Grü­nen-Frak­ti­on braucht neue Füh­rung

Rheinische Post Goch - - Politik - VON MICHAEL BRÖCKER

BERLIN Die Bun­des­tags­frak­ti­on der Grü­nen steht vor ei­nem Um­bau ih­rer Füh­rungs­spit­ze. Nach ei­nem Schwä­che­an­fall hat­te Frak­ti­ons­chef Jür­gen Trit­tin am Don­ners­tag­nach­mit­tag ei­ne Ver­an­stal­tung in Nie­der­sach­sen ab­ge­bro­chen und war in ei­ne Göt­tin­ger Kli­nik ge­bracht wor­den, wo der 56-Jäh­ri­ge auch die Nacht ver­brach­te. Die Teil­nah­me an ei­ner Na­to-Kon­fe­renz in Berlin muss­te Trit­tin ab­sa­gen.

In­zwi­schen ist der Grü­nen-Po­li­ti­ker aus dem Kran­ken­haus ent­las­sen wor­den. „Au­ßer An­zei­chen ei­nes grip­pa­len In­fek­tes wur­de nichts fest­ge­stellt“, teil­te die Frak­ti­on mit. Nächs­te Wo­che will Trit­tin die Ar­beit wie­der auf­neh­men. Doch Frak­ti­ons­mit­glie­der sind in Sor­ge um ih­ren Vor­sit­zen­den. An­fang des Jah­res hat­te der frü­he­re Bun­des­um­welt­mi­nis­ter ei­nen Herz­in­farkt er­lit­ten und sich dar­auf­hin für zwei Mo­na­te aus der Po­li­tik zu­rück­ge­zo­gen. Nun ist die Be­fürch­tung groß, dass die Ar­beits­be­las­tung des an der Par­tei­ba­sis und in den Me­di­en ge­frag­ten Po­li­ti­kers dau­er­haft zu groß wird. Der ver­sier­te Red­ner, der im Fall ei­ner grü­nen Re­gie­rungs­be­tei­li­gung 2013 für das Amt des Au­ßen­mi­nis­ters ge­han­delt wird, gilt als heim­li­cher Vor­sit­zen­der und Chef-Stra­te­ge der Grü­nen.

Die Er­kran­kung kommt aus­ge­rech­net zu ei­ner Zeit, in der sich Trit­tins Ko-Vor­sit­zen­de im Bun­des­tag, Re­na­te Kü­n­ast, auf ei­ne neue Her­aus­for­de­rung au­ßer­halb der Frak­ti­on vor­be­rei­tet. Die frü­he­re Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin will Ber­lins Re­gie­ren­den Bür­ger­meis­ter Klaus Wo­wer­eit (SPD) bei der Ab­ge­ord­ne­ten­haus­wahl im Herbst 2011 her­aus­for­dern und sich An­fang No­vem­ber von der Ber­li­ner Ba­sis zur Spit­zen­kan­di­da­tin wäh­len las­sen. Es gilt als si­cher, dass die be­lieb­te Po­li­ti­ke­rin ge­wählt wird. Da sich Kü­n­ast dann ver­stärkt um Ber­li­ner Lokal-The­men küm­mern und in der Stadt prä­sent sein muss, soll ei­ne an­de­re Frau (es gilt die Quo­ten­re­ge­lung) bis zur Ber­li­ner Wahl an die Spit­ze der Frak­ti­on rü­cken.

Im Ge­spräch ist Kers­tin Andrea, wirt­schafts­po­li­ti­sche Spre­che­rin und wie Kü­n­ast Ver­tre­te­rin des Rea­lo-Flü­gels der Par­tei. Ei­ne No­mi­nie­rung der 42-jäh­ri­gen Volks­wir­tin aus dem Schwarz­wald im Vor­feld der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Land­tags­wahl wä­re ein ge­schick­ter Schach­zug, um die Süd­west-Grü­nen zu stär­ken.

Bun­des­weit er­rei­chen die Um­fra­ge­wer­te der Grü­nen im­mer neue Re­kord­wer­te. Wenn am nächs­ten Sonn­tag Bun­des­tags­wahl wä­re, kä­me die Par­tei laut „ZDF-Po­lit­ba­ro­me­ter“ auf 20 Pro­zent (plus ein Pro­zent­punkt). Mit den 29 Pro­zent der SPD (mi­nus eins) wä­re wei­ter­hin ei­ne knap­pe par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit von Rot-Grün mög­lich. Die Uni­on klet­ter­te um ei­nen Punkt auf 32 Pro­zent, die FDP ver­harr­te bei le­dig­lich fünf Pro­zent, die Lin­ke er­hiel­te un­ver­än­dert neun Pro­zent. 22 Pro­zent hal­ten die Uni­on, eben­so vie­le die Grü­nen für die glaub­wür­digs­te Par­tei.

FO­TO: DAPD

Die Grü­nen-Frak­ti­ons­chefs Re­na­te Kü­n­ast und Jür­gen Trit­tin.

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