Wahl­kampf-Jo­ker Mi­chel­le Oba­ma

Ame­ri­kas First La­dy ist die wich­tigs­te po­li­ti­sche Stüt­ze des Prä­si­den­ten. Bei Mi­chel­le Oba­ma war, an­ders als bei ih­rer stil­len Vor­gän­ge­rin Lau­ra Bush, schon lan­ge zu spü­ren, wie we­nig ihr die Rol­le der schmü­cken­den Ehe­gat­tin ge­nügt hat. Hin­ter den Ku­lis­se

Rheinische Post Goch - - Politik - VON FRANK HERR­MANN

SA­CRA­MEN­TO Es war fast so wie in al­ten Zei­ten: Ein hei­se­rer, kämp­fe­ri­scher Ba­rack Oba­ma feu­ert sein Pu­bli­kum an, sei­ne Frau Mi­chel­le ruft laut: „Kön­nen wir et­was er­rei­chen?“ Und 35 000 Men­schen auf dem Cam­pus der Ohio Sta­te Uni­ver­si­ty ant­wor­ten: „Yes, we can! Yes, we can!“ Die Sze­ne in Ohi­os Haupt­stadt Co­lum­bus, sie er­in­ner­te an das Jahr 2008, als ei­ne Wel­le der Be­geis­te­rung Ba­rack Oba­ma bis ins Wei­ße Haus trug – mit gro­ßer Un­ter­stüt­zung sei­ner Frau.

Bei den Ame­ri­ka­nern deut­lich be­lieb­ter

als ihr Mann

Seit­dem wol­le sie ei­gent­lich nur noch „Mom-in-Chief“ sein, ei­ne Mut­ter, die zwar in der Macht­zen­tra­le wohnt, sich aber vor al­lem um ih­re zwei Töch­ter küm­mert. Sie mö­ge Po­li­tik nicht, lässt Mi­chel­le Oba­ma ih­re Lands­leu­te gern wis­sen. In Wahr­heit ist es ge­flun­kert. Ein­mal ab­ge­se­hen von Hil­la­ry Cl­in­ton gab es zu­letzt kaum ei­ne First La­dy, die sich so ak­tiv ins po­li­ti­sche Ta­ges­ge­schäft ein­schal­te­te.

Dass sie jetzt im Wahl­kampf er­neut Flag­ge zeigt, liegt an Be­liebt­heits­wer­ten, von de­nen ihr Mann nur träu­men kann: 68 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner ha­ben ei­ne ho­he Mei­nung von Mi­chel­le Oba­ma, wäh­rend nur gut zwei Fünf­tel den Kurs des Staats­chefs gut­hei­ßen. Al­so rührt die hoch­ge­wach­se­ne Fit­ness­fa­na­ti­ke­rin vor dem Kon­gress­vo­tum die Wer­be­trom­mel. Sie tut es so in­ten­siv, dass die US-Me­di­en sie zur Ge­heim­waf­fe der Re­gie­rungs­par­tei er­klärt ha­ben.

Ges­tern sprach sie zu po­ten­zi­el­len Spen­dern in San Fran­cis­co, bei ei­nem Din­ner, bei dem al­lein der Ein­tritt 600 Dol­lar kos­tet. Auf der Ziel­ge­ra­den will sie die tra­di­tio­nel­len, in die­sem Herbst al­ler­dings recht mü­den För­de­rer der De­mo­kra­ten mo­ti­vie­ren, um den fi­nan­zi­el­len Vor­teil der re­pu­bli­ka­ni­schen Kon­kur­renz noch aus­zu­glei­chen. Kon­kret geht es dar­um, Bar­ba­ra Bo­xer zu un­ter­stüt­zen, ei­ne Po­li­ti­ke­rin, die Ka­li­for­ni­en seit 1993 im Se­nat ver­tritt und im span­nen­den Du­ell mit der frü­he­ren Hew­lett-Pa­ckard-Che­fin Car­ly Fio­ri­na um ih­re Wie­der­wahl ban­gen muss. Nie­mand, glau­ben Bo­xers Stra­te­gen, kann die ver­zag­te An­hän­ger­schaft bes­ser mo­ti­vie­ren als Mi­chel­le Oba­ma. Bis zum Ur­nen­gang wird die be­gehr­te Wahl­kämp­fe­rin noch min­des­tens ein Dut­zend Mal Flag­ge zei­gen. Mal im klei­nen Kreis, mal auf gro­ßer Büh­ne. Ih­re Bot­schaft ist im­mer gleich: ein Ap­pell an die Ge­duld. „Ich weiß, für vie­le Men­schen kommt der Wan­del nicht schnell ge­nug. Glau­ben Sie mir, Ba­rack geht es ge­nau­so.”

