Streiks stö­ren bun­des­weit Bahn­ver­kehr

Die Bahn-Ge­werk­schaf­ten ha­ben für heu­te früh zu Warn­streiks im Be­rufs­ver­kehr auf­ge­ru­fen. Die Pro­test­Ak­tio­nen kön­nen auch Fern­zü­ge be­hin­dern.

Rheinische Post Goch - - Vorderseite -

DÜSSELDORF (RP) Mil­lio­nen Bahn­rei­sen­de müs­sen heu­te und vor­aus­sicht­lich auch an den fol­gen­den Ta­gen mit Zu­g­aus­fäl­len und Ver­spä­tun­gen rech­nen. Die Ge­werk­schaf­ten Trans­net und GDBA rie­fen ih­re Mit­glie­der zu bun­des­wei­ten Ak­tio­nen bei der Deut­schen Bahn und de­ren pri­va­ten Kon­kur­ren­ten im Re­gio­nal­ver­kehr auf. Sie sol­len in der Nacht be­gin­nen und bis zum Mit­tag dau­ern. Als Schwerpunkt der Ak­tio­nen ist heu­te un­ter an­de­rem Bay­ern vor­ge­se­hen, auch in Nord­rhein-West­fa­len sind grö­ße­re Ak­tio­nen zu er­war­ten. Trans­net-Chef Alexander Kirch­ner will heu­te früh am Haupt­bahn­hof in Köln spre­chen. Da sich an ei­ni­gen Bahn­hö­fen auch die Fahr­dienst­lei­ter den Warn­streiks an­schlie­ßen sol­len, kann es auch im Fern­ver­kehr zu Pro­ble­men kom­men.

Die Deut­sche Bahn kün­dig­te an, zu­sätz­li­ches Ser­vice-Per­so­nal ein­zu­set­zen, um die Streik­fol­gen zu mil­dern. Wer we­gen des Ar­beits­kampfs nicht fah­ren kön­ne, er­hal­te die Mög­lich­keit, sein Ti­cket um­zu­tau­schen. Auf die Er­stat­tung mög­li­cher Fol­ge­kos­ten von Ver­spä­tun­gen oder Zu­g­aus­fäl­len gibt es kei­nen Rechts­an­spruch, da Streiks als ei­ne Form hö­he­rer Ge­walt gel­ten. Die Bahn be­tont, es sei auch mög­lich, von Re­gio­nal­zü­gen auf Fern­zü­ge aus­zu­wei­chen. Zu­dem ent­fal­le die Zug­bin­dung bei Ti­ckets aus Son­der­ak­tio­nen, wenn der Streik die Rei­se un­mög­lich ma­che.

Grund­sätz­lich ent­schul­digt ein Streik bei der Bahn nicht das ver­spä­te­te Er­schei­nen am Ar­beits­platz, be­ton­ten Ju­ris­ten. Ar­beit­ge­ber kön­nen ver­lan­gen, dass die Ar­beits­zeit nach­ge­holt wird.

In der Aus­ein­an­der­set­zung mit den Bahn-Un­ter­neh­men wol­len die Ge­werk­schaf­ten er­rei­chen, dass die Lohn­un­ter­schie­de in der Bran­che be­sei­tigt wer­den. Be­schäf­tig­te bei pri­va­ten Bah­nen er­hal­ten „bis zu 20 Pro­zent“ we­ni­ger Ge­halt als ein ver­gleich­ba­rer Mit­ar­bei­ter der Deut­schen Bahn. Ob­wohl die Ge­werk­schaf­ten al­so er­rei­chen wol­len, dass die pri­va­ten Kon­kur­ren­ten der Bahn „Lohn­dum­ping“ nicht län­ger als Wett­be­werbs­vor­teil nut­zen, be­strei­ken sie auch die Bahn. Bahn-Per­so­nal­chef Ul­rich Weber ist über­zeugt, dass die Kun­den ins­be­son­de­re für die­sen Um­stand kein Ver­ständ­nis ha­ben wer­den. Trans­net und GDBA ent­geg­nen, dass die Deut­sche Bahn mit Bil­lig­töch­tern Mit­ar­bei­ter eben­falls zu schlech­te­ren Kon­di­tio­nen be­schäf­ti­ge. Die Ver­hand­lun­gen über ei­nen Bran­chen­ta­rif­ver­trag, der die Lohn­un­ter­schie­de ab­schwä­chen oder be­sei­ti­gen soll, sind nach An­sicht der Ge­werk­schaf­ten „völ­lig fest­ge­fah­ren“. Die Deut­sche Bahn rief zu ei­nem Ver­zicht auf die Warn­streiks auf und schlug ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren vor. Am Frei­tag wird wie­der ver­han­delt. So­lan­ge be­steht die Ge­fahr wei­te­rer Warn­streiks.

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