In Kle­ve an­ge­kom­men

Sie ka­men aus dem Kon­go, der Tür­kei oder El Sal­va­dor, spra­chen kein Wort Deutsch. Trotz­dem ha­ben sie es in die Mit­te der Ge­sell­schaft ge­schafft, sich gut in Kle­ve eta­bliert. Vier Bei­spie­le für ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on.

Rheinische Post Goch - - Goch / Uedem - VON SA­BI­NE WOTZLAW

KLE­VE Bun­des­bank­vor­stand Thi­lo Sar­ra­zin hat mit sei­nem Buch „Deutsch­land schafft sich ab“ nicht nur ei­nen Sturm der Ent­rüs­tung, son­dern auch ei­ne hef­ti­ge In­te­gra­ti­ons­de­bat­te aus­ge­löst. Vie­le Mi­gran­ten le­ben in Deutsch­land auch nach Jahr­zehn­ten ab­ge­schot­tet in ih­ren Mil­lieus, be­herr­schen kaum die Deut­sche Spra­che. Ih­re Kin­der schnei­den in der Schu­le schlecht ab.

Mehr­heit aus den Nie­der­lan­den

Der Kreis Kle­ve hat rund 308 000 Ein­woh­ner. Der Aus­län­der­an­teil liegt mit 28 173 Men­schen bei 9,14 Pro­zent. Die Mehr­heit der aus­län­di­schen Be­völ­ke­rung im Kreis Kle­ve kommt mit 15 296 Men­schen aus den Nie­der­lan­den, dicht ge­folgt von Po­len (3355) und Tür­ken (1503).

Die Dia­gno­se, die Sar­ra­zin zu schlecht in­te­grier­ten Ein­wan­de­rern ge­trof­fen hat, passt nicht zu Ndon­ga­la Ki­si­ta. Mit Of­fen­heit und sei­nem Hun­ger nach Bil­dung hat der Afri­ka­ner es in die Mit­te der deut­schen Ge­sell­schaft ge­schafft. „In­te­gra­ti­on war mir von An­fang an wich­tig“, sagt der 45-Jäh­ri­ge, der vor 15 Jah­ren aus po­li­ti­schen Grün­den den Kon­go ver­ließ und nach Kle­ve kam. „Am meis­ten ha­ben mir die Men­schen an mei­nem Ar­beits­platz ge­hol­fen“, sagt Ki­si­ta, der im Kon­go Bio­lo­gie und Che­mie stu­dier­te und heu­te in der Qua­li­täts­kon­trol­le ei­ner gro­ßen Gärt­ne­rei in Kra­nen­burg ar­bei­tet.

Auch Zuh­ra Ai­ni-Hei­den­reich ist ein Bei­spiel für ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on. Als sie vor 16 Jah­ren von Kabul nach Deutsch­land kam, war ih­ren El­tern wich­tig, dass sie so­fort zur Schu­le geht. „Mein Va­ter war Of­fi­zier, mei­ne Mut­ter Bau­in­ge­nieu­rin. Für mei­ne El­tern stand Bil­dung an ers­ter Stel­le“, er­zählt die 26-Jäh­ri­ge, die nach ih­rem Re­al­schul­ab­schluss zu­nächst ei­ne Aus­bil­dung zur Phar­ma­zeu­tisch-Kauf­män­ni­schen As­sis­ten­tin be­gann. Dann wur­de sie schwan­ger. Der­zeit macht Ai­niHei­den­reich in Kle­ve ei­ne Aus­bil­dung zur Flo­ris­tin, ar­bei­tet ne­ben­bei in ei­nem Blu­men­la­den. Auch wenn die 26-Jäh­ri­ge ein Kopf­tuch trägt, be­zeich­net sie sich als gut in­te­griert. „Ich möch­te mich an­pas­sen, aber ich selbst blei­ben. Für mich als Mus­li­min ge­hört das Kopf­tuch ein­fach da­zu.“

Umut Ak­pi­nar wur­de in Deutsch­land ge­bo­ren, ver­brach­te aber die ers­ten bei­den Le­bens­jah­re in der Tür­kei. Heu­te ist der 33-Jäh­ri­ge Mann­schafts­ka­pi­tän des 1. FC Kle­ve. „Ich bin zwei­spra­chig auf­ge­wach­sen. Mei­nen El­tern war wich­tig, dass ich die deut­sche Kul­tur ken­nen­ler­ne. Sie ha­ben so­gar Weih­nach­ten und Os­tern mit uns ge­fei­ert“, er­in­nert sich der Ener­gie­elek­tro­ni­ker. Auch Mi­guel Bar­re­ra ist ein gu­tes Bei­spiel für ei­ne ge­lun- ge­ne In­te­gra­ti­on. Nach ei­nem AuPair-Auf­ent­halt in Deutsch­land schrieb er sich an der Kle­ver Hoch­schu­le Rhein-Waal für den Stu­di­en­gang „In­ter­na­tio­nal Bu­si­ness in So­ci­al Sci­ence“ ein.

„Ich konn­te da­mals kein Deutsch. Ha­be Sprach­kur­se an der VHS be­sucht.“ Mitt­ler­wei­le hat der Zen­tral­ame­ri­ka­ner vie­le Freun­de in Deutsch­land ge­fun­den. „Und ei­ne Freun­din“, freut sich der 22-Jäh­ri­ge. „Wir üben ge­mein­sam Deutsch.“

Nach sei­nem Stu­di­um möch­te Bar­re­ra in Deutsch­land blei­ben. „Die Leu­te hier sind sehr nett und hilfs­be­reit.“

Umut Ak­pi­nar: Der Ka­pi­tän des 1. FC kle­ve.

Zuh­ra Ai­ni-Hei­den­reich: „Kopf­tuch ge­hört da­zu“.

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