Sol­chen Sät­zen folgt ge­wöhn­lich der Auf­ruf, den einst so um­ju­bel­ten Hoff­nungs­trä­ger nicht im Stich zu las­sen, wenn die ho­he Ar­beits­lo­sig­keit an den Ner­ven zerrt, der sprich­wört­li­che ame­ri­ka­ni­sche Op­ti­mis­mus ei­ne Pau­se ein­legt und sich die Angst vor dem auf­stre­ben­den Chi­na wie ein ro­ter Fa­den durch die De­bat­ten zieht. Ge­ra­de die Jun­gen, mahnt die Red­ne­rin, dürf­ten jetzt nicht des­in­ter­es­siert vorm Fern­se­her ho­cken, nach­dem sie Oba­ma mit ih­rem Ei­fer den Weg ins Oval Of­fice ge­eb­net hat­ten. „Ihr könnt nicht nur ein­mal ab­stim­men und euch dann aus­ru­hen. Ihr müsst bei je­der Wahl da­bei sein.“

Ob die Auf­ru­fe et­was be­wir­ken, sei da­hin­ge­stellt. Die Ent­täu­schung reicht tief, die Wirt­schafts­mi­se­re lie­ße je­den Prä­si­den­ten schlecht aus­se­hen. Im Jam­mer­tal jetzt soll die First La­dy nach vorn. In ge­wis­ser Wei­se er­in­nert das Phä­no­men an Ge­or­ge W. Bush, der nach dem Ab­sturz in den Mei­nungs­um­fra­gen sei­ne bis da­hin so zu­rück­hal­ten­de Lau­ra zu­se­hends ins Ram­pen­licht schob. An­ders als sie mischt Mi­chel­le Oba­ma aber schon län­ger kräf­tig mit. Ge­nau wie Elea­nor Roo- se­velt, First La­dy von 1933 bis 1945, tourt sie von Mi­nis­te­ri­um zu Mi­nis­te­ri­um, um alt­ge­dien­ten Be­am­ten zum Dank die Hand zu schüt­teln. So bi­zarr das Pro­ce­de­re an­mu­ten mag, so ein­deu­tig ist die Bot­schaft. Denn die re­bel­li­sche „Tea Par­ty“ ver­dammt grund­sätz­lich den Re­gie­rungs­ap­pa­rat.

Joe Sestak, ein De­mo­krat aus Penn­syl­va­nia, der Se­na­tor wer­den möch­te, brach­te es un­längst auf den Punkt: Als Ba­rack Oba­ma an­fra­gen ließ, ob Sestak den Prä­si­den­ten als Wahl­red­ner brau­chen kön­ne, ließ der frü­he­re Na­vy-Ad­mi­ral kurz und knapp aus­rich­ten: Ja, ei­nen Oba­ma brau­che er schon – „aber bit­te schickt mir Mi­chel­le“. In­ter­net War­um sich vie­le Ame­ri­ka­ner von Ba­rack Oba­ma ab­wen­den un­ter www.rp-on­line.de/po­li­tik BRE­MEN (RP) Ei­nen Tag nach der Ka­pe­rung durch Pi­ra­ten im In­di­schen Oze­an ist der Frach­ter „Be­lu­ga For­tu­ne“ mit 16 Mann Be­sat­zung wie­der frei. Die Bre­mer Be­lu­ga-Ree­de­rei teil­te mit, es sei kein Lö­se­geld ge­zahlt wor­den. Das Schiff ha­be mit nur leich­ten Schä­den, aber un­ver­sehr­ter Cr­ew sei­ne Fahrt nach Süd­afri­ka fort­set­zen kön­nen. Das rou­ti­nier­te Ver­hal­ten der Be­lu­ga-Mann­schaft, die sich in ei­nem Si­cher­heits­raum ver­bar­ri­ka­diert hat­te, wie auch das ra­sche Ein­grei­fen der Ma­ri­ne, die ein bri­ti­sches Kriegs­schiff bin­nen we­ni­ger St­un­den längs­seits des Frach­ters brach­te, hät­ten die Pi­ra­ten die Flucht er­grei­fen las­sen.

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US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma und First La­dy Mi­chel­le Oba­ma im Säu­len­gang des Wei­ßen Hau­ses in Washington.

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Die Be­lu­ga For­tu­ne aus Bre­men.

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