Alp­traum Schim­mel

Im Herbst und Win­ter ist rich­ti­ges Lüf­ten und Hei­zen in der Woh­nung wich­tig.

Rheinische Post Goch - - Immobilien& Geld - VON MARC LEH­MANN

Wenn sich in der Woh­nung Schim­mel­fle­cke aus­brei­ten, sieht das nicht nur schlimm aus. Auch die Ge­sund­heit kann dar­un­ter lei­den. So­wohl Mie­ter als auch Ver­mie­ter soll­ten ih­re Rech­te ken­nen. Mie­ter wol­len meist den Ver­mie­ter we­gen schlech­ter Bau­sub­stanz in die Ver­ant­wor­tung neh­men . Ver­mie­ter wie­der­um be­schul­di­gen üb­li­cher­wei­se die Mie­ter, es sei nicht aus­rei­chend ge­lüf­tet wor­den.

Grund­sätz­lich gilt: Schim­mel und feuch­te Wän­de in der Woh­nung sind ein Man­gel des Miet­ob­jek­tes. Der Mie­ter hat ei­nen An­spruch dar­auf, dass ein der­ar­ti­ger Man­gel be­sei­tigt wird. Pas­siert das nicht, kann er die Mie­te min­dern. Un­ter Um­stän­den ist ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung we­gen Ge­sund­heits­ge­fähr­dung mög­lich.

Der Ver­mie­ter kann dem ent­ge­gen­hal­ten, der Mie­ter ha­be den Schim­mel selbst ver­ur­sacht, et­wa mit feuch­ter Wä­sche in der Woh­nung, zu we­nig Hei­zen in den kal­ten Ta­gen so­wie zu we­nig Lüf­ten. Für selbst ver­schul­de­te Män­gel kann der Mie­ter den Ver­mie­ter nicht ver­ant­wort­lich ma­chen – im Ge­gen­teil: Der Mie­ter muss in sol­chen Fäl­len so­gar die Kos­ten für Schim­mel­be­sei­ti­gung über­neh­men (LG Berlin, Az: 61 S 19/84).

Wich­tig für den Mie­ter: Er soll­te früh ak­tiv wer­den und den Ver­mie­ter über Schä­den in­for­mie­ren, da­mit schnellst­mög­lich Ge­gen­maß­nah­men er­grif­fen wer­den kön­nen. Bei der Man­gel­an­zei­ge ist es not- wen­dig, ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zu set­zen und Miet­min­de­rung an­zu­dro­hen. Erst nach Frist­ab­lauf darf aber die Mie­te ge­min­dert wer­den.

Ge­rich­te nei­gen oft da­zu, von ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus Bau­man­gel so­wie Fehl­ver­hal­ten des Mie­ters aus­zu­ge­hen. Al­ler­dings kann der Ver­mie­ter schon des­halb be­langt wer­den, wenn er al­te Fens­ter ge­gen mo­der­ne aus­ge­taucht und sei­ne Mie­ter nicht be­lehrt hat, dass nun mehr ge­lüf­tet wer- den muss (Land­ge­richt Lü­beck WM 90, 202). Der Grund: Mo­der­ne Kunst­stoff-Fens­ter däm­men die Luft­zir­ku­la­ti­on, was Schim­mel be­güns­tigt.

Wie aber ist die Be­weis­last? Der Mie­ter muss zu­nächst be­wei­sen, dass Schim­mel vor­han­den ist. Im nächs­ten Schritt müss­te der Ver­mie­ter be­wei­sen, dass der Mie­ter die Schuld trägt. Wenn an­de­re Woh­nun­gen im Haus von Schim­mel ver­schont ge­blie­ben sind, spricht das für die Schuld des Ver­mie­ters. Hat sich der Ver­mie­ter ent­las­tet, ist wie­der der Mie­ter an der Rei­he: Er muss be­wei­sen, dass er an­ge­mes­sen ge­heizt und ge­lüf­tet und so­mit die Schä­den nicht zu ver­tre­ten hat.

Ge­rich­te ur­tei­len sehr un­ter­schied­lich und we­nig vor­her­seh­bar, wie viel Hei­zen und Lüf­ten dem Mie­ter zu­ge­mu­tet wer­den kann. Wird das Recht für ei­ne Miet­min­de­rung zu­ge­spro­chen, so lie­gen die Sät­ze oft zwi­schen zehn und 20 Pro- zent. Bei Mie­tern, die aus Sor­ge um ih­re Ge­sund­heit frist­los kün­di­gen wol­len, hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass die kon­kre­te Ge­sund­heits­ge­fähr­dung nach­ge­wie­sen wer­den muss. Kann das der Mie­ter nicht, so muss er dem Ver­mie­ter ei­ne an­ge­mes­se­ne Zeit ge­ben, den Scha­den zu be­sei­ti­gen (Bun­des­ge­richts­hof, Az: VIII ZR 182/06). An­sons­ten muss er die Mie­te bis zum re­gu­lä­ren En­de des Miet­ver­tra­ges wei­ter­zah­len.

FO­TO: AR­GUS / HART­MUT SCHWARZ­BACH

Schim­mel­pilz­be­fall in ei­ner Woh­nung kann ernst­haf­te Krank­hei­ten aus­lö­sen.

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