ist das auch bes­ser so. Die Ent­tar­nung Ch­ap­mans und der an­de­ren Spio­ne durch die Ame­ri­ka­ner war ei­ne schwe­re Schlap­pe für den rus­si­schen Ge­heim­dienst SWR. Nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Schlapp­hü­te jetzt bei dem Me­di­en-Hy­pe um die schö­ne An­na kräf­tig nach­hel­fen, um von ih­rer Bla­ma­ge ab­zu­len­ken.

An­na Ch­ap­man hat in Russ­land ge­ra­de­zu Kult-Sta­tus. Für In­ter­views nimmt sie 25 000 Dol­lar, in den Me­di­en ist von ei­ner ei­ge­nen Talk­show die Re­de und von ei­ner mög­li­chen Kar­rie­re in der Po­li­tik. Ihr Auf­tritt als Co­ver-Girl für „Ma­xim“ war nicht der ers­te die­ser Art: Be­reits im Sep­tem­ber zeig­te sie sich in hei­ßen Po­sen für das rus­si­sche Män­ner­ma­ga­zin „Scha­ra“ (Hit­ze).

Ei­nen Tag vor Er­schei­nen des „Ma­xim“-Hef­tes ver­lieh Kreml­chef Dmi­tri Med­we­dew den ent­tarn­ten Spio­nen ei­nen Or­den. Auch Ch­ap­man war da­bei.

FO­TO: APN

Ex-Spio­nin An­na Ch­ap­man gilt in Russ­land als Hel­din.

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