Ver­letz­tes Wild nicht an­fas­sen

Ge­ra­de in der Däm­me­rung und in der Nacht be­steht die Ge­fahr, dass Wild­tie­re die Fahr­bahn kreu­zen. Au­to­fah­rer soll­ten nicht aus­wei­chen, son­dern hu­pen und brem­sen. Bei ei­nem Un­fall ist die Po­li­zei zu ver­stän­di­gen.

Rheinische Post Goch - - Kreis Kleve – Regional - VON CHRIS­TI­AN BREU­ER

KREIS KLE­VE Der auf­ge­wühl­te Grün­strei­fen am Rand vie­ler Stra­ßen zeigt: Hier sind Wild­schwei­ne ak­tiv, die auf der Su­che nach Ei­cheln die Gras­nar­be auf­bre­chen. Au­to­fah­rer müs­sen da­mit rech­nen, dass ins­be­son­de­re in der Däm­me­rung und nachts Tie­re un­mit­tel­bar vor ei­nem Au­to die Stra­ße kreu­zen.

Und es sind nicht nur Wild­schwei­ne, die im Licht­ke­gel der Schein­wer­fer auf­tau­chen kön­nen. 542 Wild­un­fäl­le wur­den der Po­li­zei im ver­gan­ge­nen Jahr im Kreis Kle­ve ge­mel­det. In die­sem Jahr muss­ten die Be­am­ten bis­her 392 mal aus­rü­cken (Stand: Au­gust).

Steht ein Tier auf der Stra­ße, kommt es auf die rich­ti­ge Re­ak­ti­on des Au­to­fah­rers an: „Fern­licht aus­schal­ten, brem­sen und hu­pen“, er­klärt Po­li­zei­pres­se­spre­cher Heinz van Baal. Kei­nes­falls sol­le man ver­su­chen, dem Tier mit hek­ti­schen Lenk­be­we­gun­gen aus­zu­wei­chen. „Da­bei kann man in den Ge­gen­ver­kehr ge­ra­ten oder ge­gen ei­nen Baum fah­ren“, er­klärt der Po­li­zist. Die Fol­gen sei­en meist schlim­mer als ein mehr oder we­ni­ger kon­trol­lier­ter Zu­sam­men­stoß mit dem Tier, das auf der Fahr­bahn steht.

Deut­lich lang­sa­mer fah­ren

Van Baal ap­pel­liert an die Au­to­fah­rer, deut­lich lang­sa­mer zu fah­ren, wenn Warn­schil­der auf die Ge­fahr von Wild­wech­sel hin­wei­sen. „Das Wich­tigs­te ist, die Ge­schwin­dig­keit an­zu­pas­sen, auf­merk­sam und vor­sich­tig zu fah­ren“, be­tont van Baal. Glei­ches gel­te für den Si­cher­heits­ab­stand zu vor­aus­fah­ren­den Au­tos. „Man muss im­mer da­mit rech­nen, dass der an­de­re Au­to­fah­rer plötz­lich stark bremst!“

Kommt es trotz al­ler Vor­sicht zum Zu­sam­men­stoß, steht die Ei­gen­si­che­rung, wie bei je­dem Un­fall, an ers­ter Stel­le. Da­zu ge­hört, die Warn­blink­an­la­ge ein­zu­schal­ten und das Warn­drei­eck auf­zu­stel­len. Au­ßer­dem muss die Po­li­zei an­ge­ru­fen wer­den, die den zu­stän­di­gen Jagd­päch­ter in­for­miert.

Ist das Tier ver­letzt, soll­te man Ab­stand hal­ten. „Ver­su­chen Sie nicht, das Tier an­zu­fas­sen, es zu ber­gen oder, wenn es in den Wald läuft, es zu ver­fol­gen“, sagt Gerd Tho­mas, Vor­sit­zen­der der Kreis­jä­ger­schaft: „In sol­chen Si­tua­tio­nen re­agie­ren die Tie­re un­be­re­chen­bar!“

Denn das Wild­tier darf nicht ein­fach mit­ge­nom­men wer­den. „Wenn man ein Tier über­fährt und es ein­fach mit­nimmt, dann ist das Jagd­wil­de­rei“, er­klärt Gerd Tho­mas. „Au­ßer­dem bleibt von ei­nem Reh nicht viel über“, so der Fach­man, „un­ter dem Fell bil­den sich zahl­rei­che Blut­er­güs­se und das Fleisch ist prak­tisch nicht ver­wert­bar.“

Die Be­am­ten be­schei­ni­gen dem Au­to­fah­rer zu­dem, dass es ei­nen Wild­un­fall gab. Die­se Be­schei­ni­gung kann der Au­to­fah­rer dann sei­ner Ver­si­che­rung vor­le­gen. „Un­fäl­le mit Haar­wild zahlt die Teil­kas­ko, bei Fe­der­wild braucht man ei­ne Voll­kas­ko-Ver­si­che­rung“, er­klärt Tho­mas.

FO­TO: PRI­VAT

Ein Reh, das vom Fern­licht ei­nes Au­tos er­fasst wird, kann vor Schreck auf der Stra­ße ste­hen blei­ben. Da­her soll­ten Au­to­fah­rer bei Wild­wech­sel nicht nur brem­sen und hu­pen, son­dern auch ab­blen­den.

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