We­ge zum Job

Rheinische Post Goch - - Beruf& Karriere -

werk un­ter Be­kann­ten, Freun­den und frü­he­ren Kol­le­gen. „Sich mit sei­ner ei­ge­nen Ar­beits­lo­sig­keit zu ver­ste­cken, ist gar nicht gut“, sagt Ei­ke­mei­er. „Wir ra­ten im­mer, of­fen dar­über zu spre­chen und im Be­kann­ten­kreis zu fra­gen.“

Vie­le Ar­beits­lo­se tun das aber nicht, weil sie sich we­gen ih­rer Si­tua­ti­on schä­men, wie Ma­de­lei­ne Leit­ner be­ob­ach­tet hat. Doch das sei ge­nau der fal­sche Weg. „Wer nicht aus sich her­aus­geht, ak­tiv wird und vie­len Men­schen von sei­ner Ar­beits­lo­sig­keit er­zählt, der hat auch we­ni­ger Chan­cen auf dem Markt.“

Es sei da­her ein Feh­ler, al­lein im stil­len Käm­mer­lein Blind­be­wer­bun­gen zu schrei­ben und dar­auf zu hof­fen, dass ei­nes Ta­ges ei­ne Zu­sa­ge im Brief­kas­ten liegt. „Nur ein Drit­tel al­ler Stel­len in Deutsch­land wird über das klas­si­sche Sys­tem durch An­non­cen ver­ge­ben – und zwei Drit­tel lau­fen über den ver­deck­ten Stel­len­markt“, er­klärt Leit­ner. Das heißt: Von vie­len Stel­len er­fah­ren flei­ßi­ge Be­wer­bungs­schrei­ber nie, weil sie gar nicht an­non­ciert wer­den. Und man­che Stel­le aus ei­ner An­zei­ge ist wo­mög­lich längst ver­ge­ben.

Sich zei­gen statt sich zu ver­ste­cken, ist al­so die De­vi­se, wie der Buch­au­tor Alexander von Schön­burg er­läu­tert: „Die Le­gen­de des Ka­pi­ta­lis­mus, der uns stän­dig ein­bläu­te ,Je­der kann!’, hat sich als un­halt­bar er­wie­sen. Es kann eben nicht je­der – Kar­rie­ren wer­den ge­knickt, es gibt Ge­win­ner und Ver­lie­rer, und die Ver­lie­rer wer­den im­mer mehr.“ Wer heu­te ar­beits­los ist, müs­se das nicht als per­sön­li­ches Schei­tern an­se­hen.

Auch das Mot­to „Viel hilft viel“ gilt bei der Ar­beits­su­che nicht. Denn die An­nah­me, dass mehr Be­wer­bun­gen zu mehr Job­chan­cen füh­ren, sei ein Trug­schluss, sagt der Kar­rie­r­e­be­ra­ter Mar­tin Wehr­le aus Jork bei Ham­burg. Wich­tig sei, die ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten zu er­ken­nen und von sich aus auf Un­ter­neh­men zu­zu­ge­hen. Initia­tiv­be­wer­bun­gen müss­ten da­bei pass­ge­nau auf die Ei­gen­ar­ten ei­ner Fir­ma und Bran­che zu­ge­schnit­ten sein. Da­für müs­sen Be­wer­ber de­ren Be­dürf­nis­se ana­ly­sie­ren und sich selbst als Pro­blem­lö­ser prä­sen­tie­ren. „Te­le­fo­nie­ren Sie mit der Fir­ma, sam­meln Sie In­for­ma­tio­nen und ver­fas­sen Sie für je­de Be­wer­bung ein in­di­vi­du­el­les An­schrei­ben“, rät Wehr­le.

Mit ei­ner in­di­vi­du­el­len Be­wer­bung kön­ne man mehr er­rei­chen als ein Mas­sen­ver­sen­der mit 100 Blind­be­wer­bun­gen. „Ei­ne Top-Be­wer­bung ist ein maß­ge­schnei­der­ter Aschen­put­tel-Schuh: Sie darf nur an den Fuß die­ser ei­nen Fir­ma pas­sen“, sagt Wehr­le. Und das hilft dann bei der Su­che nach dem neu­en Job auch mehr als das gro­ße Streu­feu­er an vie­le Fir­men.

FO­TO: DPA

Qua­li­tät In die Be­wer­bungs­map­pe soll­te aus­rei­chend Zeit in­ves­tiert wer­den.

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