NRW: Rot-Grün strei­tet um Bau­pro­jek­te

Der ers­te hand­fes­te Ko­ali­ti­ons­streit kün­digt sich an. Die SPD ist für die höchst um­strit­te­nen Groß­pro­jek­te Kraft­werk Dat­teln und CO-Pi­pe­line, die Grü­nen sind strikt da­ge­gen. Ein­zi­ge Ge­mein­sam­keit: Die Bür­ger sol­len stär­ker an der Ent­schei­dung be­tei­ligt we

Rheinische Post Goch - - Politik - VON THO­MAS REISENER

DÜSSELDORF Das Kraft­werk Dat­teln und die CO-Pi­pe­line trei­ben im Düs­sel­dor­fer Land­tag ers­te Kei­le in die rot-grü­ne Ko­ali­ti­on. „Mit Ir­ri­ta­tio­nen neh­men wir die Äu­ße­run­gen von Wirt­schafts­mi­nis­ter Har­ry Voigts­ber­ger zu in­dus­trie­po­li­ti­schen Pro­jek­ten in Nord­rheinWest­fa­len auf“, sag­te ges­tern die Vor­sit­zen­de der NRW-Grü­nen, Mo­ni­ka Dü­ker.

Voigts­ber­ger hat­te sich im In­ter­view mit un­se­rer Zei­tung so­wohl für die Fer­tig­stel­lung des ge­richt­lich ge­stopp­ten Eon-Kraft­werk-Neu­baus in Dat­teln als auch für den – eben­falls ge­richt­lich ge­stopp­ten – Be­trieb der Bayer-CO-Pi­pe­line zwi­schen den Wer­ken Dor­ma­gen und Kre­feld aus­ge­spro­chen. „Die Grü­nen ver­tre­ten in bei­den Punk­ten ei­ne an­de­re Hal­tung“, so Dü­ker ges­tern ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Be­ob­ach­ter hat­ten schon wäh­rend der Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen im Som­mer ge­ahnt, dass es bei der In­dus­trie­po­li­tik zu mas­si­ven Kon­flik­ten zwi­schen So­zi­al­de­mo­kra­ten und Grü­nen kom­men muss.

Die CO-Pi­pe­line ge­hört zu den um­strit­tens­ten Groß­pro­jek­ten in Nord­rhein-West­fa­len. Der Bay­erKon­zern will über das Röh­ren­sys­tem gif­ti­ges Koh­len­mon­oxid zwi­schen sei­nen Stand­or­ten Kre­feld und Dor­ma­gen trans­por­tie­ren. Wäh­rend die An­woh­ner der Tras­se Angst vor dem ge­ruch­lo­sen und brenn­ba­ren Gift ha­ben, ver­tei­digt Bayer das Pro­jekt als wich­ti­ge In­fra­struk­tur­maß­nah­me zur Si­che­rung von Ar­beits­plät­zen. We­gen pla­nungs­recht­li­cher und si­cher­heits­tech­ni­scher Be­den­ken hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter den Be­trieb bis­lang un­ter­sagt.

In Dat­teln wie­der­um hat Eon be­reits 900 Mil­lio­nen Eu­ro in ei­nen Kraft­werks­neu­bau in­ves­tiert, der äl­te­re An­la­gen zur Koh­le­ver­stro­mung er­set­zen soll. Auch hier ha­ben die Ge­rich­te we­gen Ver­stö­ßen ge­gen das Pla­nungs­recht ei­nen Baustopp ver­fügt.

Voigts­ber­gers Ar­gu­men­ta­ti­on, das Kraft­werk in Dat­teln sei ein Bei­trag zum Kli­ma­schutz, nann­te Dü­ker „ab­surd“. Neue Kraft­wer­ke hät­ten ei­ne Lauf­zeit von min­des­tens 40 Jah­ren. „An­ge­sichts der ra­san­ten Ent­wick­lung der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en kann man doch nicht da­von aus­ge­hen, dass ein Koh­le­kraft­werk noch über Jahr­zehn­te zum Um­welt­schutz bei­trägt“, so Dü­ker. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ha­be man au­ßer­dem aus­drück­lich ver­ein­bart, dass ein von der schwarz-gel­ben Vor­gän­ger­re­gie­rung zur Über­win­dung der ju­ris­ti­schen Pro­ble­me ge­än­der­tes Lan­des­ent­wick­lungs­ge­setz rück­gän­gig ge­macht wer­den soll. „Rot-Grün hat sich ge­mein­sam ge­gen die­ses ,Lex-Eon’ aus­ge­spro­chen. Das kann Herr Voigts­ber­ger ger­ne noch mal nach­le­sen“, so Dü­ker.

Mit den Stim­men von CDU und FDP hat­te der Düs­sel­dor­fer Land­tag 2009 das Lan­des­ent­wick­lungs­ge­setz ge­än­dert. Ge­stri­chen wor­den war der so­ge­nann­te Kli­ma­schutz-Pa­ra­graf, der „re­ge­ne­rier­ba­re Ener­gie­trä­ger“ bei der Strom­er­zeu­gung bis da­hin be­vor­zu­gen soll­te. Dat­teln ist näm­lich auf die Ver­stro­mung von St­ein­koh­le aus­ge­legt. Im rot-grü­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trag steht nun aber auf Sei­te 28: „Er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en ist der Vor­rang vor al­len an­de­ren Ener­gie­trä­gern ein­zu­räu­men.“ Al­so ein Vo­tum ge­gen die St­ein­koh­le.

Zur CO-Pi­pe­line hat­te Voigts­ber­ger am Ran­de ei­ner IG BCE-Ver­an­stal­tung in Düsseldorf ge­sagt: „Wenn es ge­gen ein In­dus­trie­pro­jekt wie die CO-Pi­pe­line 65 000 Un­ter­schrif­ten gibt, dann müs­sen wir die Bür­ger mit­ent­schei­den las­sen.“ Die Grü­nen un­ter­stüt­zen zwar Initia­ti­ven, die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­tei­li­gung der Bür­ger zu er­mög­li­chen. „Ein Me­dia­ti­ons­ver­fah­ren, wie es der Mi­nis­ter vor­schlägt, reicht uns aber nicht“, sag­te Dü­ker. Mit der SPD sei

Grü­nen-Che­fin fin­det

Voigts­ber­gers Ar­gu­men­te „ab­surd“

FO­TO: DPA

Still­ge­legt: die Bau­stel­le des St­ein­koh­le­kraft­werks Dat­teln.

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