Zwan­zi­gers gro­ßer Sieg

Der 65 Jah­re al­te Ju­rist wur­de oh­ne Ge­gen­stim­me als Prä­si­dent des DFB be­stä­tigt. Sein Amt be­zeich­net er als ei­nes der wich­tigs­ten in Deutsch­land. In­te­gra­ti­on ist für ihn ei­ne zen­tra­le Her­aus­for­de­rung für den Fuß­ball, „aber sie ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße“.

Rheinische Post Goch - - Sport - VON RO­BERT PETERS

ES­SEN Am En­de ha­ben die tap­fe­ren 255 De­le­gier­ten un­ge­fähr 40 Mal ihr Stimm­kärt­chen in die Hö­he ge­reckt. Und es sind in al­ler Re­gel die, auf de­nen dick und grün das Wort „Ja“ auf­ge­druckt ist. Der Deut­sche Fuß­ball-Bund (DFB) de­mons­triert Ein­heit auf sei­nem 40. Bun­des­tag ges­tern in Es­sen. Ganz nach dem Ge­schmack von Prä­si­dent Theo Zwan­zi­ger (65), der für wei­te­re drei Jah­re im Amt be­stä­tigt wird – na­tür­lich eben­falls oh­ne Ge­gen­stim­me.

Das Er­geb­nis der Wahl ist eben­so we­nig über­ra­schend wie die er­neu­te Kan­di­da­tur Zwan­zi­gers, ob­wohl er ver­si­chert: „Ich hab mir das nicht leicht ge­macht, nicht weil ich mit dem Amt ko­ket­tie­ren will, son­dern weil ich gro­ßen Re­spekt da­vor ha­be. Es ist ei­nes der wich­tigs­ten Äm­ter in Deutsch­land.“ Ei­ne der­ar­ti­ge Wert­schät­zung der ei­ge­nen Po­si­ti­on er­klärt, war­um sich der DFB-Prä­si­dent Zwan­zi­ger ähn­lich wie FifaChef Sepp Blat­ter mit den po­li­ti­schen Grö­ßen der Zeit auf Au­gen­hö­he glaubt.

Der Ju­rist aus Al­ten­diez ist eben auch ein Po­li­ti­ker. „Die ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Kom­po­nen­te“, sagt sein Vor­gän­ger Gerhard May­erVor­fel­der, „ist das Mar­ken­zei­chen un­se­res Prä­si­den­ten.“ Tat­säch­lich be­müht sich Theo Zwan­zi­ger im Amt nach Kräf­ten um In­te­gra­ti­on und sieht für den „Fuß­ball die Auf­ga­be, so­zi­al und ge­sell­schaft­lich ver­ant­wort­lich zu han­deln“.

Sei­ne rund 40-mi­nü­ti­ge, wie üb­lich frei ge­hal­te­ne Grund­satz­re­de, mit der er den Kon­gress in der Phil­har­mo­nie er­öff­net, bün­delt sein Pro­gramm. Er be­müht sein liebs­tes Wort vom „wert­ori­en­tier­ten Fuß­ball, der der Wür­de des Men­schen ei­ne zen­tra­le Rol­le“ zu­weist. Dis­kri­mi­nie­rung ha­be da kei­nen Platz, „Fuß­ball grenzt ein, nicht aus“.

Zwan­zi­ger er­kennt die Chan­ce, die der or­ga­ni­sier­te Sport der Ge­sell­schaft gibt. „Wenn es uns ge­lingt, jun­ge Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund in un­se­ren Sport zu in­te­grie­ren, dann ist das ein gro­ßer Bei­trag für un­ser Land“, sagt er, „wir müs­sen vor al­lem die Mäd­chen da ab­ho­len, wo Fuß­ball we­gen des Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grunds nicht so ge­wünscht ist.“

In­te­gra­ti­on, auch die­sen Hin­weis ver­gisst der DFB-Boss nicht, sei kei­ne Ein­bahn­stra­ße. „Der Fuß­ball bie­tet de­nen Chan­cen­gleich­heit, die et­was leis­ten, die Re­spekt vor den Re­geln ha­ben und die Spra­che spre­chen wol­len“, er­klärt Zwan­zi­ger. Und weil er weiß, dass je­ne, die ihn im Amt be­stä­ti­gen, ge­strei­chelt wer­den müs­sen, be­tont er: „So ein Buch hät­te je­der Übungs­lei­ter schrei­ben kön­nen.“ Er meint das Buch von Sar­ra­zin, und er for­dert: „Wir müs­sen un­se­re Wer­te an der Ba­sis ver­mit­teln.“

In sol­chen Mo­men­ten ist Zwan­zi­ger ganz bei sich, da führt er den Kon­gress, da ist er ein we­sent­li­cher Ak­teur auf der ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Büh­ne, rhe­to­risch über­zeu­gend, in­halt­lich auf der Hö­he, der un­um­strit­te­ne Star der deut­schen Fuß­ball-Funk­tio­nä­re. Sie hän­gen an sei­nen Lip­pen in Es­sen, und sie sind am Abend be­stimmt be­reit, die Welt wei­ter zu ver­bes­sern. Mit viel we­ni­ger wür­de Zwan­zi­ger sich nicht zu­frie­den­ge­ben.

Da­bei sieht die Welt aus sei­ner Sicht schon ziem­lich gut aus. Den Li­ga-Prä­si­den­ten Rein­hard Rau­ball nennt er ei­nen Freund. Er preist „die glän­zen­de Zu­sam­men­ar­beit“. Er be­zeich­net „Jo­gi“ Löw als „ei­nen Bun­des­trai­ner, auf den wir stolz sein kön­nen“. Und er be­tont, Löws Ver­trags­ver­län­ge­rung ha­be auch ihn im Wunsch be­stärkt, noch ein­mal als DFB-Prä­si­dent an­zu­tre­ten. „Nie mehr“, ver­spricht Zwan­zi­ger, wer­de es zwi­schen ihm und dem Bun­des­trai­ner ei­ne der­art quä­lend lan­ge Sprach­lo­sig­keit ge­ben wie vor dem WM-Tur­nier, als die Ver­trags­ver­län­ge­rung mal gar nicht mehr so si­cher war. Und weil jetzt vie­les gut ist, fin­det er: „Das Amt des DFBPrä­si­den­ten ist schön – und schwer.“ Den De­le­gier­ten ruft er zu: „Ich den­ke, ich ha­be wie­der die Kraft da­für. Wenn Sie wol­len, wer­de ich Sie noch mal drei Jah­re ner­ven.“

Sie wol­len. Al­le 255. Der Bei­fall ist freund­lich, ein biss­chen be­herrscht. Er passt in ei­ne Phil­har­mo­nie.

FO­TO: DAPD

Hat die 255 De­le­gier­ten in der Es­se­ner Phil­har­mo­nie im Griff: Theo Zwan­zi­ger.

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