WM-Bron­ze für Ham­bü­chen

Heu­te fei­ert der deut­sche Vor­tu­ner sei­nen 23. Ge­burts­tag. Zu­letzt lief es nicht mehr so rund, Ver­let­zun­gen stopp­ten im­mer wie­der sei­nen Ta­ten­drang. In Rot­ter­dam wur­de er Drit­ter am Reck vor sei­nem Team­kol­le­gen Boy.

Rheinische Post Goch - - Sport / Roman - VON FRIED­HELM KÖRNER

ROT­TER­DAM Am En­de war Fa­bi­an Ham­bü­chen wie­der ganz der Strah­le­mann, als den ihn die deut­schen Turn­fans seit sei­nem Tri­umph am Reck bei den Welt­meis­ter­schaf­ten in Stutt­gart ken­nen. Zu Gold hat es dies­mal nicht ge­reicht. Der Chi­ne­se Zhang Chen­glong und – vor hei­mi­scher Ku­lis­se in der Ahoy-Sport­hal­le von Rot­ter­dam – der Nie­der­län­der Ep­ke Zon­der­land wa­ren zu stark, als dass er an sei­nem Lieb­lings­ge­rät den Gold-Coup von 2007 hät­te wie­der­ho­len kön­nen. Doch auch über die Bron­ze­me­dail­le war Deutsch­lands Vor­tur­ner über­glück­lich. „Es ist un­glaub­lich“, sag­te er. „Ich traue­re über­haupt nicht dar­über nach, nicht Zwei­ter oder Ers­ter ge­wor­den zu sein.“ Und im Blick auf sei­nen Eh­ren­tag füg­te er hin­zu: „Ich ha­be mir das schöns­te Ge­burts­tags­ge­schenk ge­macht.“ Drei­und­zwan­zig wird er heu­te.

Ganz so strah­len wie der Team­kol­le­ge aus Wetzlar konn­te Phil­ipp Boy na­tur­ge­mäß nicht. Zwei Ta­ge nach dem Ge­winn der Sil­ber­me­dail­le im Mehr­kampf blieb dem Cott­bu­ser im Reck­fi­na­le nur Rang vier. Den­noch sag­te Bun­des­trai­ner Andre­as Hirsch: „Ich bin stolz auf ihn, auch wenn er jetzt stink­sau­er ist.“ Boy glaub­te zu ah­nen, wes­halb er ei­ne Me­dail­le ver­pass­te: „Wenn ich am Schluss ste­hen blei­be, wä­re es das ge­we­sen. Ich wuss­te: Als ich den Schritt ge­macht ha­be, wer­den sie mich de­fi­ni­tiv hin­ter Fa­bi set­zen.“ Trotz­dem sprach er von ei­ner „gei­len Wo­che“, die er in Rot­ter­dam er­lebt ha­be. „Ich hät­te vor der WM nie ge­dacht, dass al­les so aus­ge­hen wür­de.“ Schließ­lich ist er auch noch end­gül­tig aus Ham­bü­chens Schat­ten ge­tre­ten: „Al­le ha­ben mich jetzt bes­ser auf dem Schirm. Sie wis­sen: Jetzt gibt es noch ei­nen Zwei­ten in Deutsch­land, der Mehr­kampf und Reck turnen kann.“

Ham­bü­chen wag­te vol­les Ri­si­ko und freu­te sich nach sei­nem 47 Se­kun­den lan­gen Auf­tritt über WM- Rang drei, weil er si­cher ist, ei­ne per­fek­te Übung ab­sol­viert zu ha­ben. Wie er auch der Über­zeu­gung ist, dass die WM für ihn per­fekt ge­lau­fen ist. Mit der Mann­schaft hat­te er am Don­ners­tag eben­falls Bron­ze ge­won­nen. „Ich ha­be al­le Übun­gen durch­ge­turnt und hat­te kei­nen ein­zi­gen Feh­ler. Ich bin zu­rück, bin wie­der voll auf der Büh­ne“, sag­te der seit sei­nem Bän­der­riss im ver­gan­ge­nen Jahr von Ver­let­zungs­pro­ble­men ge­plag­te Ath­let und sieht in sei­nen Leis­tun­gen ei­nen Be­frei­ungs­schlag. Bei der WM hat­te er we­gen Achil­les­seh­nen­be­schwer­den auf Sprung und Bo­den ver­zich­tet. „Jetzt gilt es, den Fuß wie­der in Ord­nung zu brin­gen“, be­ton­te Ham­bü­chen, und es war ihm ein be­son­de­res An­lie­gen, Arzt und Phy­sio­the­ra­peut für ih­re er­folg­rei­che Ar­beit zu dan­ken.

Vor der Ent­schei­dung am Reck, dem spek­ta­ku­lä­ren Schluss­punkt der WM, hat­te Ham­bü­chen am Bar­ren Edel­me­tall nur knapp ver­passt. Als Vier­ter war er bes­ter Eu­ro­pä­er hin­ter den Chi­ne­sen Feng Zhe und Teng Hai­bin so­wie dem ja­pa­ni­schen Mehr­kampf­welt­meis­ter Ko­hei Uchimura. Beim Ab­gang un­ter­lief ihm ein klei­ner Seit­schritt. „Es war ei­ne gu­te Übung bis auf den Hop­ser am En­de“, sag­te er.

An­dert­halb St­un­den spä­terv hat­te er dann ja doch sei­ne Me­dail­le nach ei­nem Ein­zel­fi­na­le.

FO­TO: AP

Kör­per­be­herr­schung: Fa­bi­an Ham­bü­chen am Reck.

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