Roh­stof­fe für PC und Han­dy knapp

Weil Chi­na den Ex­port so­ge­nann­ter Sel­te­nen Er­den ge­dros­selt hat, dro­hen Pro­du­zen­ten von Han­dys und Com­pu­tern in Eu­ro­pa, Ja­pan und den USA die wich­ti­gen Me­tal­le aus­zu­ge­hen. Leid­tra­gen­de dürf­ten auch Au­to­zu­lie­fe­rer und Her­stel­ler von Off­s­hore-Wind­an­la­gen se

Rheinische Post Goch - - Wissen - VON JÖRG ZITTLAU

DÜSSELDORF Vom DVD-Spie­ler über Han­dy und Com­pu­ter bis zur Ker­nund Wind­kraft­an­la­ge – die meis­ten tech­ni­schen Ge­rä­te kön­nen nur mit be­stimm­ten Tech­no­lo­gie­me­tal­len funk­tio­nie­ren, den so­ge­nann­ten „Sel­te­nen Er­den“. Ei­gent­lich sind sie gar nicht so sel­ten – doch weil Chi­na, ihr Haupt­lie­fe­rant, mas­siv den Ex­port ge­dros­selt hat, dro­hen nun Ja­pan, Eu­ro­pa und den USA tat­säch­lich die Hig­htech-Me­tal­le aus­zu­ge­hen.

Un­ter dem Po­lar-Eis

gibt es wei­te­re gro­ße Vor­kom­men

Die Hoch­tech­no­lo­gie boomt, bei­na­he wö­chent­lich kom­men neue Han­dy-und DVD-Mo­del­le her­aus, und das klas­si­sche Au­to wird all­mäh­lich durch das Hy­brid-Kfz ab­ge­löst. Doch all das kann nur mit Hil­fe be­son­de­rer Roh­stof­fe funk­tio­nie­ren: den Sel­te­nen Er­den. Ei­gent­lich ein miss­ver­ständ­li­cher Be­griff, weil sie teil­wei­se so­gar häu­fi­ger in der Erd­krus­te vor­kom­men als et­wa Blei, Jod oder Ar­sen. Doch man ent­deck­te sie En­de des 18. Jahr­hun­derts in sel­te­nen Mi­ne­ra­l­er­zen, und so ist ih­nen der Na­me bis heu­te ge­blie­ben.

Zu den Me­tal­len der Sel­te­nen Er­den ge­hö­ren 17 Ele­men­te, zum Teil mit exo­ti­schen Na­men wie Pra­seo­dym, Eu­ro­pi­um, Dy­s­pro­si­um und Yt­ter­bi­um, die nicht un­be­dingt im Schul­un­ter­richt durch­ge­nom­men wer­den. Aber da­für spie­len sie ei­ne um­so grö­ße­re Rol­le in der mo­der­nen In­dus­trie. Denn zu ih­ren be­son­de­ren Ei­gen­schaf­ten ge­hört ih­re Re­ak­ti­ons­freu­dig­keit mit Sau­er­stoff, Was­ser­stoff, Stick­stoff und Schwe­fel in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner aus­ge­spro­chen ge­rin­gen elek­tri­schen Leit­fä­hig­keit. Da­durch wer­den sie zu ei­nem ge­ra­de­zu idea­len Part­ner der Hoch­tech­no­lo­gie. „Ein Vier­tel von ih­nen fin­det als Ka­ta­ly­sa­to­ren für che­mi­sche Re­ak­tio­nen und die Be­ar­bei­tung von nicht­ros­ten­den Stäh­len ih­ren Ein­satz“, er­klärt Renard Bernd, der an der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät München zu den Sel­te­nen Er­den pro­mo­viert hat.

Zu­dem sta­bi­li­sie­ren sie die Ma­gne­ti­sie­rung von Ei­sen, ge­ben Röh­ren­bild­schir­men ih­re ro­te Far­be und Atom­re­ak­to­ren ein Me­di­um zur Steue­rung der Kern­re­ak­ti­on. Und trotz ih­res Ein­sat­zes in der Hoch­tech­no­lo­gie wer­den sie so­gar in der Schwei­ne­mast und Fisch­zucht ein­ge­setzt. Der Grund: Sie wir­ken ähn­lich wie das be­kann­te Kno­chen­mi­ne­ral Cal­ci­um.

Die größ­ten Re­ser­ven für Sel­te­ne Er­den be­fin­den sich in Chi­na, wo 97 Pro­zent der welt­wei­ten Men­ge pro­du­ziert wer­den. In Grön­land gibt es zwar ähn­lich gro­ße Vor­kom­men, doch die kann man noch nicht nut­zen. Die Sel­te­nen Er­den un­ter dem Po­lar-Eis sind ein Haupt­grund da­für, dass nicht we­ni­ge In­dus­trie­staa­ten dem Kli­ma­wan­del auch et­was Po­si­ti­ves ab­ge­win­nen kön­nen. Doch bis auf wei­te­res liegt das Mo­no­pol erst ein­mal bei Chi­na. Und dort hat man jetzt bei der Aus­fuhr der Me­tal­le en­er­gisch auf die Brem­se ge­drückt, um den Ei­gen­be­darf zu si­chern. Im Ju­ni wur­de ei­ne Sen­kung der Ex­port­quo­te für 2010 um 40 Pro­zent ver­fügt, mit der Fol­ge, dass die Prei­se be­reits um das Vier­fa­che ge­stie­gen sind – und En­de des Jah­res wohl schon das Sie­ben­fa­che er­reicht ha­ben wer­den.

„In man­chen Fir­men gibt es be­reits ech­te Pro­blem mit der Ver­füg­bar­keit“, klagt Werner Schnap­p­auf vom Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie (BDI). Und Pe­ter Buch­holz von der Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaf­ten und Roh­stof­fe (BGR) warnt: „Es dro­hen bri­san­te Eng­päs­se.“ Haupt­leid­tra­gen­de dürf­ten vor al­lem die Au­to­zu­lie­fe­rer und Her­stel­ler von Off­s­horeWind­kraft-An­la­gen sein. Ja­pan, das auf­grund po­li­ti­scher Span­nun­gen fast kei­ne Sel­te­nen Er­den mehr aus Chi­na be­kommt, so­wie die USA und die EU pla­nen we­gen der Re­strik­tio­nen ei­ne Kla­ge bei der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on, denn laut de­ren Re­geln sind Ex­port­quo­ten ver­bo­ten.

Die Bun­des­re­gie­rung bil­lig­te jetzt die vom Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um aus­ge­ge­be­ne Roh­stoff­stra­te­gie, die Un­ter­neh­men beim Auf­trei­ben Sel­te­ner Er­de zu un­ter­stüt­zen. Et­wa durch das Knüp­fen von Kon­tak­ten nach Russ­land, wo noch Re­ser­ven im La­ger schlum­mern sol­len. Au­ßer­dem ist ge­plant, die Hoch­tech­no­lo­gie-Me­tal­le künf­tig häu­fi­ger zu re­cy­celn als bis­her. Doch kurz­fris­tig wird der Man­gel an Sel­te­nen Er­den hier­zu­lan­de an­dau­ern. Der Kon­su­ment muss in den nächs­ten Wo­chen mit ei­nem spür­ba­ren Preis­an­stieg bei Han­dys und an­de­ren Elek­tro­wa­ren rech­nen.

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