Fie­se Mi­schung im Glas Ar­g­lo­se Dis­co­be­su­cher

sind das Ziel von Kri­mi­nel­len, die mit so ge­nann­ten „K.o.-Trop­fen“ ih­re Op­fer be­wusst- und wil­len­los ma­chen wol­len. Im Kreis Kle­ve set­zen Po­li­zei, Staats­an­walt­schaft und De­ho­ga auf Vor­beu­gung.

Rheinische Post Goch - - Fürs Leben - VON MAR­CO BÜ­REN

KLE­VER­LAND In Kri­mi­se­ri­en oder Ki­no­fil­men taucht fol­gen­de Sze­ne häu­fig auf: Von hin­ten schleicht sich der Tä­ter an sein Op­fer her­an und hält ihm ein Tuch vor die Na­se. Der oder die Ah­nungs­lo­se fällt be­wusst­los in sich zu­sam­men, und der Tä­ter kann un­ge­stört sei­ner kri­mi­nel­len Ener­gie frei­en Lauf las­sen. Ir­gend­wann wird das Op­fer wie­der auf­wa­chen und sich an nichts er­in­nern – weil es mit Chlo­ro­form oder ei­ner ähn­li­chen Sub­stanz be­täubt wur­de. In der jün­ge­ren Kri­mi­nal­ge­schich­te macht ein ähn­li­ches Be­täu­bungs­mit­tel „Kar­rie­re“, des­sen Ein­satz ge­nau­so hin­ter­häl­tig wirkt und das Op­fer eben­falls ah­nungs­los zu­rück­lässt. Die­se Be­täu­bungs­mit­tel sind als K.o.-Trop­fen be­kannt wor­den. Wäh­rend das Op­fer sein Ge­tränk au­ßer Acht lässt, mengt der Tä­ter das Be­täu­bungs­mit­tel hin­zu. Was dann folgt, ist ei­ne Art „Film­riss“, wäh­rend dem der Kri­mi­nel­le frei­es Spiel hat.

Dieb­stahl oder Se­xu­al­de­lik­te

Das Jus­ti­zi­mi­nis­te­ri­um von NRW warnt in ei­ner 2009 her­aus­ge­ge­be­nen Bro­schü­re über po­ten­zi­el­le Tat­or­te: „Es sind nicht sel­ten Dis­ko­the­ken, Gast­stät­ten oder pri­va­te Par­tys“, heißt es im Vor­wort. Die Mo­ti­ve der Tä­ter sei­en oft Dieb­stahl und Se­xu­al­de­lik­te. Bei letz­te­rem sind Frau­en das Ziel der Tä­ter. Sie neh­men in Kauf, dass ihr Op­fer je nach Do­sis des Be­täu­bungs­mit­tels ent­hemmt oder ganz wil­len­los wird – und sich da­bei mit ho­her Wahr­schein­lich­keit gar nicht mehr an die Tat er­in­nert. Dies ist aber nur ei­ner der Grün­de, der die spä­te­re Er­mitt­lungs­ar­beit der Po­li­zei schwie­rig macht.

Das ei­ge­ne Scham­ge­fühl hin­dert die Op­fer an ei­ner An­zei­ge bei der Po­li­zei. Oder aber der ei­ge­ne „Film­riss“ wird mit ex­zes­si­vem Al­ko­hol­ge­nuss ab­ge­tan. „Da­bei ist ei­ne schnel­le An­zei­ge be­son­ders wich­tig, um ei­nen Nach­weis der Be­täu­bungs­mit­tel füh­ren zu kön­nen“, sagt Heinz van Baal, Spre­cher der Kreis­po­li­zei Kle­ve. „Acht St­un­den nach der Tat kön­nen be­stimm­te Mit­tel schon nicht mehr in Blut oder Urin nach­ge­wie­sen wer­den.“ Da­nach, emp­fiehlt das Bon­ner In-

Der Ho­tel-und Gast­stät­ten­ver­band De­ho­ga hat­te im Mai sei­ne Mit­glieds­be­trie­be ein­dring­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, wie Wirt und Kun­den vor­beu­gend ak­tiv wer­den kön­nen (sie­he In­fo­kas­ten). „Nach wie vor mah­nen wir un­se­re Mit­glie­der, ins­be­son­de­re bei gro­ßen Men­schen­men­gen wach­sam zu sein“, sagt Tho­mas Ko­la­ric von der De­ho­ga Nord­rhein. Dem­nach sol­le das Per­so­nal so gut wie mög­lich ein Au­ge auf un­be­ob­ach­te­te Glä­ser und Fla­schen und auf Frau­en oh­ne Be­glei­tung ha­ben, er­gänzt Ko­la­ric. Auch Dank die­ser Wach­sam­keit spie­len De­lik­te mit K.o.-Trop­fen im Kreis Kle­ve kei­ne Rol­le. „Es ist mir bis­lang kein Fall be­kannt, in dem ein Tä­ter we­gen der An­wen­dung sol­cher Mit­tel über­führt wur­de“, sagt van Baal, rech­net aber durch­aus mit ei­ner Dun­kel­zif­fer.

RP-FO­TO: BREU­ER

In ei­nem un­be­ob­ach­te­ten Mo­ment ist es ge­sche­hen: Wie in die­ser ge­stell­ten Sze­ne hat je­mand un­be­merkt et­was ins Glas ge­mischt.

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