Cho­le­ra er­reicht Hai­tis Haupt­stadt

Die In­fek­ti­ons­krank­heit hat bis­lang mehr als 250 To­te ge­for­dert. Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen be­fürch­ten ei­ne Ka­ta­stro­phe, soll­te sich die Cho­le­ra in Port-au-Prin­ce aus­brei­ten. Ex­per­ten se­hen ein Ri­si­ko für ein er­neu­tes schwe­res Erd­be­ben.

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft -

PORT-AU-PRIN­CE (RP) In den Flücht­lings­la­gern in Hai­tis Haupt­stadt Port-au-Prin­ce geht die Angst vor ei­nem un­sicht­ba­ren Feind um: Er­reicht die Cho­le­ra die Stadt, droht ei­ne mensch­li­che Tra­gö­die. „Wenn die Epi­de­mie sich nach Port-auP­rin­ce aus­brei­tet, wo Kin­der und Fa­mi­li­en in un­hy­gie­ni­schen, über­füll­ten La­gern le­ben, wer­den die Fol­gen ka­ta­stro­phal sein“, warnt Est­rel­la Ser­ra­no von der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on World Vi­si­on. Die Men­schen le­ben so nah bei­ein­an­der, dass sich die Cho­le­ra sehr schnell aus­brei­ten kann. Hai­tis Ge­sund­heits­mi­nis­ter Alex Lar­sen sprach von ei­ner be­son­ders ag­gres­si­ven Form. „Die­se Krank­heit ist sehr ge­fähr­lich. Sie kann in­ner­halb von drei St­un­den tö­ten, wenn der Durch­fall ein­mal ein­ge­setzt hat.“

Bis­lang sind schon fünf Cho­le­ra­Fäl­le nach Be­hör­den­an­ga­ben in Port-au-Prin­ce re­gis­triert. Die Ka­ta­stro­phen­hel­fer ha­ben schon lan­ge vor solch ei­nem Sze­na­rio ge­warnt. Noch im­mer, knapp zehn Mo­na­te nach dem ver­hee­ren­den Erd­be­ben mit na­he­zu 250000 To­ten, le­ben in der Haupt­stadt Men­schen un­ter schlimms­ten Be­din­gun­gen. Über ei­ne Mil­li­on sind bei der Na­tur­ka­ta­stro­phe ob­dach­los ge­wor­den, vie­le ha­ben kei­nen Zu­gang zu sau­be­rem Trink­was­ser.

Bis­lang sind die meis­ten In­fek­tio­nen vor al­lem in der Pro­vinz Ar­ti­bo­ni­te, nörd­lich von Port-au-Prin­ce, auf­ge­tre­ten. Ein Fluss, in dem sich die Men­schen wa­schen und aus dem sie trin­ken, soll ver­un­rei­nigt sein. Die Kran­ken­häu­ser sind vom An­sturm der Kran­ken über­for­dert. In der Ha­fen­stadt Saint-Marc wur­den Hun­der­te we­gen Durch­fall und Er­bre­chen im Kran­ken­haus be­han- delt, vie­le von ih­nen lie­gen auf De­cken auf ei­nem Park­platz vor der über­füll­ten Kli­nik und er­hal­ten Infu­sio­nen ge­gen die Aus­trock­nung. Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen schi­cken Spe­zia­lis­ten und me­di­zi­ni­sche Gü­ter in die be­trof­fe­nen Ge­bie­te. In meh­re­ren Or­ten sol­len pro­vi­so­ri­sche Ge­sund­heits­zen­tren er­rich­tet wer­den.

Ne­ben der Cho­le­ra lau­ert ei­ne wei­te­re Ge­fahr: Es könn­te ein wei­te­res schwe­res Erd­be­ben dro­hen. Bei dem ver­hee­ren­den Be­ben im Ja­nu­ar sei die un­ter­ir­di­sche Span­nung an ei­ner be­rüch­tig­ten geo­lo­gi­schen Bruch­stel­le wahr­schein­lich nicht frei­ge­setzt wor­den, er­klär­te ein US- For­scher­team. Als Aus­lö­ser für das Be­ben mit ei­ner Stär­ke von 7,0 war zu­nächst ei­ne be­kann­te, aber we­nig er­forsch­te so­ge­nann­te Bruch­li­nie na­mens En­ri­quil­lo-Plan­tain Gar­den Zo­ne ver­mu­tet wor­den. Die For­scher fan­den aber her­aus, dass das Be­ben of­fen­bar nicht von die­ser Bruch­li­nie aus­ging. Bei ei­ner Un­ter­su­chung sei­en ent­lang der Li­nie zwar vie­le Ris­se und Ver­schie­bun­gen ge­fun­den wor­den, die je­doch al­le von Be­ben im 18. Jahr­hun­dert stamm­ten. Hin­ter­grund Acht Fak­ten zur Cho­le­ra un­ter www.rp-on­line.de/pan­ora­ma

FO­TO: AP

Müt­ter, die ih­re Kin­der mit Cho­le­ra-Sym­pto­men in die Kli­nik von Gran­de-Sa­li­ne ge­bracht ha­ben, be­de­cken ih­ren Mund und ih­re Na­se mit Tü­chern, um sich ge­gen die Krank­heit zu schüt­zen.

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