Brü­der­le er­war­tet größ­tes Lohn­plus seit 18 Jah­ren

Die Wirt­schaft boomt. Da­von sol­len die Ar­beit­neh­mer et­was ha­ben, ver­langt die Bun­des­re­gie­rung. Ex­per­ten hal­ten nur 2,7 Pro­zent Lohn­stei­ge­rung für ver­tret­bar.

Rheinische Post Goch - - Vorderseite -

BERLIN (anh/brö/ma­xi) Der Chef der Bun­des­tags-Uni­ons­frak­ti­on, Vol­ker Kau­der, for­dert, dass die Ar­beit­neh­mer für den Auf­schwung mit ei­nem „or­dent­li­chen Lohn­plus ho­no­riert wer­den“. Vie­le Ar­beit­neh­mer hät­ten ih­re Un­ter­neh­men in der Kri­se sta­bi­li­siert, in­dem sie Lohn­zu­rück­hal­tung ge­übt hät­ten. Ähn­lich äu­ßer­te sich Wirt­schafts­mi­nis­ter Rai­ner Brü­der­le (FDP): „Den flei­ßi­gen Men­schen in un­se­rem Land ge­hört der Boom. Er soll­te nicht an ih­nen vor­bei­ge­hen.“ Ent­spre­chend op­ti­mis­ti­sche Vor­her­sa­gen hat Brü­der­le auch in die Herbst­pro­gno­se der Bun­des­re­gie­rung schrei­ben las­sen: Da­nach wer­den die rea­len Net­to-Ein­kom­men der Ar­beit­neh­mer auf­grund der gu­ten wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung und der zu Jah­res­be­ginn um­ge­setz­ten Steu­er­sen­kun­gen die­ses Jahr im Schnitt um 2,7 Pro­zent zu­neh­men. Ei­nen sol­chen An­stieg gab es zu­letzt vor 18 Jah­ren.

Die IG Me­tall be­grüß­te den Vor­stoß. „Wenn die Re­gie­rung end­lich die Be­deu­tung hö­he­rer Löh­ne für den Auf­schwung er­kennt, freut uns das na­tür­lich“, sag­te IG-Me­tal­lChef Berthold Hu­ber un­se­rer Zei­tung. Das ei­gent­li­che Pro­blem sei­en aber nicht die ta­rif­lich re­gu­lier­ten Be­rei­che, son­dern der Nied­rig­lohn­sek­tor mit sie­ben Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten.

Die Wirt­schaft ist ent­setzt. Der In­dus­trie-und Han­dels­kam­mer­tag mahn­te, erst müss­ten In­ves­ti­tio­nen nach­ge­holt wer­den, die die Fir­men in der Kri­se zu­rück­ge­stellt hät­ten. Auch For­scher se­hen nur we­nig Spiel­raum. „Die No­mi­nal­löh­ne dür­fen im Schnitt nur um 2,5 bis 2,75 Pro­zent wach­sen“, sagt Ro­land Döhrn, Kon­junk­tur­ex­per­te des Rhei­nisch-West­fä­li­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung. Denn die Pro­duk­ti­vi­tät wächst um 1,5 Pro­zent, das Preis­ni­veau um gut ein Pro­zent. Stei­gen die Löh­ne stär­ker, wer­den re­gu­lä­re Stel­len ab­ge­baut oder wan­dern in die Schat­ten­wirt­schaft ab.

Ähn­lich sieht es das In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW): „Für die Me­tall-und Elek­tro­bran­che sind 2,7 Pro­zent Lohn­zu­wachs ver­ein­bart. Da bleibt kei­nes­wegs Luft für mehr“, sag­te IW-Chef Michael Hüt­her un­se­rer Zei­tung. Es gä­be auch gar kei­nen Grund für ei­nen Nach­schlag: Schließ­lich sei­en im Kri­sen­jahr 2009 die Löh­ne trotz des Pro­duk­ti­ons­ein­bruchs nicht ge­kürzt wor­den, so Hüt­her. Das ha­be in der In­dus­trie zu ei­nem An­stieg der Lohn­stück­kos­ten um 15,6 Pro­zent ge­führt.

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