Kur­ze Ge­schich­te des Trak­tors auf Ukrai­nisch

Rheinische Post Goch - - Sport / Roman -

gen Ab­fin­dungs­zah­lung von zwan­zig­tau­send Pfund, schreibt er, sei sei­ne Kli­en­tin be­reit, in die Schei­dung ein­zu­wil­li­gen und auf sämt­li­che wei­te­ren An­sprü­che auf Va­ters Ver­mö­gen zu ver­zich­ten.

„Zwan­zig­tau­send Pfund!”, japst Ve­ra. „Das ist un­ge­heu­er­lich!”

„Du hast so­wie­so kei­ne zwan­zig­tau­send Pfund, Pa­pa”, sa­ge ich.

„Hmm”, macht Pa­pa. „Vi­el­leicht, wenn ich das Haus ver­kau­fe und in ein Al­ten­heim ge­he . . .?”

„Kommt nicht in Fra­ge!”, sa­gen Ve­ra und ich wie aus ei­nem Mund.

„Oder vi­el­leicht könn­tet ja ihr zwei, Na­dia, Ve­ra, ei­nem dum­men al­ten Mann aus der Pat­sche hel­fen.”

„Nein! Nein!”

Die For­de­rung scheint ihn ernst­haft zu be­un­ru­hi­gen.

„Ge­setzt den Fall, die Sa­che geht vor Ge­richt”, über­le­ge ich laut, „wie sä­he die Ent­schei­dung dann wohl aus?”

„Na ja, die Rich­ter könn­ten ihr fünf­zig Pro­zent sei­nes Ei­gen­tums zu­er­ken­nen”, er­klärt Ve­ra, die Schei­dungs­ex­per­tin. „Falls er der Va­ter des Kin­des wä­re. Wenn er das nicht ist, den­ke ich, hat sie nur sehr ge­rin­ge oder gar kei­ne An­sprü­che.”

„Ver­stehst du nicht, Pa­pa? Sie will jetzt ei­ne Ab­fin­dung, weil sie ge­nau weiß, dass es nicht dein Kind ist und das Ge­richt ihr nichts zu­spre­chen wür­de.”

„Hmm.”

„Das ist ein üb­ler Trick und sonst nichts”, sagt Ve­ra. „Hmm.” „Ich ha­be ei­ne Idee, Pa­pa.” Ich gie­ße ihm Tee nach. „Wir ru­fen Lau­ra Car­ter an und sa­gen ihr, dass du be­reit bist, die Sa­che mit ei­ner Zah­lung von zwan­zig­tau­send Pfund bei­zu­le­gen, vor­aus­ge­setzt, Va­len­ti­na un­ter­zieht sich ei­nem Va­ter­schafts­test – selbst­ver­ständ­lich auf un­se­re Kos­ten – und die­ser er­gibt, dass du der Va­ter des Kin­des bist.”

„Ein ab­so­lut fai­res An­ge­bot”, be­fin­det die Schei­dungs­ex­per­tin.

„Wirk­lich ab­so­lut fair, Ni­ko­lai”, sagt Mi­ke, der auf­ge­wacht ist und jetzt in der Tür steht und mit bei­den Hän­den sei­ne Schlä­fen mas­siert. „Habt ihr ei­nen Tee für mich? Ich bin noch nicht ganz da.”

Va­ter schaut Mi­ke an, der ihm auf­mun­ternd zu­blin­zelt.

„Hmm. Na gut”, sagt er und zuckt er­ge­ben die Schul­tern.

„Ein ab­so­lut fai­res An­ge­bot”, sagt auch Ms. Car­ter am Te­le­fon. „Aber . . . sind Sie auch wirk­lich si­cher . . .?”

Ich schaue Va­ter an, wie er da­sitzt und sich mit ge­run­zel­ter Stirn auf sei­ne Tee­tas­se kon­zen­triert, se­he un­ter dem an­ge­näh­ten Stoff­strei­fen an sei­nem Nacht­hemd sei­ne ar­thri­tisch ge­schwol­le­nen Knie her­aus­schau­en, sei­ne ma­ge­ren Schen­kel und dar­über – ich den­ke lie­ber nicht wei­ter. „Ja”, sa­ge ich, „ganz si­cher.” Sta­nis­lav hat Du­bov zu Va­len­ti­na ge­bracht. Je­den­falls sind sie ir­gend­wann im Lau­fe des Vor­mit­tags mit dem Rolls-Roy­ce weg­ge­fah­ren.

Es ist schon Mit­tag vor­bei, als Du­bov al­lein zu­rück­kommt. Er wirkt et­was me­lan­cho­lisch.

„Kön­nen Sie uns jetzt sa­gen, wo sie wohnt?”, fra­ge ich ihn auf Ukrai­nisch.

Er hält die Hän­de hoch, Hand­flä­chen nach au­ßen. „Tut mir leid, ich darf nicht. Ich hab’s ver­spro­chen.”

(Fort­set­zung folgt) © 2006 dtv München; aus dem Eng­li­schen von El­fi Har­ten­stein

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